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Neues Weltbild.de: “Kaufen bei Amazon.de”

Kurz vor der Leipziger Buchmesse relaunchte die Augsburger Buchhandelskette Weltbild ihren Online-Shop. Bei den Leseproben setzt Weltbild auf einen ungewöhnlichen Dienstleister, mit einem kuriosen Nebeneffekt: Auf zahlreichen Artikelseiten wird zum Kauf des Buches auf Rivale Amazon.de verwiesen.

2015 verläuft für den einstmals größten deutschen Buchhändler, die Verlagsgruppe Weltbild, bislang zumindest in der Außendarstellung nicht wesentlich erfolgreicher als das “Insolvenzjahr” 2014. Der Verkauf der Hälfte der verbliebenen Filialen an einen branchenfernen Geschäftsmann wurde sehr kritisch verfolgt, intern wird massive Kritik am Sparkurs von Investor Droege geübt. In einem neuen Interview sprechen Gewerkschafter von “Taschenspieler-Tricks” und “Kaputt-Sparmaßnahmen” des einstigen Hoffnungsträger.

Weltbild selbst sieht sich auf dem Weg zu einem Multichannel-Händler mit einem starken Online Store, bei dem das Filialnetz eher eine flankierende Wirkung einnimmt. Entsprechend hohe Priorität hat der Internetauftritt Weltbild.de, der Anfang März ein neues Erscheinungsbild erhielt. Die Seite wirkt jetzt tatsächlich deutlich frischer und übersichtlicher, der Relaunch hat aber auch einige böse Begleiterscheinungen.

Schlechtere Google-Platzierungen nach Relaunch

Weltbild.de bei Google

Weltbild.de bei Google

So verlor Weltbild in den letzten Wochen massiv an Sichtbarkeit bei der Suchmaschine Google, vermutlich aufgrund von Umstellungen bei der URL-Struktur infolge des Relaunches (Grafik rechts vom Analyse-Unternehmen Searchmetrics). Das dürfte kurzfristig einen signifikanten Rückgang der Reichweite und damit auch des Umsatzes zur Folge haben, sollte sich aber  “reparieren” lassen.

Neu inszeniert im Rahmen des Relaunches wurde auch die Anzeige von Leseproben, ein wichtiges Verkaufsinstrument für Bücher. Dabei setzt Weltbild – höchst ungewöhnlich für einen Online Shop – in vielen Fällen auf das Leseproben-Widget von Internetkonzern Google. Das Google-Widget kommt sogar bei Titeln aus dem Hause Bertelsmann zum Einsatz, die mit BIC media einen eigenen Leseproben-Anbieter ihr Eigen nennen.

Armutszeugnis für Online-Ambitionen

Das Google-Widget für Leseproben zeigt Cover plus erste Seiten eines Buches in einer scrollbaren Ansicht, wie man sie auch auf Google Books findet – so weit, so konventionell. Wer bei oder nach der Lektüre der Textprobe den Titel auch kaufen möchte, hat im unteren Widget-Bereich dazu erst einmal zwei große Links zu Google Books zur Auswahl (Logo, “Mehr über dieses Buch”). Hinter der Anzeige “Dieses Buch kaufen” verbergen sich daneben gleich fünf Anbieter – an erster Stelle Amazon.de. Weltbild wird erst ganz unten angeführt und ist in keiner Weise hervorgehoben.

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Ein direkter Kauf aus der Leseprobe heraus liegt nahe, nicht umsonst gibt es bei Amazon.de innerhalb jeder Leseprobe gleich mehrere Kaufen-Links. Bei deutschen Stores wie eBook.de und Thalia gibt es in der Regel einen einzigen “Kaufen”-Button, der – natürlich – in den eigenen Store geht. Dass Weltbild die Besucher seiner eigenen Website zum Kauf auf Amazon.de verweist, ist angesichts der aktuellen Situation eher traurig als amüsant und ein absolutes Armutszeugnis für die Online-Ambitionen der Buchhandelskette.

[Update 17.03.: Das ging fix: Eingebunden ist zwar weiter das Google-Widget, statt dem konventionellen Footer-Balken mit fünf Shops zur Auswahl wird an gleicher Stelle jetzt aber nur noch auf den Weltbild.de Warenkorb gelinkt.]

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Kommentare


Amazon Watch (12/2015) | Holger Ehling Worldwide Blog 19. März 2015 um 08:00

[…] lesen.net ich Ihnen grundsätzlich und wärmstens ans Herz lege. Johannes hat entdeckt, dass die Superhirne bei Weltbild beim Relaunch ihrer Website vermehrt auf Leseproben und dabei Kauflinks auf fünf verschiedene […]

Antworten

Buchkolumne 08/2015: Der Indiebookday erobert Buchläden & Internet 22. März 2015 um 14:31

[…] Johannes Haupt berichtet auf lesen.net davon, dass Weltbild.de in seinem neuen Shop das Leseproben-Widget von Google nutzt. Dieses verlinkt aber innerhalb auf eigene Verkäufer – ganz oben wird da Amazon gelistet und Weltbild selbst kommt erst am Schluß. […]

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