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Online-Tool OverType simuliert Schreibmaschine bis ins Detail

Satte mechanische Tippgeräusche bei jedem „Aufschlag“, ein manuell zu betätigender Wagenrücklauf nach vollendeten Zeilen: Vor gar nicht allzu langer Zeit entstanden Texte noch so. Ein Online-Tool simuliert diese „analoge“ Schreib-Erfahrung nun äußerst liebevoll – und nebst unangenehmer Begleiterscheinungen.

OverType empfängt seine Besucher mit einer leeren Seite. Bei eingeschaltetem Sound gibt es schon beim ersten Anschlag nostalgische Gefühle in Form des charakteristischen Klackens. Überhaupt sind die Geräusche ein Highlight des Online-Tool, das unlängst die Benutzer der Online-Community Reddit verzückte. Ein Glöckchen weist auf das baldige Ende der Zeile hin, an dessen Ende es über einen rattrigen Rücklauf zurück auf Anfang geht.

Nur ein Buchstabe auf einmal

overtype buchstabenDas Tool simuliert aber auch die Schattenseiten mechanischer Schreibmaschinen, was vor allem geübte Tipper bemerken werden. Wie bei „echten“ Geräten ist nur die Betätigung einer einzigen Taste gleichzeitig möglich. Weil sich bei Schnell-Schreibern Anschläge üblicherweise unbewusst überlappen, gehen bei OverType bei normaler Tippgeschwindigkeit Zeichen verloren. Das Tool zwingt also zum langsamen Tippen, was eine interessante Erfahrung sein kann. So kommentiert bei Reddit ein Autor, bei bewusst langsamem handschriftlichem Schreiben gehe ihm eine Geschichte leichter von der Hand als am PC, wo die Finger schneller seien als die Gedanken.

Schreiben, bis die Tinte zur Neige geht

Auch bei Tippfehlern ist OverType genauso unverzeihlich wie sein mechanisches Vorbild: Fehlerhafte Buchstaben sind zu überschreiben, im Notfall kommt Korrekturpapier zum Einsatz. Auf Wunsch verrutschen Buchstaben in den Zeilen („Brokeness“ Regeler) und im Laufe der Zeit geht die Tinte zur Neige („Ribbon Ink“ Regeler). Mit gedrückter esc-Taste wird rot geschrieben – manchmal allerdings nur teilweise. Auf Mobilgeräten ist OverType leider nicht nutzbar.

Der praktische Nutzen von OverType ist sicherlich überschaubar, was angesichts zahlloser Online- und Offline-Tools zur Texterstellung (von denen eine sogar zum besonders schnellen Schreiben zwingt) kein Drama ist. Dafür verspricht die gelungene Anwendung viele nostalgische Gefühle und ermöglicht es Spätgeborenen nachzuvollziehen, wie Texte in den letzten drei Jahrhunderten entstanden sind. Der englische Entwickler von OverType konzipierte das Tool übrigens auch genau zu diesem Zweck – für seine Kinder.

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