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Samsung stellt eigenen E-Book-Store ein

Nach Sony verabschiedet sich jetzt auch Samsung aus dem E-Book-Geschäft. Der weltweit zweitgrößte Tablet- und Smartphone-Verkäufer (hinter Apple) beerdigt den im Herbst 2010 mit großen Ambitionen gestarteten Readers Hub in den USA und wahrscheinlich auch in Deutschland. Eine Alternative aus dritter Hand wurde bereits in Stellung gebracht, Bestandskunden verlieren wohl trotzdem ihre Bücher.

Samsung USA kündigte an, vom 09. Mai an werde Samsung Books schrittweise eingestellt. Nach dem 01. Juli 2014 hätten Samsung-Books-Nutzer keinen Zugriff mehr auf ihre in den letzten dreieinhalb Jahren gekauften E-Books; ein Migrations-Modell wie bei Sony (zu Kobo) gibt es nicht. Ebenso wenig ist offenbar eine Export-Funktion vorgesehen, die E-Books gehen also wohl unwiderruflich verloren.

Ob auch der deutsche Readers Hub abgeschaltet wird, konnte uns ein Samsung-Sprecher adhoc nicht sagen. Samsung sei derzeit aber grundsätzlich bestrebt, starke Partner für den Weiterbetrieb seiner Medienmarktplätze zu finden.

Das Samsung Readers Hub wurde im September 2010 zur IFA vorgestellt. Die App war Teil des „Media Hub“, einem Gegenentwurf zu den Marktplätzen von Google und Apple. Schon kurz davor lancierte das Unternehmen seinen ersten eBook Reader auf dem Heimatmarkt Südkorea, verbunden mit der Ankündigung, die Nummer 1 werden zu wollen. Das letzte große Update im Februar 2013, der „Readers Hub 2.0“ brachte unter anderem epub3-Support. Die App war auf Samsung Tablets und Smartphones vorinstalliert – trotz des großen Erfolges der Hardware reichte das aber nicht für einen signifikanten Marktanteil.

Alternative „Kindle for Samsung“

Readers-Hub-Kunden legt Samsung den Umstieg auf Kindle for Samsung nahe. Mit der im April vorgestellten App erhalten Besitzer eines Smartphones oder Tablets der Nummer 1 im Android-Lager eine Kindle-E-Reading-App im Samsung-Gewand. Ein kostenloses E-Book pro Monat (jeweils vier zur Auswahl) soll die Leserschaft bei der Stange halten. Seit dem 18. April ist die App auch im deutschen Samsung Store verfügbar.

Marktkonzentration mit Kollateralschäden

Die Konzentration im E-Reading-Markt schreitet also voran. Wie wenig Relevanz Samsung zuletzt hatte, zeigt sich auch bei der Vermeldung des Ausstieges. Die Information steht offenbar schon seit mindestens zehn Tagen auf der Samsung-Seite, wurde aber erst am Freitag von einer Publikation entdeckt.

Samsung hatte zwar nie eine solche Marktmacht wie Mit-Aussteiger Sony, aber große Ambitionen und über das starke Hardware-Geschäft auch viel Potenzial. Mitte 2010 stand Samsung auch kurz vor einem hiesigen Einstieg in den eBook-Reader-Markt, der Verkauf von Samsung E60 und weiteren durchaus verheißungsvollen Modellen wurde aber in letzter Sekunde abgeblasen.

Anders als Sony (und hierzulande der Tolino-Partner Pubbles) bietet Samsung seinen Kunden keine Option zu Export oder Migration der E-Book-Bibliothek. Wer in den letzten Jahren E-Books bei Samsung gekauft hat, steht also bald mit sprichwörtlich leeren Händen da – und wird unmittelbar mit einem großen Nachteil von E-Book-Stores konfrontiert, bei denen man gegenwärtig de facto kein Eigentum, sondern eine Lese-Lizenz erwirbt.

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Kommentare


Die Konsolidierung im deutschen eBook-Markt | smart digits 20. Mai 2014 um 07:05

[…] im Hardware-Bereich seinen hierzulande kaum bekannten eBook-Shop nach weniger als 2 Jahren Bestehen wieder einstellt. Ist dies als Zeichen für eine notwendige Konsolidierung? Oder sind am Ende vor allem die […]

Antworten

Interessante Links und Nachrichten 19.05.2014ff – Pirat Aleks A. 21. Mai 2014 um 20:30

[…] ehrliche Kunde wird benachteiligt: Samsung schließt E-Book Shop, alle gekauften Bücher sind weg https://www.lesen.net/ebook-news/samsung-stellt-eigenen-e-book-store-ein-12159/ /via […]

Antworten

Samsung gibt das eBook-Geschäft auf | Digital Publishers 29. Mai 2014 um 09:03

[…]  smart-digits.com, buchreport.de, lesen.net, […]

Antworten

Samsung Galaxy Tab 4 Nook besiegelt Ende von B&N-Tablets » lesen.net 6. Juni 2014 um 12:44

[…] Auch Samsung geht hier fremd. Erst vor zwei Monaten ging Kindle for Samsung an den Start. Die App, die für alle Galaxy-Tablets und -Smartphones des koreanischen Herstellers verfügbar und teils sogar schon vorinstalliert ist, greift auf den eBook Store von Amazon zurück. Samsung tanzt hier also ebenfalls auf gleich zwei Hochzeiten, nachdem das Unternehmen seine eigenen Content-Ambitionen gerade stillschweigend begraben hat. […]

Antworten

Weltbild steigert Tolino-Verkäufe um 30 Prozent » lesen.net 27. September 2017 um 22:57

[…] wie noch vor einigen Jahren prognostiziert, weshalb sich einstige große Elektronikanbieter von Samsung bis Sony in den letzten Jahren aus dem Segment zurückzogen und selbst der einstige Pionier Amazon […]

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