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Sony will Verkauf „gebrauchter“ eBooks ermöglichen

Wie berichtet arbeitet der einstige E-Reading-Riese Sony an einem Kopierschutz für digitale Bücher, um trotz des Ausstieges aus dem Hardware– und aus dem Content-Geschäft weiter am boomenden eBook-Markt zu partizipieren. Einen Schwerpunkt legt Sony auf die Ermöglichung und Unterstützung neuer Geschäftsmodelle. Unter anderem soll erstmalig der rechtssichere Verkauf „gebrauchter“ eBooks möglich sein – solange alle Parteien mitspielen.

DRM-Platzhirsch Adobe will in Zukunft bei neuartigen Geschäftsmodellen wie Flatrates, eBook-Verleih und Metered-Modellen (Preis pro Seite, Lesezeit) mitverdienen, erfuhren wir auf der Frankfurter Buchmesse. Solche Abrechnungsarten setzen einen Kopierschutz voraus, der aber deutlich mehr im Hintergrund angesiedelt ist als bei aktuellen Kauf-Dateien, die (im Fall von Adobe) in vielen Fällen noch eine extra Registrierung und Software-Installation voraussetzen.

Konkurrenz bekommt Adobe hier von Sony. Eine Sprecherin von Sony DADC, der für den neuen Kopierschutz verantwortlichen Sony-Tochter, sagte uns, das neue eBook-DRM ermögliche Verlagen „die Entwicklung neuer Erlösmodelle in einer großen Zahl von Szenarios“. Beispielhaft genannt sei hier die aktuell mit Adobe nicht mögliche Verlängerung von eBook-Leihzeiten „on the fly“.

Sichere Lösung für Weiterverkauf von eBooks

Ebenfalls mit Adobe derzeit nicht möglich ist der Weiterverkauf „gebrauchter“ eBooks. Hier sieht Sony Bedarf und verspricht eine eigene Lösung: Leser, die ein mit Sony-DRM kopiergeschütztes eBook verkaufen, sollen keinen Zugriff mehr auf die Datei haben.

Damit wagt sich Sony an einen vieldiskutierten Themenkomplex. Dass digitale Bücher – anders als Print-Bücher, wo man mittels Verkauf gute Preise erzielen kann – nicht weiterverkauft werden können, ist gerade bei geringem Preisabstand zwischen Print und Digital für viele Lesefreunde unverständlich. In den letzten Jahren gab es zur Legalität des Verkaufs gebrauchter eBooks widersprüchliche Angaben. Zuletzt erlaubte ein niederländisches Gericht grundsätzlich den Verkauf gebrauchter Dateien unter bestimmten Bedingungen, ein deutsches Gericht hingegen bestätigte das in den den AGB aller großen Online-Händler festgehaltene Weiterverkaufsverbot für Dateien.

Ohne Verlage geht es nicht

In Deutschland kauft man derzeit zumeist keine eBooks, sondern Nutzungslizenzen, die einen Weiterverkauf der geladenen Dateien ausdrücklich untersagen. In vielen Fällen müsste dazu der harte (Adobe- oder Amazon-)Kopierschutz entfernt werden, was für sich genommen schon verboten ist. Der zweite Punkt würde mit dem Sony-Kopierschutz obsolet. Nichts desto trotz bräuchte es auch dann die grundsätzliche Bereitschaft von Verlagen, den Weiterverkauf ihrer eBooks zuzulassen.

Für Leser wären weiterverkaufbare (und verschenkbare, verleihbare, …) eBooks zweifelsohne attraktiver als der status quo. Möglicherweise wären sie auch einen kleinen Aufpreis dafür zu zahlen bereit. Ob Verlage dafür aber wirklich auf mögliche weitaus lukrativere Verkäufe verzichten würden – fraglich. So ist bei Amazon.com in den USA schon seit fast vier Jahren ein einmaliger Verleih gekaufter Kindle Books möglich, allerdings hat bis heute kaum ein großer Verlag seine Titel dafür freigeschaltet. Mit einem „unknackbaren“ Sony DRM hätten immerhin alle Seiten ein Instrument für einen sauberen Weiterverkauf zur Hand.

Sony DRM auch für eBook Reader; Roadmap steht

Bliebe wohl ohne Sony DRM: Sony Reader PRS-505 (2009)

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Das Sony DRM soll übrigens nicht nur in Apps, sondern auch auf dedizierten Lesegeräten zur Anwendung kommen. Sony stellt dazu SDKs für eine Integration in eBook Reader bereit. Hier gibt es freilich das gleiche Problem wie beim neuen Adobe DRM: Eine Implementierung wird es allenfalls bei aktuellen Geräten geben, viele ältere eBook Reader und ihre Nutzer blieben auf der Strecke.

Sony plant eine Live-Schaltung in den nächsten drei bis sechs Monaten, also bis zum Frühjahr 2015. Man sei sehr zufrieden damit, wie der neue Kopierschutz bislang von der Industrie angenommen werde, sagte uns die Sony-Sprecherin. Erste Verträge mit Verlagskunden seien bereits unterzeichnet.

<Bildnachweis: Gebrauchte Bücher von Shutterstock>

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Kommentare


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