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Speed Reading lernen: 5 Tipps für schnelleres Lesen

Speed Reading boomt, in Form spezialisierter Tools sowie unzähliger Ratgeber-Angebote und Trainer, die (bisweilen für viel Geld) eine Vervielfachung der Lesegeschwindigkeit versprechen. 5 Tipps zum einfachen Selbststudium von schnellerem Lesen – und was nur scheinbar funktioniert.

Schneller lesen = mehr freie Zeit

Trotz Printkrise wurde noch nie so viel gelesen wie heute – und so vielfältig. Von der Facebook-Nachricht über Online-Artikel wie diesen und ein unterhaltsames eBook bis hin zu wissenschaftlichen Fachbüchern.

Im Durchschnitt liest jeder Deutsche täglich zwei Stunden. Entsprechend verlockend klingt das Versprechen von Speed Reading: Praktisch durch die Bank versprechen Lehrangebote mindestens eine Verdopplung der Lesegeschwindigkeit. Das würde eine zusätzliche Stunde pro Tag beziehungsweise fast einen extra Arbeitstag pro Woche bedeuten, der frei genutzt werden kann (etwa zum Lesen).

Wie realistisch ist eine solche Vervielfachung der Lesegeschwindigkeit, und welche Techniken helfen fürs schnellere Lesen? Die Sprachspezialisten von der Rype Academy (Personal Coaching für Englisch -> Spanisch) haben sich für einen Artikel zum Thema zahlreiche wissenschaftliche Studien und Experten-Meinungen angesehen und räumen erst einmal mit ein paar Mythen auf.

Innere Stimme bremst, aber fördert Verständnis

So seien Versprechungen von einer Lesegeschwindigkeit im höheren vierstelligen Wörter-pro-Minute-Bereich (wpm) – der Durchschnittsleser kommt auf 300wpm, Viel-Leser ohne spezifisches Training liegen im Bereich 500wpm – mit großer Vorsicht zu betrachten. Es gebe schlicht natürliche Limitierungen, zum einen durch das sehr kleine Fokusfeld des Auge und zum anderen durch unser Gehirn, das nur bestimmte Zahl von Informationen gleichzeitig verarbeiten kann. Das steht etwa der Lektüre mehrerer Zeilen auf einmal im Weg, mit deren Erlernung bisweilen geworben wird.

shutter innere stimmeViele Speed-Learning-Anbieter und -Ratgeber brandmarken außerdem das stille oder leise Mitlesen („innere Stimme“) als Geschwindigkeitsbremse. Unser Gehirn könne Informationen wesentlich schneller verarbeiten, als wir Text laut oder still lesen können, heißt es. Rype führt dagegen eine ganze Reihe Experten-Meinungen auf, die die innere Stimme als essentiell fürs Textverständnis bezeichnen. Bedeutet: Schnelleres Lesen durch eine Unterdrückung der so genannten Subvokalisation hat den hohen Preis, dass der Textinhalt weniger gut verstanden und abgespeichert wird.

Schließlich sei es ein verbreiteter Irrglaube, dass man durch bloßes Lesen besser im Sinne von schneller wird. Wer lesen dann nämlich mit eben jene Lese-Techniken, die uns in der Grundschule beigebracht wurden und die schlicht ineffizient sind.

Schneller lesen lernen

Zur Verbesserung der Lesegeschwindigkeit hat die Rype Academy 5 Ratschläge herausgearbeitet. Konkret

1. Weiß, was du willst. Werde dir vor Lektüre eines jeden Textes im Klaren darüber, was dein Leseziel ist. Das Gehirn legt dann besondere Aufmerksamkeit auf bestimmte Wörter und Sätze und hilft beim Ausblenden von tatsächlich Irrelevantem.

2. Selektives Überfliegen. Einen Text vor der eigentlichen Lektüre kurz zu überfliegen – mit dem Leseziel im Hinterkopf -, hat eine Reihe von Vorzügen. Man versteht Struktur und Ausrichtung des Textes vorab, womit schneller gelesen und trotzdem mehr verstanden werden kann.

3. Nutze einen Zeiger. Unsere Augen sind ständig in Bewegung. Ein Stift oder Zeigefinger auf dem Text gibt den Augen Orientierung und kann sie gleichzeitig herausfordern, indem der Finger immer etwas schneller bewegt wird als gerade gelesen wird.

sehfeld4. Erweitere dein Sehfeld. Wer eine Zeile vom ersten bis zum letzten Wort liest, nutzt nur 50 Prozent seines Sehfeldes, erklärt die Rype Acadamy mit Verweis auf Tim Ferriss. Die Nutzung des peripheren Sehfeldes kann trainiert werden, indem man bewusst einige Wörter innerhalb der Zeile anfängt zu lesen und andersherum einige Wörter vor ihrem Ende schon zur nächsten Zeile springt. Rype empfiehlt die Nutzung eines Zeigers und mit je zwei „abgeschnittenen“ Wörtern vorne und hinten anzufangen.

5. Liebe, was du liest. Keine leichte Aufgabe, wenn man es mit ungeliebten Übungsaufgaben, wissenschaftlichen Texten oder Geschäftsberichten zu tun hat. Aber auch dafür kann man sich versuchen zu begeistern, indem man den Texten im Vorfeld ihrer Lektüre positive Aspekte abgewinnt.

Speed Reading Angebote im Test

Wer schnelleres Lesen methodisch erlernen will, hat vielfältige Angebote zur Auswahl. Bücher, Online- und Offline-Kurse und inzwischen immer mehr Software buhlen um Kundschaft.

Die Stiftung Warentest hat sich in diesem Frühjahr 6 unterschiedliche Angebote angesehen. Testsieger war nicht etwa einer der bis zu 600 Euro teureren Wochenendseminare, sondern eine App zum Preis von 2,99 Euro. Den Test haben wir auf unserer Speed Reading Infoseite zusammen gefasst.

„Slow Reading“ weiter möglich

Eine verbreitete Sorge vieler Belletristik-Leser ist übrigens unbegründet, da sind sich alle Wissenschaftler und Spezialisten einig. Techniken zum schnelleren Lesen lernt man zusätzlich, sie treten nicht an die Stelle der vor Jahrzehnten erlernten und seither eingeschliffenen Schultechnik. Auch Schnell-Leser können also noch einen Gang herunterschalten und einen Roman Wort für Wort genießen, ohne Stoppuhr im Hinterkopf.

<Bildnachweis: Innere Stimme, Lesefinger von Shutterstock>

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