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Spotify aus Künstlersicht: 0,4 Cent pro Wiedergabe

Im E-Book-Bereich wird derzeit viel über Streaming- und Leihmodelle diskutiert. Ein Blick auf die Musikindustrie, wo eine bekannte Künstlerin gerade ihre Einnahmen offengelegt hat, illustriert die Schwierigkeit, mit solchen Ansätzen Geld zu verdienen.

Die britische Cellistin Zoë Keating hat sich in den letzten Jahren als innovative Solo-Künstlerin etabliert. Sie veröffentlicht ihre Alben und Singles bewusst ohne Unterstützung eines Labels. Wie viel sie über die verschiedenen Online-Kanäle im Jahr 2013 verdient hat, fasste Keating jetzt in einer Google-Doc-Tabelle zusammen.

Wie der Guardian in einem am gestrigen Montag publizierten Artikel zusammenfasst, hat die schöne neue Streaming-Welt kaum einen (positiven) Einfluss auf Keatings Einnahmen. 92 Prozent der Erlöse generierten sich aus dem klassischen Kauf- und Download-Geschäft. Der größte Posten, 38.000 US-Dollar, entfiel auf iTunes, wo sie 32.000 Singles und 3.800 Alben verkaufen konnte. Beachtliche 25.000 US-Dollar Einahmen wurden mit der Indie-Plattform Bandcamp erzielt, 10.000 US-Dollar kamen von Amazon. Unter dem Strich stehen 75.000 US-Dollar Online-Einnahmen bei etwa 40.000 Verkäufen (Singles und Alben).

160 Streamings gleich ein Verkauf

Über Streams wurde Keating ungleich öfter gehört: 2,8 Millionen vergütete Wiedergaben ihrer Songs plus ungenannt viele Plays über das Internetradio Pandora sind im Google Doc ausgewiesen. Die Einnahmen stehen aber in keinem Verhältnis dazu: Für 403.035 Spotify-Streams bekam sie 1,764 US-Dollar ausgezahlt, für 1,9 Millionen Youtube-Wiedergaben sogar nur 1,247,92 US-Dollar.

Das entspricht einer Vergütung 0,44 Cent pro abgespieltem Stück bei Spotify und 0,064 Cent (!) pro Youtube-Wiedergabe. Die Kollegen vom Guardian rechnen vor, ein Spotify-Stück müsste 160 mal abgespielt werden, damit die Cellistin damit so viel verdient wie mit einem einzigen bei iTunes verkauften Song.

Kein Wunder, dass die Musikerin bei Spotify nur ihre alten Alben vorhält und neue Stücke einzig zum kostenpflichtigen Download anbietet. Grundsätzlich ist Zoë Keating laut eigener Aussage dem Thema Streaming gegenüber nicht negativ eingestellt. Sie wünscht sich jedoch mehr Anstrengungen der Netzwerkbetreiber, die Auszahlungsrate zu erhöhen, und mehr individuelle Promotionsmöglichkeiten sowie Zugriff auf Hörerdaten. Spotify gab im Dezember 2013 an, derzeit zwischen 0,6 bis 0,84 Cent auszuschütten, also etwas mehr als Keating erhält.

Wenig Anreiz für Buchverlage

Man kann sich leicht ausrechnen, dass eine ähnliche Diskrepanz zwischen Streaming- und Leih-Erlösen auf der einen Seite und Verkaufsprovisionen auf der anderen Seite für Buchverlage nicht akzeptabel ist. Öffentliche Zahlen sind hier derzeit noch Mangelware. Amazon vergütet bei seiner Leihbücherei derzeit jede Leihe mit 1,37 Euro. Dieser Wert ist zuletzt allerdings deutlich zurückgegangen und ergibt sich aus einer massiven Querbezuschussung seitens Amazon – Leihen sind nur für Kindle-Prime-Nutzer möglich und für diese grundsätzlich gratis beziehungsweise Bestandteil der kostenpflichtigen Kindle-Prime-Jahresmitgliedschaft. Ob E-Book-Flatrates wie Skoobe oder erst recht Readfy (mit ihrer Werbefinanzierung) einen solchen Wert wirtschaftlich erreichen können und ob sich Verlage damit angesichts der Kannibalisierungsgefahr für ungleich lukrativere Verkäufe zufriedengeben, ist die große Frage.

<Bildnachweis: Kopfhörer von Shutterstock>

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Kommentare


Mega-Star verlässt Spotify, befeuert Angst vor Streaming-Kollaps » lesen.net 4. November 2014 um 11:13

[…] zuvorderst Spotify, für ihre geringen Ausschüttungen krisiert. Vor einigen Monaten legte eine Künstlerin ihre Einnahmen offen, nach denen sie gerade einmal 0,4 Cent pro Streaming-Wiedergabe ausbezahlt bekam. 160 Streamings […]

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