Skip to main content

pwc: eReading in Deutschland unterentwickelt

Dass elektronisches Lesen in Deutschland im Vergleich zu den USA mit seinem vielfältigen und kompetitiven eReading-Markt  kein großes Thema ist, hat wenig Neuigkeitswert. Eine neue internationale Studie offenbart allerdings nun, dass Deutschland auch im europäischen Vergleich teilweise weit abgeschlagen ist – und wie sehr sich Zahlungsbereitschaft, gewünschte Hardware und Leseverhalten von Land zu Land unterscheiden.

Das Analystenhaus PricewaterhouseCoopers untersuchte in seiner Vergleichsstudie (.pdf) die Verbraucherpräferenzen in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und den USA. Befragt wurden pro Land je 1000 Onliner im Alter zwischen 18 und 65 Jahren.

gehoert-ereaderObgleich eBook Reader hierzulande seit inzwischen knapp zwei Jahren (Verkaufsstart vom Sony Reader PRS-505 bei Thalia) in größerem Umfang vermarktet werden, ist diese Geräteklasse vielen Deutschen auch heute noch gänzlich unbekannt: Mit 35% gaben mehr als ein Drittel der deutschen Befragten an, noch nie von dedizierten Lesegeräten gehört zu haben – doppelt so viele wie in sämtlichen anderen Ländern (16%-18%). Weitere 21% haben zwar schon einmal den Begriff ‚eReader‘ gehört, allerdings keine Ahnung worum es sich dabei handelt – mehr als die Hälfte der Deutschen kann mit dedizierten Lesegeräten bislang also noch überhaupt nichts anfangen, was für viele Branchenteilnehmer sicherlich im krassen Gegensatz zum persönlichen Empfinden steht (Stichwort Medienhype). Wer ein dediziertes Lesegerät verkaufen will, muss somit auch im Jahr 2011 noch die Vorzüge – augenschonendes Display, lange Akkulaufzeit, … – detailliert kommunizieren.

gehoert-ebooksBeim Besitz von Lesegeräten liegt Deutschland mit 2% immer im europäischen Mittelfeld: Nur die USA, wo bereits 7% der Befragten einen eBook Reader ihr Eigen nennen, sticht hier heraus. Die krassesten eReader-Verweigerer wohnen in den Niederlanden, wo 25% der Befragten angaben sich auch in der Zukunft „niemals“ ein elektronisches Lesegerät kaufen zu wollen (Deutschland: 12%, weitere 30% „vermutlich nicht“). Hier offenbart sich eine Diskrepanz zum Besitz mindestens eines eBooks, was immerhin 18% der Deutschen für sich proklamieren. PWC zieht daraus die naheliegende Schlussfolgerung, die meisten eBooks werden derzeit am PC/Notebook gelesen.

Geld fließt allerdings noch selten für elektronische Bücher: Nur (kummuliert) 14% der Deutschen haben in den letzten 12 Monaten für mindestens ein eBook auch bezahlt – dem stehen 85% gegenüber, die im selben Zeitraum mindestens ein gedrucktes Buch gekauft haben (in den Niederlanden übrigens nur 60%).

features-readerSpannend ist ein Blick auf die den Teilnehmern wichtigen Merkmale eines dedizierten Lesegeräts. Während etwa Amerikanern ein integrierter eBook Store sowie eine große Titelauswahl überdurchschnittlich wichtig ist, wünschen sich Deutsche häufiger als  Befragte aus anderen Ländern ein geringes Gewicht, zahlreiche unterstützte Dateiformate, ein Farbdisplay (!), ein mögliches Teilen von Dateien und (vermeintlich typisch deutsch) die Möglichkeit, mit Texten zu arbeiten. Absolut gesehen stellen bei uns wie auch Anderswo eine lange Akkulaufzeit, eine robuste Bauform sowie eine gute Nutzbarkeit die zentralen Bewertungskriterien dar.

Zum hierzulande häufig geäußerten Wunsch nach einem Farbdisplay passt, dass nirgendwo sonst so gerne auf einem multifunktionalen Gerät gelesen werden möchte: 39% der Befragten gaben das an (USA: 31%). Tablets beziehungsweise eReading-Apps erwartet in Deutschland also ein vergleichsweise williger Markt.

kaufen-ereaderHinsichtlich der Zahlungsbereitschaft für Lesegeräte finden sich altbekannte Fakten: Knapp 2/3 der Deutschen (sofern interessiert an eReadern) sind nicht bereit mehr als 100 Euro auszugeben. Bei bis zu 150 Euro sind immerhin noch 37% dabei (etwa bei einem Oyo); über 200 Euro lassen sich einen eBook Reader (zum Beispiel die 230 Euro teure Sony Reader Touch Edition) dagegen nur noch 4% kosten – die überragende Bedeutung vom „Kaufkriterium Preis“ offenbart sich einmal mehr.

kaufbereitschaft-ebooks_0Die Zahlungsbereitschaft für eBooks wird in deutschen Verlagshäusern kaum für Begeisterung sorgen: Bei einem gedruckt 10 Euro teuren Buch würden satte 82% keinesfalls mehr als 6 Euro für die digitale Ausgabe investieren; 46% gehen sogar nur bis 4 Euro mit, erwarten also de facto mindestens 60% Abschlag zum Printprodukt – in den USA liegt dieser Wert mit 34% deutlich niedriger, in Großbritannien und den Niederlanden aber etwa auf demselben Niveau. In den USA würden sogar 66% der Befragten mindestens ein eBook kaufen, wäre diese genauso teuer wie ihre gedruckten Pendate; in Deutschland wären weniger als die Hälfte der Befragten grundsätzlich dazu bereit. Zum (vielfach allerdings unrealisistischen) „Wunschpreis“ würden immerhin 80% der Deutschen mindestens einmal zuschlagen.

Die gegenwärtig von den meisten Verlagen gewährten Rabatte zwischen 10% und 20% halten nur 9% der befragten Deutschen für angmessen. Zu beachten ist allerdings, dass die Frage nach dem akzeptierten Preis für ein eBook allen Teilnehmern gestellt wurde – also auch denen, die digitaler Literatur überhaupt nichts abgewinnen können. Hätte man nur die eBook-Interessierten befragt, sähe das Ergebnis vermutlich (ein wenig) anders aus.

Ähnliche Beiträge


Kommentare


Chräcker 13. Januar 2011 um 18:44

Tja, zur Zahlungsbereitschaft kann ich für mich nur sagen: wenn ich Buch als eBook kaufen kann, dann kauf ich es auch. Wenn nicht, dann kaufe ich es nicht. (Wo mag ich dann nur eBooks suchen…)

Klingt jetzt nach simpelst-Logik, aber damit haperts zuweilen bei den Verlagen, denke ich nicht selten.

Antworten

Timo 13. Januar 2011 um 20:42

Jo, ist bei mir zumindest bei Bellistrik ähnlich: Entweder Ebook oder gar nicht. Kann den Verlagen hier allerdings egal sein, da das eh immer

Aber ich bin verblüfft, dass 56% der befragten Deutschen nicht mal wissen was ein eReader ist. So gibt das natürlich nix mit dem großen Durchbruch.

Interessante Studie jedenfalls.

Antworten

Timo 13. Januar 2011 um 20:43

hrmpf, hinter dem „immer“ sollte noch folgen: „… englische Bücher von Amazon.com sind“

Antworten

Corwyn 13. Januar 2011 um 21:33

Interessant wären auch Bundles von Print & EBook. Warum soll man den gleichen Preis nochmal für ein eBook hinlegen, wenn man schon die Printversion habe? Mit Bundles wäre hier einiges machbar, um den Markt etwas aufzumischen, und die Bücher werden damit gleich doppelt interessant.

Auch konnte ich bisher keinen interessanten Reader entdecken. Entweder sind sie zu klein, zu langsam, zuviel DRM, zuwenig unterstütze Formate, keine Möglichkeiten für Notizen, schlechtes meist spiegelndes Display. Hier müssen die Hersteller noch einiges nachbesseren, damit die Dinger interessant werden. Wenn nicht, werden sie wahrscheinlich bald von den Pads überflüssig gemacht. Die sind in bereits in Farbe und schnell, und haben neben dem reinen eBook-Reader noch jede Menge anderer Features.

Antworten

InCharade 13. Januar 2011 um 21:34

Als vielleser werde ich ständig angesprochen, was ich da für ein seltsames gerät habe. unkenntnis überall, jedoch auch interesse.
es wird ein wenig dauern, bis e-reader und auch pads/tabs den alltagsstatus eines handys erreicht haben. die sind anfangs auch von einer breiten mehrheit als überflüssig abgelehnt worden.

Antworten

das brigittchen 13. Januar 2011 um 22:04

Ja, in punkto Zahlungsbereitschaft finde ich mich da gut repräsentiert.

Ein Buch kann ich verleihen und notfalls wieder über ebay verticken, wenn’s mir nicht mehr gefällt. Da sehe ich nicht ein, das gleiche Geld für eine aufgemotzte Datei auszugeben, auf der ich dann sitzen bleibe.

Aber ich gebe ja sowieso lieber 6€ für ein US-paperback als 10€ für eine grottenschlechte deutsche Übersetzung aus.

Und solange für viele US-ebooks die bescheuerten „geographical restrictions“ gelten (das Paperback darf ich kaufen, das ebook nicht), werden noch einige tote Bäume bei mir im Regal landen.

Antworten

Thomas Knip 13. Januar 2011 um 23:53

Das mit der integrierten Shopanbindung geht bis in die eBook-interessierte Nutzerschaft.

Als ich anfangs davon erzählt habe, dass man für den Kindle zum Einkaufen keinen PC benötigt, war die Reaktion etwa so, als hätte ich von einer motorbetriebenen Kutsche ohne Pferde erzählt …

Also selbst bei der Kerngruppe sind die Möglichkeiten teilweise noch nicht mal bekannt (angesehen von den early adopters).

Und, wirklich, welcher Medienhype?
Die verstaubten Sony Reader bei Thalia? Ein paar TV-Spots mal irgendwann Anfang 2009?
Seien wir doch mal realistisch. Für Sony ist der Reader ein Produkt uter vielen, und nicht das hippste. Alle anderen Anbieter (in DE) haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, um dem Konsumenten mal auf die Pelle zu rücken.

Das hat bisher nur Apple mit dem iPad geschafft. Und, oh Wunder, deutlich mehr Deutsche können mit einem Tablet was anfangen.

Antworten

Flinx 14. Januar 2011 um 08:52

Daß an Lesegeräte eigenartig anmutende Forderungen gestellt werden, paßt auch zu der Tatsache, daß viele Leute sich noch gar nicht für die existierenden Lesegeräte interessiert haben. So wird dann einfach ein Farbdisplay genannt, weil man ja bei anderen Geräten das Farbdisplay auch für selbstverständlich hält.
Wahrscheinlich werden diese Umfragen diesbezüglich einfach nicht geschickt genug gemacht, denn wer sich einmal mit den vorhandenen Lesegeräten befaßt hat, antwortet bestimmt anders. Und aufgrund derartiger Umfragen stoppt dann Samsung seine Markeinführung – schon traurig.

Antworten

Johnny 14. Januar 2011 um 09:31

Ich bin ja gespannt, was in diesem Zusammenhang der Kindle ausrichten wird…

Antworten

yegorich 14. Januar 2011 um 09:46

Ja das Fehlen der TV-Werbung scheint ein großes Problem zu sein. Ich war vor Kurzem in Hamburger U-Bahn Richtung Stadtzentrum gefahren und habe dabei beobachtet, wie viele Hamburger überhaupt in der U-Bahn lesen, und ob es welche dafür ein eReader benutzen. Also es lesen relativ viele. Ich würde sagen fast jeder 9-te oder 10-te, aber ich habe keinen mit einem eReader entdeckt :-(

Aber an einer Station (Uhlandstrasse) habe ich ein großes Werbeplakat von Sony mit PRS-550 und PRS-650 gesehen. Das war’s aber auch.

Antworten

Cookiemonster65 14. Januar 2011 um 10:42

Genau die gleiche Erfahrung mache ich im Flugzeug… wo man doch eher die Vielreisenden, die offen für technischen Neuerungen sind, trifft. Aber ich sehe im Flugezeug selten mehr als ein oder zwei mit e-books oder Ipads. Und meine Sitznachbarn gucken immer mit großen Augen… und erst recht gestern beim Arzt… Als ob ich eine Ausserirdische wäre…

Antworten

Brigitte 14. Januar 2011 um 12:47

Ich habe durchaus kein Problem Geld auszugeben für ein Ebuch, finde es nur blöd das ich nicht zb. bei bolcom.de kaufen kann, nur weil ich in Holland wohne. Auch bei booksonboard.uk gibt es Bücher die anscheinend für mich verboten sind ….. Das sollte man doch wirklich ändern ! Papierbücher kaufe ich nicht mehr, ich habe ja ein Ereader, und meine Schränke sind voll ;-)

Antworten

Rudi 14. Januar 2011 um 13:35

Tja der Preis.
Leider sind glaube ich die Vergleiche mit den Prozenten (wieviel man für ein 10 € Buch als ebook bereit wäre zu zahlen) nicht ganz so direkt vergleichbar.

Verschiebend wirkt sich da zum Einen die geringe Bekanntheit/Akzeptanz in Deutschland aus. Zum Anderen die existierende Preisstruktur.

Will meinen, erstens was man noch nicht kennt, dem werden auch nur geringere Folgekosten zugebilligt.
Zweitens hat mit, ich nenne es mal, Zahlenmagie zu tun. Fast unabhängig vom realen Wert geben Zahlen nun mal eine Struktur vor und eine 10er-Grenze bleibt eine 10er-Grenze.
In Deutschland sind nun einmal höhere Buchpreise (dank Buchpreisbindung = Quasimonopol) etabliert, damit aber auch die Erwartung höherer absoluter Preisabschläge für ‚minderwertigere‘ Formate. (dh. ebook ist nicht ’schlechter‘ sondern nur gefühlt ‚weniger wert‘ als Hardcover und oder Taschenbuch). Also 3-4€ Rabatt ist da nicht genug. 6€ sollten es schon sein, denn von einem Hardcover zu einem Taschenbuch ist das ja auch soviel, wenn nicht mehr.
Ich weiß auch, dass das unverhältnismäßig ist, aber ‚Buch‘ für 10€ ist in Deutschland auch pure Illusion oder besser unverhältnismäßig.

Eben halt Zahlenmagie.
Hätte man in Deutschland das Spielchen mit ca. 20€ pro Buch gemacht wäre man prozentual auf andere Zahlen gekommen, da bin ich mir zumindest sehr sicher.

Antworten

microm 14. Januar 2011 um 16:48

Da gehöre ich (und ihr anderen hier) im Lande ja zu einer Minderheit als eReader-Besessener.

Ich habe spottbillige € 260,- für meinen Boox 60 ausgegeben. Das macht mich noch seltener.

Mein Arzt war ebenfalls an meinem Reader sehr interessiert. Und: Ich kaufe ebenfalls keine Hardware-Books mehr – meine Bücherboards platzen aus allen Nähten.

Antworten

Bücherwurm 14. Januar 2011 um 19:43

Ich wollte bis heute eigentlich auch nichts mt dem e – reader zu tun haben, weil ich für mich gesagt habe es ersetzt für mich nicht das Buch.
Doch ich muss sagen, seit ich merke das ich einfach kein Platz für die vielen Bücher habe und sie sich sehr schlecht verkaufen lassen, bin ich auch am überlegen.
Allerdings ist es für jemanden der nicht viel Geld zur Verfügung hat, nicht sehr einfach einen reader zu kaufen. Und die Auswahl ist auch nicht gerade klein, sodas man sich entscheiden kann. Denn die Meinungen gehen noch sehr auseinander.
Was das Farbdiplay betrifft, finde ich bei einem reader nicht angebrach. denn wer ein großer Lesefan ist, möchte und ich rede hauptsächlich von mir das der reader das Papier und lesen so naturgetreu wie nur möglich wieder gibt. Also, wer mehr Forderungen an so einem Gerät hat ausser lesen und kaufen v. ebooks der sollte doch lieber auf einen ipad zurück greifen.

Antworten

Timo 14. Januar 2011 um 20:00

@Bücherwurm: Tipp zum Thema Verkaufen: Momox.de . Es hat mich zunächst ein wenig Überwindung gekostet, aber da ich von mit Büchern überquellenden Regalen und Kartons dann doch zu genervt war habe ich da 4 große Kartons mit Büchern verkauft (hauptsächlich Taschenbücher die ich eh nie nochmal gelesen hätte). Prima unkompliziert. Das Geld hat dann problemlos für den ersten eReader gereicht. Zwei Fliegen mit einer Klappe :-)

Antworten

Chris 15. Januar 2011 um 17:29

„über 200 Euro lassen sich einen eBook Reader (zum Beispiel die 230 Euro teure Sony Reader Touch Edition) dagegen nur noch 4% kosten“

Umso überraschender ist, dass gerade dieses Gerät seit Wochen nicht mehr lieferbar ist.

Zum Thema „Bundle Print & eBook“: Der Carl Hanser Verlag bietet bei gekauftem Buch das eBook (Adobe-DRM-geschützt) kostenlos zum Download an.

Antworten

Tobias 11. Februar 2011 um 20:26

Da ist gerade eine ganz interessant klingende Studie zur Entwicklung des deutschen Markts erschienen: „Gutenberg-Galaxis Reloaded? Der Wandel des deutschen Buchhandels durch Internet, E-Books und Mobile Devices“: http://tinyurl.com/6a6lkwp

Hat da jemand schon Zugriff drauf? Lohnt sich das Buch?

Antworten

[Folien] eBooks für Kleinverlage » Debatte, eBooks » lesen.net 20. Februar 2011 um 20:17

[…] tun gegen Piraterie? Pricing muss angemessen  und nachvollziehbar sein (Differenz zu Print), außerdem kein Kopierschutz bzw. allenfalls Social DRM. Allerdings: Kindle Books […]

Antworten

eBook in Deutschland: Viele Verweigerer und PC-Leser » eBooks » lesen.net 1. Oktober 2013 um 16:19

[…] Fast genauso viele sagten, dass sie der Preis eines Lesegerätes bislang vom Kauf abgehalten habe. Eine bereits etwas zurückliegende Studie zeigte, dass die meisten Interessierten bereit wären, zwischen 50 und 100 Euro für einen eBook Reader […]

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*