Skip to main content

Studien: Studenten lernen lieber gedruckt

Immer mehr Schulen und Universitäten rüsten technisch auf, Fachverlage digitalisieren ihre Kataloge und lancieren neue Bildungs-Portale, Gesetzgeber schmieden Pläne – der digitale Zug rollt. Aber ausgerechnet die technisch affine Zielgruppe greift zumeist zum Lernen bevorzugt zum Printbuch, offenbaren eine Reihe neuer Studien und Befragungen.

Die Generation der so genannten “Millennials” oder “Digital Natives” wächst zwar mit Smartphones und Notebooks auf, längere Lehrtexte werden vielfach aber am liebsten auf bedrucktem Papier gelesen. Das schreibt die Washington Post unter Berufung auf verschiedene Studien sowie eigene Befragungen.

Digital gratis, trotzdem gedruckt

So habe eine Untersuchung der University of Washington ergeben, dass ein Viertel der Studierenden selbst dann gedruckte Lehrbücher kauft, wenn sie die Digital-Fassungen umsonst bekämen. Kommentar eines Linguisten: “Dies sind Menschen, die sich nicht an den Geruch von Büchern klammern. Es ist ziemlich erstaunlich.”

In einem gerade erschienenen Buch zum Thema, für das ebenfalls Studierende befragt wurden, werden als klassische Probleme von digitalem Lesen die Gefahr der Ablenkung und die schlechtere Texterfassung genannt. Viele Lesende prägen sich Inhalte durch das Merken der Stelle im Buch ein, wo sie stehen – das ist bei einem physischen Produkt natürlich besser möglich. Auch Unterstreichungen und Notizen gingen bei bedrucktem Papier leichter von der Hand.

In naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern haben sich digitale Bücher hingegen schon auf breiter Basis durchgesetzt, schreibt die Washington Post. Viele Verlage und Bildungseinrichtungen verknüpften ihre digitalen Inhalte hier mit Online-Portalen, um sie noch attraktiver zu machen. Außerdem stehe hier die schnelle Auffindung von Informationen im Vordergrund – “es gibt kein strg-f für gedruckte Bücher”. Außerdem verführten geringere Kosten zum Kauf von digitalen Lehrbüchern, gleichermaßen bei Institutionen wie Studenten.

eBooks – keine Frage des Alters

old readerDie Befragungen und Studien, die die Washington Post zitiert, beziehen sich durchgehend auf Lehrbücher. Die Artikelüberschrift “Why digital natives prefer reading in print” ist in sofern doppelt nicht haltbar (auch weil zu absolut, nicht alle Studenten bevorzugen ja gedruckte Lehrbücher), eine Implikation – junge Menschen sind nicht automatisch digitalaffiner – ist aber sicherlich richtig.

Wer sich hierzulande insbesondere in vielen geisteswissenschaftlichen Studiengängen umsieht (Buchwissenschaft, aber auch Germanistik, Philosophie und dergleichen) wird auf viele Printbuchliebhaber mit etlichen bedruckten Regalmetern und bezüglich digitalem Lesen Desinteresse oder sogar Aversion stoßen. Für sie ist der Papiergeruch und das Knistern beim Blättern sehr wohl noch von großer Bedeutung für ein “echtes” Leseerlebnis.

Andersherum sieht man in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Urlaub unzählige ältere Menschen mit einem eBook Reader oder Tablet in der Hand. Auch im professionellen Bereich, in der Buchindustrie, ist die Gleichung “jung = digital, alt = print” definitiv nicht haltbar.

Herausforderung “Ablenkungsfreies Lernen am Bildschirm”

Das nur am Rande angeschnittene Thema “Ablenkung beim digitalen Lernen” ist eines, das den Bildungsbereich wohl noch sehr lange beschäftigen wird. Am Desktop-PC und Laptop wie auch auf Smartphones und Tablets sind soziale Netzwerke, E-Mail-Postfach & Co. nur einen Klick entfernt. Für Bildschirmarbeiter gibt es etliche hochpopuläre Tools (etwa RescueTime) und Browser-Addons (etwa StayFocusd), die eine Analyse und Kontrolle des Surfverhalten bis hin zur Blockade einzelner Websites zu bestimmten Zeiten ermöglichen.

Fachverlage und staatliche Einrichtungen konzentrierten sich bislang ganz auf die Produktion und Promotion von Inhalten. Dies Inhalte ablenkungsfrei in die Studentenköpfe zu bekommen, ist die nächste Herausforderung. Dedizierte Lesegeräte wären hier prädestiniert, abseits von der Lektüre langer linearer Texte ist ihre Funktionsarmut aber doch ein Hemmnis.

<Bildnachweis: LehrsaalTablet-Leser von Shutterstock>

Ähnliche Beiträge


Kommentare


Kurzer Weg vom digitalen Lesen zur plagiierten Doktorarbeit | Basedow1764's Weblog 1. März 2015 um 19:39

[…] Leserdiskussion zum digitalen Lesen auf lesen.net  (Nachtrag […]

Antworten

Über das Büchermachen in digitalen Zeiten | Blog der Stadtbibliothek Salzgitter 8. März 2015 um 07:02

[…] enden in komplett digitalen Bibliotheken, wie im texanischen Bexar County und der Aussage, dass Studenten doch lieber gedruckt lernen. Irgendwo in der Mitte liegt die Wahrheit. Papierbücher mit edler Aufmachung konkurrieren mit […]

Antworten

Warum Studierende lieber mit Gedrucktem büffeln, als ihre Nase in E-Books zu stecken | Studibuch Blog 10. Juni 2016 um 16:31

[…] in Allem, kann man abschließend sagen, dass Studierende laut diverser Studien, aber besonders derer aus Washington lieber zu der gedruckten Version eines Buches greifen. Ein […]

Antworten

Papier vs. Digital – Printpeter 27. September 2016 um 16:40

[…] https://www.lesen.net/ebook-news/studien-studenten-lernen-lieber-gedruckt-18338/ Spiegel […]

Antworten

Lernen im Studium – Klassische Medien immer noch stark gefragt – Studibuch Blog 7. März 2017 um 16:31

[…] in folgender Infographik zusammengefasst. Die Ergebnisse bestätigen ältere Studien, wie sie mit Studierenden in den USA bereits durchgeführt wurden. In Deutschland sind auch zwei Jahre später gedruckte Bücher noch […]

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*