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Tolino-Allianz will Amazon.de überholt haben

Die Tolino-Alliierten verkaufen hierzulande zusammen genommen inzwischen mehr eBooks als Amazon.de. Das geht zumindest aus einer GfK-Prognose für das 3. Quartal 2014 hervor, aus der ein Tolino-Vertreter am heutigen Freitag auf einer Fachkonferenz zitierte. Das Zahlenmaterial ist fragwürdig, der Trend aber unbestreitbar.

Telekom-Manager Klaus Renkl präsentierte auf der FutureBook in London die neusten Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK, berichtet der Buchreport. Demnach seien in den Monaten Juli bis September 2014 45 Prozent der hiesigen eBook-Umsätze in den Stores der Tolino-Alliierten (Thalia, Weltbild, Hugendubel, Club Bertelsmann, buecher.de) getätigt worden. Amazon sei im gleichen Zeitraum nur auf 39 Prozent gekommen, satte 8 Prozentpunkte weniger als im 2. Quartal.

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Damit sind die deutschen Buchhändler erstmalig seit Formierung der Tolino-Allianz im Frühjahr 2013 und wohl überhaupt erstmals seit 2011 (Start des deutschen Kindle Store) wieder in der Marktführer-Position – glaubt man den Zahlen. Die GfK-Prognosen ergeben sich aus einer Panel-Befragung von 25.000 Personen, die monatlich zu ihren Bucheinkäufen befragt werden. Die Befragung soll repräsentativ sein, reale Umsätze spiegelt sie aber eben nicht wider.

Klare Trendumkehr

In ihrer Deutlichkeit sind die Zahlen dann auch zweifelhaft. Egal mit welchem Verlagsmitarbeiter man auf der Frankfurter Buchmesse sprach, überall war Amazon die klare Nummer 1. Von Indie-Autoren ganz zu schweigen. Die Entwicklungstendenz ansich ist aber unbestreitbar. Der kräftig gewachsene Marktanteil im dritten Quartal passt zum Erscheinen des Tolino Vision, während Amazon auch im Spätsommer noch auf seinen knapp ein Jahr alten Kindle Paperwhite 2 setzte. Auch die dauerhaft negative Presse-Berichterstattung zu Amazon dürfte den einen oder anderen Digital-Leser zum Wechsel oder zum Einstieg in den Tolino-Kosmos bewegt haben.

Im vor der Tür stehenden Weihnachtsgeschäft werden die Karten aber neu verteilt. Die Tolino-Allianz kann sich mit dem neuen Partner Libri über zahlreiche neue Verkaufsstellen in Form unabhängiger Buchhandlungen freuen, zudem hat sie einen sehr guten neuen eBook Reader im Programm. Amazon erlebt mit seinem Kindle Voyage zwar gerade ein größeres Waterloo, infolge der Reduktion des Kindle Paperwhite 2 auf 99 Euro hat der Online-Händler aber das Lesegerät mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis in seinen Reihen.

Tolino-Plattform wächst – Kindle-Fans profitieren

Unbestreitbar ist jedenfalls, dass die Zeit der totalen Kindle-Dominanz in Deutschland passe ist. Ironischer Weise profitieren davon insbesondere Kindle-Interessierte, denn aufgrund der Konkurrenzsituation  ist der Kindle Paperwhite 2 in Deutschland deutlich günstiger als irgendwo sonst.

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15 Kommentare (zum Thread im Forum)

Zum Thema: Tolino-Allianz will Amazon.de überholt haben

BücherMama 14. November 2014 um 19:29 Uhr

Ja, das dachte ich mir auch: die Zahlen müsste man durch 5 teilen. Dann sähe es schon ganz anders aus.

Etwas OT:
Seit Frühling 2013 habe ich einen Kindle und bin dadurch zum ebook gekommen.
Im Artikel steht, dass es den deutschen amazon Shop erst seit 2011 gibt. Ich wusste gar nicht, oder es war mir nicht bewusst, dass diese Ebook-Angebot gar nicht so alt ist.

Susanne Weigand 14. November 2014 um 19:30 Uhr

Es ist mittlerweile mehr als deutlich, dass die Verbindung von Shop und Reader der Weg zum Erfolg ist. Bei Amazon direkt - Kindle - Amazon; beim Tolino - Tolino - Buchhandlung. Und das ist sehr, sehr schade. Ich würde mir wünschen, dass eReader das eine sind, Buchläden das andere. Natürlich geht das in beiden Fällen mit mehr oder minder großer Akrobatik immer noch, sollte aber in meinen Augen so nicht so sein und verschärft sich immer mehr.

Susanne

K-Thom 14. November 2014 um 19:39 Uhr

Susanne Weigand schrieb:

Natürlich geht das in beiden Fällen mit mehr oder minder großer Akrobatik immer noch, sollte aber in meinen Augen so nicht so sein und verschärft sich immer mehr.

Das ist die insgesamt nämlich unangenehme Konsequenz und Tendenz. Was gerade LeserInnen, die schon seit 2009 oder früher dabei sind, eben noch anders kennen.

Wer nicht zu Tolino oder Amazon gehört, wird es schwerer haben. Oder umständlicher. Haben wir statt einem Platzhirsch also zwei. Vom Monopol zur Oligarchie. Eine wirkliche Befreiung ist das nicht.

@Meat 15. November 2014 um 00:23 Uhr

Susanne Weigand schrieb:

Es ist mittlerweile mehr als deutlich, dass die Verbindung von Shop und Reader der Weg zum Erfolg ist.

Nicht zu vergessen: DRM, fatalerweise erscheint DRM als wichtiger Bestandteil im Duo: Shop-Reader. Das ist ebenso beklagenswert.

Virginia.Woolf 15. November 2014 um 12:37 Uhr

Erst mal sind das gute Nachrichten. Einen einzelnen Anbieter, der so stark ist wie Amazon kann eigentlich niemand wollen.

Die Tolinoreader finde ich besch......eiden. Die Anzeige ist schlechter als beim 50 Euro billigeren PW, die Sammlungsfunktion für mich unbrauchbar. Auf den einzigen ernstzunehmenden Vorteil - ein Steckplatz für eine Speicherkarte - hat man beim neuen Vision auch noch verzichtet.

Aber hängt das überhaupt zusammen? In diesen Shops kaufen immerhin auch fast alle Leute, deren Reader kein kindle ist. Kobo und Pocketbuch haben schon gute Reader im Angebot und Sonys dürften auch noch recht verbreitet sein. Faktisch kann man auch mit einem kindle in jedem beliebigen Shop problemlos einkaufen. Das ist nicht ganz koscher, aber auch nicht strafbar. Wie verbreitet das ist kann man eigentlich nur raten.

Esther

Yves Gorat Stommel 18. November 2014 um 18:06 Uhr

Damit dürfte die Entscheidung des Veröffentlichungsorts für eBook-Autoren noch schwieriger werden. Gerade im Hinblick auf Kindle Unlimited. Damit würde man von vornherein etwa die Hälfte der potentiellen Leser ausschließen, da ja eine exclusive Bindung an Amazon notwendig wird (mit der eventuellen Ausnahme der Veröffentlichung über Bookrix).