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Torboox offline: Buchpiraten zerfleischen sich gegenseitig [Update]

Während die Strafverfolger um GVU & Co. beim Versuch, die bekannteste deutsche eBook-Warez-Seite boox.to (TorBoox) aus dem Netz zu nehmen, vor sich hinstümpern, bekommen sie Hilfe von unerwarteter Seite. Eine Hackergruppe hat die Seite vom Netz genommen und droht den Torboox-Betreibern indirekt mit Offenlegung ihrer Identität. Auch Lautsprecher „Spiegelbest“ hat es offenbar erwischt.

Seit dem gestrigen Dienstag Mittag geht nichts mehr auf boox.to. Wer die Seite seitdem ansurft, um sich für seinen Nutzungsbeitrag in Höhe von 3,33 Euro monatlich illegal eBooks herunterzuladen, bekam zunächst eine pechschwarze Seite zu Gesicht, auf der sich eine „Real Warez Alliance“ mit dem Hack der Seite brüstet. „Against commercial warez!“, stand außerdem auf der Seite – das Flatrate-Modell hat offenbar auch in der Szene nicht nur Freunde.

„Wir wissen, wer ihr seid!“

Quelltext der gehackten Seite mit MD5-Hashes

Ausschnitt vom Quelltext des gehackten boox.to mit versteckten MD5-Hashes (unten)

Richtig interessant macht den Hack aber ein Blick in den Quelltext. In MD5-Hashes, mit denen üblicherweise Passwörter codiert werden, stand da „we know who you are! the next key is:“, gefolgt von einem mehrzeiligen Schlüssel. Außerdem findet sich im Quelltext eine Base64-codierte Zeichenkette, die möglicherweise wesentlich mehr Informationen enthält, als den boox.to Betreibern lieb ist. Aktuell bekommt man beim Aufruf von boox.to nur noch ein „Wartungsarbeiten“ zu Gesicht.

Auch der ehemalige boox.to-„Pressesprecher“ spiegelbest, der im Oktober wohl nicht ganz freiwillig seinen Hut bei der Seite nahm, scheint in Mitleidenschaft gezogen. Spiegelbest versuchte zuletzt ein geschlossenes, ebenfalls kostenpflichtiges eBook-Tausch-Forum aufzuziehen. Sowohl sein Blog als auch das Forum sind ebenso wie boox.to seit dem gestrigen Dienstagmittag offline.

Damit scheint sich zu bestätigen, was Medienanwalt Christian Solmecke jüngst im Gespräch mit uns im Zusammenhang mit der fehlgeleiteten boox.to-Hausdurchsuchung mutmaßte. Die Zerstreitung der boox.to-Betreiber könnte der Anfang vom Ende zumindest dieses eBook-Warez-Projektes sein. Auch bei kino.to führte ein Streit unter den Betreibern letztendlich zur Ergreifung der Hintermänner. Klar ist aber auch: boox.to ist die bekannteste, aber längst nicht die einzige Anlaufstelle für illegale eBook-Downloads. Das Geschäft am Urheberrecht vorbei wird mit der zunehmenden eBook-Reader-Verbreitung immer lukrativer, und die Strafverfolger werden nicht immer das Glück haben, dass sie ihre Arbeit zumindest teilweise von den Buchpiraten selbst abgenommen bekommen.

boox.to tot[Update 24.12. Auf der Seite prangt nun ein Kreuz mit dem Hinweis, die Domain sei zu verkaufen.]

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Kommentare


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