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USA: eBook-Jahrescharts mit Überraschungen

1-2Nordamerika ist im Bezug auf digitale Literatur nicht nur der größte Absatzmarkt weltweit, sondern auch einmalig gut „vermessen“; der Branchenverband AAP weist quartalsweise aggregierte Wholesale-Umsätze der größten US-Publisher aus, praktisch im Wochenrythmus publizieren renommierte Beratungshäuser Schätzungen zur Marktgröße sowie zu den Umsatzanteilen der wichtigsten Branchenteilnehmer. Der Publishers Weekly ist nun dennoch die Veröffentlichung einer außergewöhnlichen Übersicht gelungen.

Das Fachblatt veröffentlichte vergangene Woche eBook-Jahrescharts für 2010 mit absoluten Verkaufszahlen, die direkt von den Verlagshäusern eingeholt wurden. Anders als Großhandelsumsätze, relative Charts (wie hierzulande einmalig von Media Control publiziert) und Umsatzzahlen einzelner Händler handelt es sich hier also um exakte Angaben; Publishers Weekly stellte bei den meistverkauften Titeln zudem Print- und Digital-Ausgabe einander gegenüber, was die Aussagekraft der Statistik nochmals erhöht.

publ-weeklyBeim meistverkauften Buch des vergangenen Jahres, der Bush-Biografie Decision Points, fielen die eBook-Umsätze demnach eher enttäuschend aus: Rund drei Millionen mal ging der Titel insgesamt über den Ladentisch, davon aber nur 307.216x bzw. 10% in digitaler Form. Stieg Larsson hingegen machte seinem Ruf als eBook-König einmal mehr alle Ehre: Von insgesamt 2,6 Millionen Verkäufen des Titels The Girl Who Kicked the Hornet’s Nest in 2010 entfielen allein auf die Digitalausgabe 775.000 Verkäufe bzw. 30% – kein eBook verkaufte sich im vergangenen Jahr häufiger.

Neben Larsson sind zahlreiche weitere Thriller- und Krimi-Autoren auf den vorderen Plätzen zu finden; John Grisham liegt mit The Confession auf Platz zwei, James Patterson konnte sich mit gleich zwölf eBooks in den Charts platzieren (viele davon allerdings weniger als 20.000x verkauft). Die vom Börsenverein gerade einmal wieder im Zuge der GfK-Studie aufgestellte These, Tablets als angeblich populärste Lesegeräte würden vornehmlich von jungen Männern gekauft, die entsprechend am häufigsten zum digitalen Buch greifen würden, belegen die Charts freilich nicht: beim in dieser Gruppe besonders beliebten Autor  Stephen King entfielen nur etwa 7% der Verkäufe von Full Dark, No Stars auf die digitale Version, der Familienroman Freedom von Jonathan Franzen wurde hingegen 22% – also verhältnismäßig mehr als dreimal so häufig – als eBook geshoppt.

vom-winde-verwehtWeiterhin bemerkenswert ist eine recht große Diskrepanz zwischen absoluten Bestsellern und einem Long Tail, der de facto schon in den Top 10 beginnt; I, Alex Cross von James Patterson – auf Platz sechs gelegen – verkaufte sich bereits 5x seltener als die Nr. 1. Anders herum sind „Evergreens“ auch in digitaler Form gefragt, selbst wenn sie (noch) Geld kosten: „Vom Winde verweht“ und „Wie man Freunde gewinnt“ fanden jeweils immerhin über 10.000 Abnehmer.

Zu beachten ist, dass die Charts keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und ganz offensichtlich auch nicht innehaben: So finden sich nur die Verkaufszahlen eines einzigen Titels von Larssons Millenium-Trilogie in der Auflistung, einige Großverlage haben die Publikation absoluter Verkaufszahlen offensichtlich komplett gescheut. Das ändert allerdings wenig an der Aussagekraft im Bezug auf die offensichtliche Käuferschaft von belletristischen eBooks, die sich auch im ersten Tablet-Jahr eben noch nicht grundlegend bzw. soziodemographisch generalisierbar von der gedruckter Literatur zu unterscheiden scheint.

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Kommentare


Atrocity 23. März 2011 um 10:00

Hmm, bleibt auch die Frage wie repräsentativ das ganze ist, da laut Grafik die E-Book Verkäufe mit den Hardcover verkäufen verglichen wurden.

Zumindest bei mir waren 95% der in den letzten Jahren gekauften Bücher Taschenbücher. Darauf warte ich auch gerne mal länger. Weil über 10€ für ein Buch das man innerhalb eines Abends (gehen wir mal von einem nicht-Sachbuch aus) durchgelesen hat einfach zu teuer ist.

Und ich denke das andere Vielleser das ähnlich halten. Also auf Taschenbuchausgaben warten.

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Thomas Knip 23. März 2011 um 14:29

Hardcover haben in den USA einen anderen Stellenwert als bei uns.

Da sind Paperbacks tatsächlich eher billige Wegwerfware, von daher sind die Zahlen – zumindest eben für die USA – schon eine relevante Aussage.
Gerade auch hinsichtlich „Sofortkäufer“, die nicht auf das Paperback und ein eventuell noch mal etwas günstigeres eBook warten wollen.

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samy 23. März 2011 um 21:09

Sicher dass sich die Bücher downloaden lassen?? In welchem Format denn?

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