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„Vollendetes Lesevergnügen“: Weltbild bejubelt Kindle Paperwhite

Das Kräftemessen auf dem eBook-Reader-Markt zwischen Tolino-Allianz und Amazon nimmt immer skurrilere Züge an. Während Thalia den Kindle in einer Zeitungskampagne zum Flüchtigen erklärt, lobt Weltbild das Konkurrenz-Gerät in höchsten Tönen. Natürlich nicht ohne Hintergedanken.

kindle auf der flucht„Der Kindle auf der Flucht…vor dem tolino shine von Thalia“ verkündete Thalia am Wochenende mit ganzseitigen Printanzeigen unter anderem in BILD und Süddeutscher Zeitung. Auf großflächigen Plakaten in Frankfurt und Berlin schießt die Buchhandelskette noch schärfer: „Erwachsene Beratung statt Kindle-Kram“, heißt es da. Man solle „Um die Ecke statt aus Amazonien“ kaufen.

Weltbild fährt eine etwas andere Strategie. Seine Rolle als Tolino-Partner ist für das Unternehmen kein Grund, nicht unter der schicken Adresse eBook-Reader.de eine scheinbar unabhängige Nachrichtenseite zum Thema „Digitales Lesen“ zu betreiben. Selbstbeschreibung: „Wir stellen Ihnen neue eBook-Reader Modelle vor, informieren Sie über die besten eBook-Schnäppchen und stehen Ihnen auch bei Problemen mit Ihrem eBook-Reader mit Rat und Tat zur Seite. Zudem helfen wir Ihnen auch bei der Kaufentscheidung für einen eReader mit unseren Tests, dem eBook-Reader Lexikon und vielem mehr.“

In der Praxis wird etwa unter dem Titel „Tolle eBook-Aktion für alle Krimifans“ auf eine Tolino-Promotion hingewiesen – schließlich biete „der tolino shine (…) einfach alles, was Vielleser von einem eBook-Reader erwarten.“ Allerdings beschränkt sich Weltbild längst nicht auf Eigenwerbung und allgemeine Informationsartikel etwa zu Newsfeed- und Blog-Abos.

Kindle Paperwhite: „Edles Design“, „lobenswerte Shopanbindung“

Auch Rivale Amazon wird in einem eigenen Artikel gewürdigt. „Amazon Kindle Paperwhite: Vollendetes Lesevergnügen“ heißt es schon in der Überschrift. Im Text spart Weltbild dann nicht mit Schmeicheleien: Die Inbetriebnahme sei „sehr leicht und unkompliziert“, das Design wirkt „sehr edel“, „Schriftbild, Kontraste und Schärfe lassen (…) kaum Wünsche offen“. Höhepunkt: „Die Funktionen des Kindle Paperwhite sind äußerst vielfältig. Besonders lobenswert ist die Shopanbindung, dank welcher man sich schnell und unkompliziert eBooks von Amazon herunterladen kann.“

Nachdem wir bei Weltbild anfragten, ob die Seite wie im Impressum ausgezeichnet wirklich vom Augsburger Unternehmen betrieben wird (wir konnten es nicht glauben, zumal die Domain einer Münchener Limited gehört), wurde der wohlwollende Kindle-Paperwhite-„Testbericht“ vom Netz genommen. Er ist aber noch über den Google Cache lesbar. Nach wie vor online ist der Testbericht zum hauseigenen Tolino Shine, dem in bester journalistischer Manier bescheinigt wird, „eine durchaus ernst zu nehmende Konkurrenz für den Kindle aus dem Hause Amazon“ zu sein.

Zweifelhafte Firmenpolitik

Der Kampf um die Vorherrschaft auf dem zukunftsträchtigen Markt für digitale Literatur wird mit harten Bandagen ausgefochten, offen wie verdeckt. Dabei helfen soll eBook-Reader.de, das „die aktuelle Marktentwicklungen auf dem eBook-Markt begleitet“, wie es eine Weltbild-Sprecherin auf Anfrage von uns formulierte. Ob man sich mit pseudo-journalistischen Angeboten glaubhaft ausgerechnet gegen den vermeintlich gesichtslosen Konkurrenten Amazon abgrenzen kann – wir haben unsere Zweifel.

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