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Wie Adobe die Zukunft von DRM sieht

Zum ersten mal überhaupt war Adobe in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse mit einem eigenen Stand vertreten. Und das nicht ohne Grund: Adobe sieht sich am Beginn eines goldenen DRM-Zeitalters. Beim Thema Datenschutz gelobt das Softwareunternehmen Besserung.

Ein großer Teil der Buchmesse-Woche stand für Adobe im Zeichen von Schadensbegrenzung. Am vergangenen Sonntag hat The Digital Reader publik gemacht, dass die eBook-Verwaltungs-Software Adobe Digital Editions 4 zahlreiche Nutzungsdaten vom Leser-PC an Adobe funkt, und zwar im Klartext. Zumindest mit letzterem soll es bald vorbei sein: Schon in der kommenden Woche wird es ein Software-Update geben, dass die übertragenen Daten verschlüsseln wird. Das sagten uns die Adobe-Manager Ingo Eichel (Senior Business Development Manager Adobe Deutschland) und Shameer Ayyappan (Senior Product Manager Adobe Indien, wo die Adobe eBook Platform entwickelt wird) im Hintergrundgespräch auf der Frankfurter Buchmesse.

Adobe-Stand auf der Frankfurter Buchmesse 2014

Adobe-Stand auf der Frankfurter Buchmesse 2014

An der Datenübertragung ansich führe kein Weg vorbei, sagten Eichel und Ayyappan. Alternative Nutzungsmodelle wie Flatrates und Ausleihen machten es unabdingbar, dass Informationen wie Download-Datum und User-ID an Adobe übermittelt würden, das hier als Infrastruktur-Anbieter auftritt. Künftig sollen aber nur noch die tatsächlich gebrauchten Daten gesendet werden, also etwa keine Angaben zur Lesezeit (nötig für Abrechnung-Nach-Zeit-Modelle) zu gekauften eBooks und grundsätzlich keine Informationen zu kopierschutzfreien eBooks in der ADE-Bibliothek.

Grundsätzlich sei der Schutz der Nutzerdaten das Wichtigste überhaupt für Adobe. Man nehme die Bedenken der Nutzer sehr ernst und bemühe sich, im Einklang auch mit den europäischen Datenschutzvorschriften zu sein, die deutlich über die Privacy-Richtlinien in den USA hinausgingen. Die Adobe-Manager bestritten übrigens mit Nachdruck, dass Adobe Digital Editions bislang auch die Nutzungsdaten von eBooks übermittelt, die überhaupt nicht von der Software verwaltet werden.

„Verlage wollen hartes DRM“

Grundsätzlich steht Adobe dem Thema Kopierschutz neutral gegenüber, betonten die Mitarbeiter. Die Verlage wünschten nun einmal hartes DRM, und: „Solange es im Markt eine Nachfrage gibt, bedienen wir sie“. In den vergangenen Monaten habe man keinen nennenswerten Kundenschwund konstatieren können – einige Verlage würden sich neu für den harten Kopierschutz entscheiden, andere sprängen ab. Das steht zumindest in Deutschland im Kontrast zu einer Befragung des Börsenverein, nach der in den letzten zwei Jahren ein Großteil der Verlage Adobe den Rücken gekehrt hat. Bemerkenswert ist hier aber auch, dass Adobe keine direkten Geschäftsbeziehungen mit Verlagen unterhält, sondern mit eBook-Anbietern wie Stores oder Digibib (Onleihe), die die Verschlüsselung dann als eigene Dienstleistung anbieten.

„Unknackbares“ DRM: Einführung über Hintertür epub 3

Ansich sollte der seit Jahren geknackte alte Adobe-Kopierschutz zwischenzeitlich durch ein neues DRM abgelöst sein. Die Neuerung löste Proteste bei der Leserschaft und Bedenken auf Kunden-Seite aus, weil es nicht abwärtskompatibel zu älteren Reader Mobile SDKs ist und alternativlos sein sollte. Im Klartext: Insbesondere ältere eBook-Reader-Modelle, für die keine Firmware Updates mehr entwickelt werden, können mit dem neuen Adobe-DRM nicht umgehen.

Anders als geplant ist es Lizenznehmernb darum jetzt freigestellt, ob sie ihre eBooks mit altem oder neuem Kopierschutz verschlüsseln. Laut Adobe werden auch schon eBooks mit dem neuen DRM ausgeliefert, vorwiegend im Bildungsbereich (Verlagsnamen hatten die Manager auf Nachfrage nicht parat). Eine Einführung des neuen Kopierschutzes auf breiter Basis erhofft sich Adobe jetzt über epub3. Mit der Umstellung auf den neuen epub-Standard würden neue eBook Reader und Firmware Updates ausgeliefert, die alle das neue Adobe DRM unterstützen, so die Überlegung. Bei ausreichend großer Verbreitung könne der Schalter dann umgelegt werden.

DRM wird unsichtbar

Zur Frage, wo Adobe das Thema Kopierschutz in fünf Jahren sieht, hatten die Adobe-Manager eine eindeutige Meinung. Der Kopierschutz werde dann viel mehr im Hintergrund sein, als das derzeit der Fall ist. Schon jetzt sei es für Anbieter möglich, Adobe Adept so zu implementieren, dass der Nutzer gar keine eigene Adobe ID mehr braucht. Der Leser meldet sich ganz normal beim Händler an, die Lizensierung erfolgt dann im Hintergrund so unscheinbar, wie das derzeit schon bei Amazon der Fall ist. Im Marketing-Sprech nennt sich das die Gewährleistung „seamless customer experience“ von Kauf und Lektüre, ohne nervige doppelte Registrierungen und händische Authentifizierungen.

Adobe will vor allem an alternativen Bezugs-Arten mitverdienen. Von Flatrates über Metered-Modelle (Bezahlung pro gelesener Seite / Lesezeit) bis hin zur Leihbücherei seien neuartige Vertriebsmodelle nur mit DRM zu realisieren, erklärten uns die Adobe-Mitarbeiter. Das führe zu einem nahezu flächendeckenden, aber eben unsichtbaren DRM-Einsatz. Als Beispiel nannten Ingo Eichel und Shameer Ayyappan den Musikbereich und Hörbücher, wo dank des Erfolges von Spotify & Co. mehr kopiergeschützte Musik denn je gehört werde. Um die Beantwortung der Frage, ob die Entwicklung wie bei MP3s dazu führe, das Kauf-Dateien dann ohne Kopierschutz ausgeliefert würden, haben sich die Adobe-Manager erfolgreich gedrückt.

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Kommentare


“Was weiß mein E-Book über mich?” | Die Stadtbücherei Erkrath bloggt 17. Oktober 2014 um 06:06

[…] Inzwischen gibt es schon Version 4. “Adobe Digital Edtion stellt E-Book-Leser bloß” schreibt heise.de. Was ich da lese, klingt, ehrlich gesagt, auch nicht besser, auch wenn Adobe auf der Frankfurter Buchmesse sich um Schadensbegrenzung bemühte: https://www.lesen.net/ebook-news/wie-adobe-die-zukunft-von-drm-sieht-15315/. […]

Antworten

Adobe gelobt Besserung – was kommt nach dem Datenschutz-Skandal? | OnleiheVerbundHessen 31. Oktober 2014 um 17:16

[…] In der letzten Zeit hat sich Adobe mit dem Datenschutz-Skandal bei der Leserschaft keinen guten Namen gemacht. Die Firma gelobt mit einem angekündigten Software-Update, das künftig alle Daten verschlüsseln soll, Besserung. Ob sich Adobe-Nutzer und Nutzerinnen bald wieder unbeschwert und sicher beim Lesen ihrer eBooks fühlen können und warum Adobe das künftige DRM “unsichtbar” sieht, erfahren Sie hier. […]

Antworten

Schlusspunkt: Auch Random House/Bertelsmann (Heyne, Blanvalet, …) kehrt Adobe-DRM den Rücken » lesen.net 18. August 2015 um 13:58

[…] gerade ein komplettes Umsatzsegment für den Softwarekonzern Adobe weg, der im vergangenen Jahr erstmalig auf der Frankfurter Buchmesse ausstellte und im Buchbereich noch einige Ambitionen […]

Antworten

Sony DRM debütiert auf eBook Reader » lesen.net 10. März 2017 um 12:24

[…] daran wohl auch nichts mehr ändern. Selbst Adobe konnte seinen neuen und sicheren Kopierschutz nicht durchsetzen, weil damit geschützte digitale Bücher mit nicht mehr aktualisierten, aber noch […]

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