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Wie E-Book-Flatrates verändern, wie wir Bücher entdecken

E-Book-Flatrates wie Skoobe oder Kindle Unlimited gelten als ein weiterer Entwicklungsschritt des digitalen Lesens. Aber welchen Einfluss haben sie auf unsere Lesegewohnheiten?

In der Diskussion um E-Book-Flatrates wie SkoobeOyster, Scribd und neuerdings auch Amazons Kindle Unlimited wird häufig der Vergleich zu ähnlichen Abonnement-Modellen für Musik und/oder Film gezogen. So werden wahlweise Scribd oder Oyster gerne als "Netflix für Bücher" bezeichnet.

E-Book-Flatrate Kindle Unlimited

E-Book-Flatrate Kindle Unlimited

Der Vergleich wirft jedoch die Frage auf, ob Bücher derselben grundsätzlichen Nutzungsdynamik unterliegen wie Musikstücke, Filme und Serien. So schreibt Jan Brandt auf Spiegel Online: "Während man Songs ein paar Hundert Mal hört, liest man ein Buch oft nur einmal im Leben". Cameron Fuller von der International Business Times rechnet zudem vor, dass der durchschnittliche US-Amerikaner gut drei Stunden am Tag vor dem Fernseher verbringt und täglich nur 90 Minuten liest. Einem gelesenen Buch pro Woche stehen also zehn Filme oder sogar noch mehr Serienfolgen gegenüber. Wie verändern sich aber nun die Nutzungsgewohnheiten von speziell Lesern durch Flatrate-Angebote?

Veränderte Lesegewohnheiten

Der offensichtliche Vorteil der Flatrates liegt in ihrem auf den ersten Blick niedrigen Preis, der sich schon bezahlt macht, sobald man ein bis zwei der angebotenen E-Books im Monat liest. Über das reine Geldsparen hinaus können sich jedoch auch andere Aspekte der Nutzung von Büchern im Allgemeinen und E-Books im speziellen verändern. Die Entwicklung der Amazon-E-Book-Charts legt diese Vermutung jedenfalls nahe. Beispielsweise beschreibt A geek wearing make-up, wie sie durch die einfache Verfügbarkeit und die breite Auswahl zahlreiche kleine Leserituale in ihren Tag eingebettet hat und immer mindestens fünf verschiedene Bücher gleichzeitig liest. Nate Dickson hingegen beschwert sich über die geringe Auswahl an hochwertigen und älteren Titlen.

Juli Monroe von Teleread schließlich setzt sich sehr ausführlich mit ihren veränderten Lesegewohnheiten auseinander. Dabei merkt sie als erstes an, dass ihr Abonnement nicht dazu geführt hat, dass sie nun weniger Bücher kaufe. Was sich hingegen grundsätzlich verändert habe, sei die Art, wie sie neue Bücher und Autoren entdecke: "Den vollen Preis zahle ich nur noch für Bücher, die mir sicher gefallen. Unbekannte Bücher lese ich auf Scribd oder in der Bibliothek". Dabei könnte es auch eine Rolle spielen, dass es einfacher ist, ein geliehenes E-Book mittendrin abzubrechen, als ein gekauftes, wie Unputdownables anmerkt.

Flatrates öffnen das Leseverhalten

Skoobe Kategorie "Poesie, Lyrik & Prosa": Chance für Neuentdeckungen?

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Aus diesen sehr subjektiven Berichten lassen sich einige interessante Schlüsse für Leser wie für Verlage ziehen: Wer sicher weiß, dass er ein bestimmtes Buch lesen will, ist auch weiterhin bereit, dafür Geld auszugeben, um es sich in das physische oder das digitale Regal stellen zu können. Ihre Stärke spielen die Flatrates an der Stelle aus, an der es darum geht, neue Autoren anzutesten oder neugierig in ein Buch reinzulesen – vorausgesetzt der Katalog des Anbieters ist groß genug. Sie bringen Leser dazu, neue Dinge auszuprobieren und öffnen auf diese Weise die Lesegewohnheiten in die Breite. Auch wenn die Gefahr der Kannibalisierung besteht, können Flatrate-Modelle so zu einem wichtigen Marketing-Instrument werden und Verlagen dabei helfen, neue Leser für ihre Bücher zu finden. Lesern ermöglichen sie unverbindliches Ausprobieren und Reinschnuppern in Bücher, die sie ansonsten vermutlich nicht gekauft hätten.

<Bildnachweis: Fliegende Bücher von Shutterstock>

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