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Zu unsicher: Warum die Tolino-Händler eBooks von Knaur, Rowohlt & Co. immer noch verschlüsseln müssen

Wenn die Verlage der Konzerngruppe Random House am 01. Oktober auf Wasserzeichen umstellen, ist die deutsche E-Reading-Landschaft nahezu kopierschutzfrei. Tolino-Leser profitieren davon allerdings nur bedingt – Thalia, Weltbild & Co. müssen die Titel einiger eigentlich längst kopierschutzfreier Verlage immer noch mit Adobe DRM verschlüsseln.

Vor rund zwei Monaten verkündete die Verlagsgruppe Holtzbrinck ihre vollständige Abkehr von hartem Kopierschutz. Vom 01. August an sollten die eBooks von Konzernverlagen wie Rowohlt, Droemer Knaur, KiWi und S. Fischer nur noch mit Wasserzeichen versehen sein. Ausgenommen bei Amazon, die grundsätzlich auch über kopierschutzfrei angelieferte Dateien ihr eigenes Kindle DRM stülpen.

Holtzbrinck-Titel nur mit Adobe DRM zu haben

Bildschirmfoto 2015-09-23 um 14.53.14Am heutigen Mittwoch, nach knapp zwei Monaten, ist von der Umstellung in den Stores der großen deutschen Buchhändler allerdings nichts zu sehen. Bei Thalia, Weltbild.de, eBook.de, Hugendubel und den weiteren Mitgliedern der Tolino-Allianz sind die eBooks der Holtzbrinck-Verlage nach wie vor nur mit dem ungeliebten Adobe DRM zu bekommen.

Hat Holtzbrinck kurzfristig und stillschweigend die ankündigte Umstellung dann doch noch gestoppt? Keinesfalls, wie etwa ein Blick auf den Online Store von Regionalfilialisten Osiander (Tolino-Partner erst ab Oktober) illustriert. So gibt es dort beispielsweise den aktuellen Rowohlt-Bestseller “Ein Bild von dir” von Jojo Moyes, bei Thalia & Co. nur mit Adobe DRM zu haben, als unverschlüsselte epub-Datei.

Kein Schutz durch Tolino-Wasserzeichen

Der Grund: Die vom Tolino-Auslieferer implementierten Wasserzeichen gelten in der Branche als extrem unsicher. Die Personalisierung erfolge hier ausschließlich gut sichtbar und damit leicht entfernbar, erfuhren wir aus Verlagskreisen. Darum hielten einige Verlage bei den Tolino-Händlern lieber an hartem Kopierschutz fest, als ihre eBooks vermeintlich schutzlos anzubieten. Ein Sprecher vom Tolino-Alliierten Bertelsmann bestätigte uns diesen Sachverhalt: “Es ist richtig, dass einzelne Verlage momentan noch Sonderanforderungen haben, die wir gerade abklären”.

Bei Händlern wie Osiander oder auch Ciando (Ein Bild von dir), deren Sortimente von Auslieferungen wie KNV mit auch “unsichtbaren” Wasserzeichen versehen werden können, wurde der Verkauf von eBooks mit Wasserzeichen von Holtbrinck & Co. hingegen abgenickt. Wie die Bertelsmann-Verlage (Heyne, Goldmann, Blanvalet, …) ihre eBooks vom 01. Oktober in den Tolino Stores anbieten, ist aktuell noch völlig offen. Man sei mit den Tolino-Allierten “derzeit in Gesprächen bezüglich der genauen technischen Umsetzung”, erklärte uns ein Verlagssprecher am heutigen Mittwoch.

Anderswo mehr epub fürs gleiche Geld

Nun liegt es in der Natur von Wasserzeichen, dass diese ohne technische Hilfsmittel entfernbar sind. Etwas mehr (gefühlte) Sicherheit als auf der ersten Seite hinterlegte Käuferdaten wollen einige Verlage dann aber offenbar doch. Auch wenn das vorläufiges Festhalten am für Lesefreunde unbequemen, Amazon als Alles-Verschlüsseler begünstigenden und letztlich auch mit zwei Klicks entfernbaren Adobe DRM bedeutet.

Ein Zustand, der hoffentlich schnell der Vergangenheit angehört. Bis dahin erhalten Tolino-Leser bei Nicht-Tolino-Händlern bei vielen eBooks aktuell de facto mehr Nutzungskomfort fürs gleiche Geld.

<Bildnachweis: Zaunlücke von Shutterstock>

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Kommentare


Markierungen 09/25/2015 – Snippets 25. September 2015 um 06:33

[…] Zu unsicher: Warum die Tolino-Händler eBooks von Knaur, Rowohlt & Co. immer noch verschlüssel… […]

Antworten

6 Verlage, die eBooks verstanden haben » lesen.net 1. Oktober 2015 um 13:09

[…] Personalisierung seiner eBooks mittels Wasserzeichen – “softes” DRM, das derzeit stark im Kommen ist und längst nicht nur Freunde […]

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Wasserzeichen zu unsicher | OnleiheVerbundHessen 10. Oktober 2015 um 17:01

[…] Quelle:  Wasserzeichen unsicher […]

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Tolino Vision 3 HD im Test » lesen.net 10. Dezember 2015 um 16:06

[…] seit der Abkehr der großen Konzernverlage vom Adobe-Kopierschutz, auch wenn sie praktisch noch nicht final umgesetzt ist, erhält man beim Kauf von epub-Dateien klar mehr Nutzwert fürs gleiche Geld als bei […]

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[…] hartem Kopierschutz den Rücken gekehrt (wenngleich Holtzbrinck-Titel bei den Tolino-Händlern immer noch damit versehen sind). Ein wesentliches Argument gegen den legalen Bezug – schwierigeres Handling, weniger […]

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