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Digitale Comics: Angebote im Vergleich

Nicht nur Romane und Kurzgeschichten sind digitale Literatur. Auch der Markt für elektronische Comics ist in den letzten Jahren massiv gewachsen allerdings größtenteils jenseits der etablierten eBook-Plattformen von Amazon, Apple und Co. Wir haben uns angesehen, welche Angebote es aktuell gibt und  wie der deutsche Markt im Vergleich zum US-amerikanischen abschneidet.

Comic-Klassiker kostenlos als CBR- und CBZ-Dateien

Comic Book Plus: Kostenlose Fundgrube für obskure Klassiker

Comic Book Plus: Kostenlose Fundgrube für obskure Klassiker

Lange bevor Verlage erkannten, dass es einen Markt für digitale Comics gibt, scannten Fans schon selbst ihre Sammlungen ein. Als Format etablierte sich das Comic-Book-Format, das im Grunde genommen nur ein Archiv mit durchnummerierten  Bilddateien ist. Am populärsten sind Archive mit der Endung CBR (Rar-Format) oder CBZ (Zip-Format). Für diese Dateien gibt es eine Vielzahl von Leseprogrammen. Auf Desktop-Rechnern versteht sich etwa Calibre auf die Anzeige, für iOS-Geräte ist Comic Zeal beliebt, während unter Android vor allem der Komik Reader und ComicRack populär sind. Für alle diese Titel gibt es auf allen Plattformen aber viele ebenfalls empfehlenswerte Alternativen.

Etwas anderes gibt es hingegen so gut wie nicht: Legale aktuelle Comics. CBR und CBZ haben sich hauptsächlich im File-Sharing-Bereich etabliert und werden von der Industrie gemieden. Die meisten großen Anbieter setzen statt dessen auf DRM-Formate. Für Freunde klassischer Comics gibt es allerdings ein stetig wachsendes Angebot gemeinfreier Titel. So lassen sich bei Comic Book Plus mehr als 22.000 (meist englischsprachige) gemeinfreie Comics aus den 1930er bis 1960er Jahren legal und kostenlos online lesen oder herunterladen.

Einzelne Comic-Titel kaufen

Comixologys Technik steckt hinter einer ganzen Menge Apps

ComiXologys Technik steckt hinter einer ganzen Menge Apps

Wer hingegen aktuelle digitale Comics kaufen will, kommt für den englischsprachigen Markt kaum an ComiXology vorbei. Zu den Verlagen, die auf diese Plattform setzen, gehören unter Anderem Marvel, DC und Image Comics (der Originalverlag für „The Walking Dead“). Obwohl viele der ComiXology-Partner eigene Apps anbieten, ist man als Kunde besser beraten, direkt die Comics-App von ComiXology zu installieren (iOS, Android). Diese bietet Zugriff auf das komplette Angebot, während etwa die Marvel oder DC-Apps die Auswahl künstlich auf Comics aus dem jeweiligen Verlag einschränken.

Für deutschsprachige Comics gibt es als Alternative Mad Dog Comics. Das Geschäftsmodell und die App (iOS, Android) des noch recht jungen Startups ist offensichtlich von Comixology inspiriert, allerdings ist die Auswahl bisher deutlich kleiner. Geworben wird mit „mehr als 1.000 Comics“. Abgesehen von  Lucy Luke und The Walking Dead finden sich allerdings noch kaum große Namen darunter.

Beide Anbieter setzen auf Apps zum Lesen der Comics und bieten Software für Windows 8, iOS und Android an. Comixologys App findet sich darüber hinaus in Amazons App Store für den Kindle Fire, während Mad Dog auch eine Version für Google TV im Angebot hat.  Das Leseerlebnis der Apps ist sehr angenehm. Die Grafiken werden sauber angezeigt, auf Wunsch kann man den automatisch ein Panel nach dem anderen heran zoomen, was besonders beim Lesen auf Smartphones hilfreich ist.

iBooks bietet viele kostenlose Titel an.

iBooks bietet viele kostenlose Titel an.

Leider sind die Preise vergleichsweise hoch. So kosten bei ComiXology aktuelle 22-seitige Ausgaben von DC oder Marvel Comics 2,69 Euro. Ältere Hefte und die ersten Titel von Reihen sind meist günstiger, für umfangreiche Sammelbände kann aber auch deutlich mehr fällig werden. Mad Dog Comics setzt auf eine ähnliche Preisgestaltung und verlangt etwa für Lucky Luke-Bände 5,49 Euro. Bei älteren Reihen wie der 1950er-Jahre-Serie „Nick der Weltraumfahrer“ gibt es ein paar Gratisbände, die weiteren Hefte kosten  89 Cent pro Ausgabe.

Neben den genannten beiden Apps gibt es gerade auf dem US-Markt noch einige weitere kleinere Anbieter für digitale Comics, die nicht mit ComiXology zusammenarbeiten. Zu nennen ist hier vor allem Dark Horse. In Deutschland bietet vor allem Egmont Ehape einige eigene Apps an, etwa für Lucky Luke, die Lustigen Taschenbücher oder das Micky Maus Magazin. Die meisten dieser Anwendungen sind allerdings bisher nur für das iPad erschienen. Alle diese Anwendungen funktionieren nach demselben Prinzip: Die Comics werden in den Apps gekauft und sind dank DRM auch nur darin lesbar.

Amazon und Apple führen in ihren Kindle- und iBooks-Stores ebenfalls Comic-Alben. Allerdings ist die deutsche Kindle-Comic-Abteilung  recht schlecht sortiert, und sowohl iBooks als auch die Kindle-App sind eher für Bücher als für Comics gemacht. Der automatische Zoom in einzelne Panels und nette Bonusfunktionen wie etwa die Sortierung nach großen Handlungsbögen (sogenannten Story Arcs) fehlen hier. Die Amazon-Titel setzen darüber hinaus meist einen Kindle Fire HD oder Kindle Fire HDX voraus, einige Comics lassen sich aber auch auf aktuelleren E-Ink-Kindles wie dem Paperwhite 2 lesen.

Marvel Unlimited: Die Comic-Flatrate

Marvel Unlimited bietet Zugriff auf tausende Comics – auf Wunsch auch nach Handlungsbogen sortiert

Marvel Unlimited bietet Zugriff auf tausende Comics – auf Wunsch auch nach Handlungsbogen sortiert

Marvel Unlimited hat ein etwas anderes Geschäftsmodell. Hier kauft man keine einzelnen Alben. Statt dessen erhält man für  69 US-Dollar pro Jahr Zugriff auf das ständig wachsende englischsprachige Archiv digitaler Marvel Comics. Über 13.000 Titel sind bisher eingescannt, und es werden jede Woche mehr. Aktuelle Hefte werden sechs Monate nach dem ersten Erscheinen hinzugefügt, ansonsten liegt der Schwerpunkt auf den Comics des „Silver Age„, insbesondere den 1960er Jahren, als unter der Ägide von Stan Lee innerhalb weniger Monate so erfolgreiche Helden wie Spider Man, die X-Men oder der Hulk ihr Debüt gaben. Einzelne Serien gehen zwar bis in die 1930er Jahre zurück, und es gibt auch viele Titel aus der Zeit nach den 1960ern. Vor allem zwischen 1970 und dem Jahr 2000 klaffen aber noch recht große Lücken, die nur nach und nach geschlossen werden.

Der Zugriff war ursprünglich nur via Web-Browser und nur mit aktiver Internet-Verbidung möglich. Seit dem Jahr 2013 gibt es Apps für iOS und Android, die neben dem Online-Lesen auch das Offline-Speichern von bis zu sechs Ausgaben ermöglichen. Leider sind die Apps deutlich hakeliger als etwa das Angebot von ComiXology. Es gibt relativ häufige Abstürze, und die Suchfunktion arbeitet nicht immer zuverlässig. Dennoch ist das Angebot vom Preis-/Leistungsverhältnis her kaum zu schlagen.

Comics als Apps

Spionagethriller mit Hintergrundinformationen: Operation Ajax

Spionagethriller mit Hintergrundinformationen: Operation Ajax

Die bisherige Beispiele waren allesamt digitale Umsetzungen gedruckter Comics. Daneben gibt es aber auch einen Markt für rein digitale Graphic Novels, die dann oft als eigenständige App erscheinen. Bestes Beispiel dafür ist „Operation Ajax„. Der lesenswerte Comic-Roman beschreibt detailliert und spannend, wie westliche Geheimdienste 1953 die demokratisch gewählte iranische Regierung stürzten – inklusive umfangreichem originalem Quellenmaterial. Da Apps mehr technische Möglichkeiten ausreizen können als klassische eBooks, arbeitet der Titel viel mit filmischen Effekten, etwa Geräuschkulissen und Kamerafahrten. Bisher existiert der Comic nur für iOS-Geräte, eine Android-Version ist allerdings angekündigt.

Einen ähnlichen Weg geht auch die preisgekrönte deutsche Produktion „Wagnerwahn„,  bei der man sich auf Wunsch sogar die kompletten Dialoge von Sprechern vortragen lassen kann.

Die Produktion solcher Apps ist allerdings vergleichsweise aufwändig, weshalb es nur sehr wenige Titel dieser Qualität gibt. Einen guten Überblick über aktuelle Entwicklungen bietet das kostenlose  iPad-Magazin „Infinity“ des Digitalverlags Panel Nine – allerdings ebenfalls nur in englischer Sprache.

Fazit: Deutschland hinkt hinterher

Trotz einzelner Glanzlicher wie „Wagnerwahn“ fällt auf, wie viele Angebote nur in englischer Sprache verfügbar sind. Deutsche Verlage haben hier noch großen Nachholbedarf. Während etwa Marvel und DC tausende Titel in eigenen Apps verfügbar machen, hat der Carlsen Verlag aktuell nur 151 Mangas und 30 sonstige Comics digital im Angebot, und auch Schwergewichte wie Ehapa testen den Tablet-Markt nur zögerlich. Eventuell wird hier auch noch auf weitere Erfahrungen der Amerikaner gewartet, um herauszufinden, welchen Preis der Markt am ehesten akzeptiert. Unter den englischsprachigen Angeboten ist Marvel Unlimited sicherlich am attraktivsten. Trotz der nur mittelmäßigen App gibt es für Superhelden-Fans keine andere Möglichkeit, legal so viele kommerzielle Comics für vergleichsweise wenig Geld zu lesen. Bei genügend großem Erfolg führt dies hoffentlich dazu, dass auch andere große Anbieter ähnliche Flatrates in ihr Programm aufnehmen.

<Bildnachweis: Pow von Shutterstock.com>

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Kommentare


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