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„To Kill a Mockingbird“ kommt als E-Book

Eine der größten Lücken digitaler Buchhandlungen schließt sich: Der 1960 erschienene Kultroman To Kill a Mockingbird (deutsch: „Wer die Nachtigall stört„) wird in Kürze als eBook verfügbar sein. Autorin Harper Lee hat ihren Widerstand gegen eine Digital-Version aufgegeben. Andere Schriftsteller stellen sich weiter quer.

Lange sträubte sich Harper Lee dagegen eine E-Book-Ausgabe ihres erfolgreichsten Romans, der sich gedruckt über 30 Millionen mal verkaufte, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde und eine ebenfalls sehr erfolgreiche Verfilmung nach sich zog. Am gestrigen Montag, dem 88. Geburtstag der Autorin, gab ihr Verlag HarperCollins (News Corp) nun die Veröffentlichung von E-Book und Audiobook für den 8. Juli bekannt.

Lee kommentierte ihre langjährige Haltung mit den Worten: „Ich bin immer noch altmodisch. Ich liebe staubige alte Bücher und Büchereien.“ Weiter heißt es: „Ich bin begeistert und fühle mich geehrt, wie lange ‚Mockingbird‘ überlebt hat. Dies ist ‚Mockingbird‘ für eine neue Generation.“

Ihr Verlag zeigt sich begeistert von der Aufgabe der Blockadehaltung. Für HaperCollings, das immer noch jährlich mehr als eine Million Print-Exemplare des Bildungsroman absetzt, ist die E-Book-Version natürlich ein Lottogewinn. Entsprechend wird es auch nicht mehr lange dauern, bis deutsche Leser den Roman digital schmökern können.

Verweigerer von Grass bis Salinger

Die bisherige Abstinenz von „To Kill a Mockingbird“ in E-Book-Stores und ihre Gründe werfen ein Schlaglicht auf die Macht von Autoren und ihre nicht selten zurückhaltende bis ablehnende Einstellung gegenüber digitaler Literatur. So sind es oftmals die Autoren, die (über ihre Agenten) einen harten Kopierschutz für ihre eBooks von den Verlagen einfordern. J.K. Rowling ließ nach der Print-Veröffentlichung ihrer Harry-Potter-Romane viele Jahre verstreichen, bevor sie E-Book-Ausgaben ihrer Romane abnickte.

Auch eine komplette Blockade von Digital-Fassungen kommt immer noch vor. Bekanntestes deutsches Beispiel ist hier sicherlich Günther Grass, dessen Romane von der Blechtrommel bis Hundejahre nur gedruckt zu haben sind. Der Literaturnobelpreisträger vermisst „ein die Autoren schützendes Gesetz“, was auch immer er sich darunter vorstellt. International ist J.D. Salinger zu nennen, der „Catcher in the Rye“ (Der Fänger im Roggen) ausschließlich gedruckt verfügbar wissen wollte und sich Zeit seines Lebens auch gegen eine Verfilmung sträubte. Seit dem Tod des Autoren im Jahr 2010 führen die Rechteinhaber diese Haltung fort.

Dass eine offene Einstellung zum neuen Medium keine Frage des Lebensalters ist, beweist hingegen seit Jahren Paulo Coelho, der sich zeitweise selbst piratierte. A propos: Sämtliche genannte Werke gibt es natürlich längst auf illegalen E-Book-Download-Plattformen, allein die Harry-Potter-Bände dürften hier vor ihrer legalen Veröffentlichung viele Millionen mal heruntergeladen worden sein. Abgesehen von einer indirekten Unterstützung der Piraterie und weniger Wertschöpfung erreichen Autoren ohnehin nichts mit ihrer Blockadehaltung.

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Kommentare


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“Pestgeschwür”: 9 literarische Klassiker, die nicht von Anfang an beliebt waren » lesen.net 23. März 2015 um 11:04

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Zweiter Harper-Lee-Roman “Go Set a Watchman” ist da – auch digital » lesen.net 14. Juli 2015 um 16:27

[…] Die übersetzte Version steht bereits in den Startlöchern. Unter dem etwas gestelzten, aber immerhin originalgetreuen Titel “Gehe hin, stelle einen Wächter” (anders als beim Debütroman, wo aus einer getöteten Spottdrossel eine gestörte Nachtigall wurde) wird der Roman ab diesem Freitag auf deutsch erhältlich sein. Das Hardcover kostet 20 Euro, das mit hartem Kopierschutz versehene eBook 16 Euro. “Wer die Nachtigall stört” ist in Deutschland übrigens bis zum heutigen Tag nicht (legal) als eBook zu bekommen – und das, obwohl Harper Lee schon vor mehr als einem Jahr ihre lange Verweigerungshaltung aufgab. […]

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