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Zweiter Harper-Lee-Roman “Go Set a Watchman” ist da – auch digital

55 Jahre nach ihrem legendären To Kill a Mockingbird (dt.: Wer die Nachtigall stört) erscheint am heutigen Dienstag der zweite Roman von Harper Lee. Die Veröffentlichung ansich sowie der Inhalt von “Go Set a Watchman” sind hoch umstritten, was die Nachfrage nur noch ankurbelt. Anders als den “Vorgänger” gibt es das neue Buch auch digital, Kindle-Leser sparen hier kräftig.

“Schockierende” Handlung

Bildschirmfoto 2015-07-14 um 15.01.51“Go Set a Watchman” wurde von Harper Lee schon gute 5 Jahre vor dem mit einem Publizer Preis ausgezeichneten und erfolgreich verfilmten “To Kill a Mockingbird” geschrieben, spielt allerdings 20 Jahre nach den im Debütroman geschilderten Geschehnissen. Schon im Vorfeld seiner Veröffentlichung wurde der Roman kontrovers diskutiert.

Zum einen vollzieht Atticus Finch (in der deutschen Übersetzung Fink), der Vater der Ich-Erzählerin in “To Kill a Mockingbird” und dort als leidenschaftlicher Antirassist porträtiert, eine bemerkenswerte charakterliche Wandlung. In Teil 2 wird er porträtiert als Rassist, der Ku-Klux-Klan-Treffen besucht – eine Entwicklung, die die New York Times in ihrer Besprechung als “schockierend” bezeichnet. Das Manuskript soll in den 1950er Jahren abgelehnt worden sein – der Verlag habe mehr Interesse an der Fortsetzung (“To Kill a Mockingbird”) gezeigt, die in Rückblenden erzählt wird.

Zweifelhafte Begleitumstände

Zum anderen sind die Umstände der Veröffentlichung hoch umstritten. Das Manuskript soll im vergangenen Sommer plötzlich in einem Bankschließfach aufgetaucht und von der inzwischen 89-jährigen und gesundheitlich schwer angeschlagenen Harper Lee zur Veröffentlichung freigegeben worden sein. Und das kurz nach dem Tod ihrer Schwester, die zuvor als Anwältin die Interessen der nach einem Schlaganfall nahezu blinden und tauben Autorin vertreten hat. Ein Umstand, der in den Medien sehr kritisch hinterfragt wird und derzeit auch in unserem Forum für Gesprächsstoff sorgt.

Trotzdem – oder vielleicht auch unter anderem darum – sprang “Go Set a Watchman” gleich am heutigen ersten Verkaufstag von Null auf Platz 1 in den Verkaufscharts aller US-amerikanischen Online-Buchhändler, darunter natürlich auch Amazon.com. Schon am vergangenen Freitag wurde das erste Kapitel von ausgewählten Medien vorabgedruckt. Der Guardian hat aus dem Stoff sogar eine aufwändige multimediale Inszenierung nebst animierter Grafiken und “Ambienten-Geräuschen” gemacht sowie das Kapitel von Oscar-Preisträgerin Reese Witherspoon einlesen lassen.

eBook bei Tolino-Alliierten teurer als Hardcover

Auch in Deutschland ist die – nicht preisgebundene – Originalausgabe bereits erhältlich. Amazon.de verlangt 14,95 Euro für das Hardcover, das Kindle Book ist bereits für 8,74 Euro zu haben. epub-Leser haben deutlich mehr zu bezahlen: Am günstigsten fanden wir den Titel bei Kobo, wo 12,99 Euro fällig werden. eBook.de will 18,79 Euro haben, Thalia sogar 20,28 Euro – bei beiden Tolino-Partnern ist damit die gebundene Ausgabe günstiger als die Digital-Version.

Bildschirmfoto 2015-07-14 um 15.01.22Die übersetzte Version steht bereits in den Startlöchern. Unter dem etwas gestelzten, aber immerhin originalgetreuen Titel “Gehe hin, stelle einen Wächter” (anders als beim Debütroman, wo aus einer getöteten Spottdrossel eine gestörte Nachtigall wurde) wird der Roman ab diesem Freitag auf deutsch erhältlich sein. Das Hardcover kostet 20 Euro, das mit hartem Kopierschutz versehene eBook 16 Euro. “Wer die Nachtigall stört” ist in Deutschland übrigens bis zum heutigen Tag nicht (legal) als eBook zu bekommen – und das, obwohl Harper Lee schon vor mehr als einem Jahr ihre lange Verweigerungshaltung aufgab.

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Kommentare


Finaler Scheibenwelt-Roman: Deutsch-Leser müssen warten und draufzahlen » lesen.net 1. September 2015 um 11:33

[…] als das neue (alte) Buch von Harper Lee, das von Fans wie Kritik kontrovers diskutiert wird, wird “The Shepherd’s Crown” mit Lob überschüttet. Bei Amazon UK stehen […]

Antworten

XXL-Edition: “Go Set a Watchman” für 1.500 US-Dollar » lesen.net 26. November 2015 um 15:47

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