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Aluratek Libre: Last-Gen Reader für 99 Euro

Libri hat den Acer Lumiread, Thalia hat den Oyo, und auch Weltbild wird im Herbst einen ’neuen‘ eBook Reader in Online-Shop, Versandkatalog und seine knapp 300 Filialen bringen. Der Aluratek Libre ist technisch wie funktional zwar bei weitem nicht mehr auf der Höhe der Zeit, kann aber immerhin mit einem wettbewerbsfähigen Preisschild aufwarten: Nur 99 Euro möchte Weltbild für den Fünf-Zoller haben.

Dafür gibt es ein Lesegerät, welches im Oktober schon fast ein Jahr im Handel gewesen sein wird – und noch bedeutend älter aussieht. Tatsächlich ist  der Aluratek Libre weitgehend baugleich mit dem Ectaco jetBook, welches in Deutschland schon im November 2009 für 149 Euro zu haben war – vor dem Hintergrund der Preisentwicklung auf dem eBook Reader Markt (zum Vergleich: der günstigste Kindle kostetete damals 259 US-Dollar) sind die 50 Euro Abschlag in 11 Monaten doch sehr überschaubar.

aluratek-libre-ebook-reader-pro-digital-readerDer niedrige Kostenpunkt erklärt sich im Wesentlichen aus der eingesetzten Bildschirmtechnologie: Zum Einsatz kommt ein refklektives (also nicht-hintergrundbeleuchtetes) LC-Display. Im Vergleich zu nativen E-Paper Panels von E-Ink oder SiPix. wo nur beim Umblättern etwas Strom verbraucht wird, bedeutet das zunächst einmal eine reduzierte Akkulaufzeit – 24 Stunden lautet die Herstellerangabe, ein je nach Nutzungsszenario etwas bis deutlich geringerer Wert ist realistisch. Die niedrige Auflösung von 600x480px (5″ E-Ink: 600x800px) resultiert in einer unschärferen Schriftanzeige, auch das Kontrastverhältnis kann sich nicht mit ‚echtem‘ elektronischem Papier messen lassen.

Der interne Speicherplatz vom Aluratek Libre ist mit 100 Mbyte extrem knapp bemessen, anders als dem „Pro“-Modell liegt der von Weltbild verkauften Ausführung auch keine SD-Karte zur Erweiterung bei – einzige Differenzierung zwischen Basis- und dem Pro-Modell, das in den USA übrigens schon für 69 US-Dollar (50 Euro) verkauft wird. Bei der Formatunterstützung offenbart sich dann der einzige wichtige – und für viele Lesefreunde zurecht entscheidende – Unterschied zwischen Ectaco jetBook und Aluratek Libre: Der Libre versteht sich mit dem verbreiteten Adobe DRM für epub- und pdf-Dateien. Andernfalls hätte sich Weltbild wohl auch kaum für das Lesegerät interessiert, immerhin sind die meisten der aktuell 40.000 eBooks im von Ciando betreuten Weltbild eBook Store dergestalt kopiergeschützt. [Update: Seit Mitte Juli 2010 versteht sich auch das Ectaco jetBook mit Adobe DRM]

aluratek_libre„Weltbild bringt mit dem Aluratek Libre den ersten eReader unter 100 Euro auf den deutschsprachigen Markt“, informiert das Promotionvideo auf der Weltbild-Produktseite. Das wird Versandhändler Pearl gar nicht gerne hören, dessen 99 Euro kostender  eLyricon ebenfalls als eBook Reader vermarktet wird. Beide Geräte verfügen über ein LC-Display, beide Geräte unterstützen epub-Dateien mit Adobe DRM: Die Differenzierungsmerkmale „eReader/Nicht-eReader“ sind überschaubar. Auch mit der im gleichen Video propagierte Einfachheit in der Bedienung ist es nicht wirklich weit her – das weitgehend bau- und firmwaregleiche Ectaco jetBook wurde in einem Usability Test im September 2009 mit einem „ungenügend“ abgestraft. Hauptkritikpunkt: Die rund zwei Dutzend verschiedenen bunt über das Gehäuse verteilten Bedienelemente.

Sicherlich spielt der Preis eine entscheidende Rolle auf dem Weg der Geräteklase „eBook Reader“ in den Massenmarkt, der 100-Euro-Marke darf hier auch eine psychologische Bedeutung beigemessen werden. Sich aber völlig aus dem Wettbewerb ums nutzwertigste Lesegerät zurückzuziehen und mit antiquierter Hardware einfach nur auf den Spar-Faktor zu setzen, kann nicht der Königsweg sein.

Zumal das Angebot längst kein solches Schnäppchen mehr ist wie vielleicht noch vor einem halben Jahr: Thalia hat eben erst die alte Sony Reader Pocket Edition zu 99 Euro abverkauft, einem in vielerlei Hinsicht besseren eBook Reader. Weltbild selbst hat mit dem Hanvon N516 (allerdings für 149 Euro) ebenfalls eine spannende Alternative im Angebot; im 6″ Segment stehen mit Oyo und Kindle 3 für je knapp 140 Euro zudem zwei Lesegeräte zur Auswahl, die in einer ganz anderen Liga spielen.

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Kommentare


Thomas Knip 29. September 2010 um 19:25

Ach, seufz, warum wird nur so viel falsch gemacht?
Anstatt dass Weltbild einen hochwertigen Reader mit Abo-Modell subventioniert anbietet und über die monatlichen Einkäufe verdient, wird ein Gerät aus der Schublade gezogen, das schon 2009 nur zweite Wahl war.

Wie soll man denn so jemandem erklären, dass eBooks an sich eine tolle Sache sind?

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Stefan 29. September 2010 um 21:11

Ich finde es gar nicht schlecht, dass Weltbild ein günstiges Einstiegsgerät auch nach Deutschland bringt. Der Bericht von Stiftung Warentest hat doch gezeigt, dass es bisher kaum ein Gerät ohne Fehler gibt – und der Kindle war auf dem letzten Platz! Dann doch lieber preisgünstig einsteigen und den Markt beobachten.

Übrigens: Ich finde, man merkt dem Autor mittlerweile schon an, dass er für die Thalia-Tochter buch.de arbeitet…ich bitte um Neutralität, sonst ist lesen.net bald kein geeignetes Informationsmedium.

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Johannes 29. September 2010 um 21:38

@Thomas Jo, Abo-/Buchclub-Modell kam mir bei Weltbild auch in den Sinn…keine Ahnung, warum sowas.

@Stefan a) Der Bericht der Stiftung Warentest hat eher im Gegenteil gezeigt, dass die Qualität „aktueller“ (vgl. Artikel) Lesegeräte schon stimmt – immerhin wurden die meisten mit gut bewertet.

b) Der Kindle wurde von der Stiftung Warentest überhaupt nicht untersucht – bloß der Kindle DX, und das außer Konkurrenz (mit der vergebenen Note 3,2 wär’s ’n Mittelfeldplatz). Wo du’s aber schon ansprichst: Tatsächlich lag auf dem letzten Platz (Note 4,1, ausreichend) mit dem Ectaco jetBook Lite das Schwestermodell vom Weltbild Reader…

c) „Lieber preisgünstig einsteigen und den Markt beobachten“? Dann lieber gar nicht einsteigen würde ich sagen.

d) Was genau im Artikel ist nicht „neutral“ i.S.v. den Tatsachen entsprechend? Den Schuh irgendwie tendenziöser Schreibe muss ich mir nun wirklich nicht anziehen lassen…was den Oyo betrifft: Schau‘ dich zB mal um, wer außer uns die stillschweigende Verteuerung vom Zubehör gemeldet hat. Richtig.

Ciao
Johannes

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Oliver 29. September 2010 um 22:27

Vielen Dank für den interessanten Artikel. Er hat mich vor einer Fehlentscheidung bewahrt. Zuerst hatte ich mich vom „günstigen“ Preis blenden lassen. Auf der Webseite von Weltbild ist von „epaper-Display“ die Rede, aber schon das Foto und erst recht das „informative“ Video sahen eher nach LC-Display aus. Dein Beitrag schaffte dann Klarheit.

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Flobber 29. September 2010 um 22:52

@Stefan:
„dass es bisher kaum ein Gerät ohne Fehler gibt“ – der ein oder andere Fehler, OK. Dieser Reader patzt aber in fast allen Kategorien: niedrigauflösendes LCD (welches aber als ePaper beworben wird), mickriger Speicher (1 Buch + eine CD? *g*), für E-Reader lächerliche Akkulaufzeit, scheinbar „ungenügende“ Handhabung und dann noch ein nicht konkurrenzfähiger Preis.
Keiner, der auch nur einen groben Überblick über den Markt hat, wird so ein Gerät kaufen. Wenn er nach Weihnachten für 40 Euro verramscht wird, kann man ihn mal als Zweitgerät fürs Klo in Betracht ziehen ;-)

Bzgl „Neutralität“: was passt dir denn an dem Artikel nicht? Ich habe keine Probleme damit – ist ja nicht Wikipedia.

Ein Hinweis (z.B. im Impressum), daß Johannes Mitarbeiter bei buch.de ist und inwieweit dies den Inhalt der Seiten beeinflußt, wäre allerdings schon wünschenswert.

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Johannes 29. September 2010 um 23:00

@Flobber Offenlegung: Generell keine schlechte Idee, hab‘ ich bei der Oyo-Meldung ja auch gemacht. Nachdem ich allerdings nur noch exakt zwei Tage (=bis Freitag) in ’nem festen Angestelltenverhältnis bei buch.de bin, werd‘ ich mir einen Disclaimer im Impressum diesmal allerdings schenken :)

Ciao
Johannes

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Flobber 29. September 2010 um 23:02

Ich schrieb „konkurrenzfähiger Preis“, sollte „angemessener Preis“ heißen, sorry.

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Flobber 29. September 2010 um 23:14

@Johannes: Solange aus dem festen Angestellten bei Buch.de nicht einer bei Thalia wird oder ein freier Mitarbeiter mit Aufgabe der Betreuung dieser Seiten im Sinne von buch.de … ;-)

Wie auch immer, ich hoffe, daß lesen.net weiter betrieben wird – mir gefällt’s.

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R 30. September 2010 um 00:10

Unschwer zu erkennen, daß auch ich hier gern und regelmäßig reinschaue…

Dieser Reader erinnert mich an die Minimal-Netbooks, die mit Windows 3.0 CS und 128MB Ram, dafür aber Kampfpreisen („Jay-PC“, 99€) auf der erfolgreichen Netbook-Welle vor 2 Jahren mitschwimmen wollten. (Und natürlich jämmerlich absoffen.)

Bei nur 40€ Unterschied zum Oyo geb ich ihm nicht den Hauch einer Chance…

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carokann 30. September 2010 um 04:26

Silence is golden.

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microm 30. September 2010 um 13:04

Wenn ich schon das dunkle Display sehe… das dient ja mehr der Abschreckung als der Motivation von einem elektronischen Device zu lesen.

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Axel 1. Oktober 2010 um 16:04

„Bei der Formatunterstützung offenbart sich dann der einzige wichtige – und für viele Lesefreunde zurecht entscheidende – Unterschied zwischen Ectaco jetBook und Aluratek Libre: Der Libre versteht sich mit dem verbreiteten Adobe DRM für epub- und pdf-Dateien.“ Meinen Recherchen zufolge unterstützt das JetBook Adobe DRM.

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Johannes 1. Oktober 2010 um 17:50

Tatsächlich, hamse vor 1,5 Monaten „stillschweigend“ bekannt gegeben. Oben ergänzt, danke @Axel.

Ciao
Johannes

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Flobber 1. Oktober 2010 um 20:13

Was mich ankotzt sind die Kundenrezensionen auf Weltbild. Das Teil hat inzwischen eine Druchschnittsbewertung von 5/5 (ausgezeichnet). Meine negative Rezension ist natürlich nie aufgetaucht :-(

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André 2. Oktober 2010 um 16:23

Dein 50-Euro-Link führt zu einer Seite, auf der das Gerät 119$ kostet. 50 Euro wäre ja tatsächlich ein sehr guter Preis gewesen.

Der Pearl-Reader kostet mittlerweile 119 Euro. Insofern hat Weltbild wohl tatsächlich das billigste Gerät im Angebot.

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Karsten Fischke 3. Oktober 2010 um 21:03

Der Weltbild Verlag ZENSIERT seine Meinungen zum Alura

Ich habe nun 2x nüchtern sachlich auf die Fakten hingewiesen (kein echtes E-ink wg LCD und weniger als 24 Akkulaufzeit)
beides wurde nie freigeschaltet

So ein Drecksladen…

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Weltbild frisiert Aluratek Libre Bewertungen » eReader » lesen.net 4. Oktober 2010 um 10:45

[…] das Spiel bei der Vermarktung seines verganene Woche vorgestellten “99-Euro-Readers” Alurutek Libre allerdings noch auf eine ganz andere […]

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Sebastian 6. Oktober 2010 um 20:37

Moin,

Das Problem an der ganzen Sache ist aber eigentlich, dass der Hersteller schon mit falschen Sachen wirbt…

http://aluratek.com/libre-ebook-reader-pro-black

Dort steht nämlich z.B.:

„ePAPER Technology:
Utilizing the latest in epaper display technology, the Libre provides a crisp black and white 5” screen with the same appearance and readibility of printed paper. With no backlight, reading on the Libre is like reading a book.“.

Erst im Werbebild ganz unten, wird erwähnt das es ein LCD ist.

Auch schreibt er

„Battery Life:
Enjoy up to 24 hours of continuous reading before charging again.“

Man kann sich also schon fragen, ob man Weltbild hier nun alleinig beschulden kann.

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Hartmut 15. November 2010 um 22:11

Ich habe mir als Einsteiger den Weltbild Reader gekauft.Ich muss sagen dass ich bisher sehr zufrieden damit bin.Als Option hatte ich noch den „Onyo“ im Auge, aber nachdem ich ihn ausgiebig testen konnte habe ich mich nicht für ihn entschieden.Das umblättern des Oyo dauert länger das das lesen der Seite.Auch wechselte er unvermittelt automatisch vom quer- zum hochformat.Dann lieber den altbackenen Weltbildreader der mir robuster erscheint.

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Sonja 19. November 2010 um 15:01

Ich konnte heute den Reader im Weltbildladen testen. Für Wenigleser finde ich dieses Modell deutlich besser als das von Thalia. Ja, es ist LCD und die Akkulaufzeit ist begrenzt, dafür ist jedoch der Kontrast angenehmer und das Blättern geht schneller. Mich hat es jedenfalls auf den ersten Blick mehr überzeugt als OYO. Ich bleibe allerdings bei meinem Kindle 3.

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Fnac verkauft Sagem Binder unter eigenem Namen » eReader » lesen.net 16. Februar 2011 um 21:33

[…] Branchenteilnehmers wiederfinden. Die großen Buchhandelsketten Thalia (Oyo) und Weltbild (Aluratek Libre) sowie der Grossist Libri (Acer Lumiread) haben zwar bereits jeweils ein “eigenes” […]

Antworten

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