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Analysten: Weniger verkaufte E-Ink-Geräte, weil Zielgruppe ausstirbt

Etliche große Analystenhäuser haben jüngst zurückgehende E-Ink-Reader-Verkäufe prognostiziert. Ein weiteres Marktforschungsunternehmen macht dafür nun nicht etwa den Tablet-Boom verantwortlich, sondern hat eine ungleich originellere Erklärung gefunden.

Die goldenen Zeiten von dedizierten Lesegeräten sind schon wieder vorbei, vermeldete im Dezember zuerst das Marktforschungsunternehmen iSuppli. Demnach habe der Markt seinen Höhepunkt schon 2011 gesehen: Damals seien 23 Millionen Lesegeräte verkauft worden, 2016 würden es nur noch 7 Millionen sein.

Wenig später zogen die Analysten von IDC, eMarketer und Forrester nach. Einhelliger Tenor: Kunden würden inzwischen lieber zu den immer leistungsfähigeren Tablets greifen, die für einen überschaubaren Aufpreis ungleich mehr Möglichkeiten bieten.

E-Ink-Leser greifen nicht zu Tablets?

Die Analysten von ABI Research sind zwar auch der Meinung, der Tablet-Markt wachse weiter rasant (2013: 145 Millionen verkaufte Tablets weltweit) und die Anzahl der verkauften E-Reader nehme ab. Dazwischen gebe es allerdings keinen Zusammenhang. Vielmehr würden E-Reader-Nutzer im Hauptmarkt USA aussterben, und zwar im Wortsinne. „Die alternde Baby-Boomer-Generation, die [Mit E-Ink-Geräten] das Print-Leseerlebnis kopieren möchte, ist eine schwindende Gruppe“, erklärt ABI-Analyst Jeff Orr. Die Kollegen von The Register haben das sehr schön visualisiert (Bild unten).

Besitzer elektronischer Lesegeräte sind tendenziell etwas älter als Smartphone- und Tablet-Besitzer, das ist „common sense“. Dass heutige E-Books im Wesentlichen Print-Titel 1:1 abbilden, lässt sich ebenfalls nicht bestreiten. Dass aktuelle E-Ink-Leser neuen Formaten aus Traditionalismus aber ablehnend gegenüberstehen und darum nicht zu Tablets oder großformatigen Smartphones greifen, ist aber eine arg steile These.

Andere Zeiten, andere Vorhersagen

Und so ist die Studie ein gutes Beispiel dafür, dass man Analysten-Aussagen generell nicht allzu voll nehmen sollte. Sie machen sich zwar gut an Stammtischen und auf Powerpoint-Folien, sind am Ende des Tages aber auch nicht mehr als Glaskugelblicke von Anzugträgern. So wurde dedizierten Lesegeräten Mitte 2011 noch eine glorreiche Zukunft vorhergesagt – von den selben Marktforschern, die sie heute totschreiben. Und 2009 galten Netbooks als Ende der Geschichte, nach damaliger Ansicht der Marktforscher müssten wir heute eigentlich alle mindestens ein Gerät auf dem Couchtisch haben.

Marktsättigung in den USA, Nachholbedarf anderswo

Zwei Dinge sind außerdem im Zusammenhang mit E-Reader-Verkaufszahlen zu beachten. Zum einen stellt sich gerade in den USA langsam eine Sättigung ein, auch verbunden mit den vergleichsweise kleinen Entwicklungssprüngen. Während das 2007 erschienene erste iPhone inzwischen völlig outdated ist, kann auf dem ebenfalls 2007 erschienen ersten Kindle noch prima gelesen werden. Das ist gut für die Natur und für die Geldbörse der Besitzer, aber natürlich schlecht für den Hersteller (solange er nicht wie Amazon dauerhaft über das Ökosystem mitverdient). Zum anderen waren die USA bislang der wesentliche Wachstumstreiber der E-Reader-Verkaufszahlen. Märkte wie Deutschland hinken Jahre hinterher, das Peak könnte hier eher noch bevorstehen.

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Kommentare


Bernd 31. Januar 2013 um 20:10

Sehr schön geschrieben! …und analysiert. Einiges kann ich sehr gut nachvollziehen, denn als Mittfünfziger, dem die Lesebrille schon festgewachsen ist, würde ich nie auf die Idee kommen auf einem SmartPhone Bücher zu lesen. Die dedizierter Reader sind mir auch zu einseitig, so arbeite ich seit Jahren mit Tablets und bin’s zufrieden: Neben dem Lesen gibt es noch unzählige andere Aktivitäten darauf.
Und wieder wurde bestätigt: Totgesagte leben länger. Das trifft mit Sicherheit auch auf die eReader zu, auch in den USA.
Übrigens liegen in meinem Schreibtisch noch Disketten – man weiß ja nie…
Bernd

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Panurg 1. Februar 2013 um 09:24

Ich habe mir im Dezember einen eReader gekauft und lese seither täglich damit. Ich besitze eine große Bibliothek und hätte nie gedacht, dass ich das Lesen auf einem Reader dem Buch vorziehen würde.
Übrigens plane ich mir demnächst auch ein Tablet zuzulegen – dies werde ich allerdings für Zeitungen, Zeitschriften und andere Medien benutzen.
Ich glaube, dass ein Vielleser Tablet und eInk Reader benötigt. Stundenlang auf einem Screen ein Buch zu lesen, speziell bei schönem Wetter im Garten, ist mit einem Tablet einfach nicht möglich.
Daher werden beide bestehen.
Auch das Radio ist ja ausgestorben nachdem das Fernsehen kam. So zumindest die damaligen Vorhersagen…

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Cos 1. Februar 2013 um 11:37

Auch ich plädiere für beides. Ein Tablet ist fürs Zeitunglesen entschieden geeigneter. Ein kleines leichtes Kindle ist super zum Schmökern (auch, wenn die Sonne scheint), damit wäre die übliche Strandfrage geklärt.
Dass ältere Leser mit Inkreadern das „authentische“ Leseerlebnis wiederholen möchten, ist insofern nicht plausibel, als der Vorteil für Ältere ja in der Möglichkeit liegt, die Schrift zu vergrößern.

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Julia 4. Februar 2013 um 17:06

Jaja die ewige Leier wenn ein Medium ein anderes zu verdrängen droht:

– Trotz Fotografie gibt es heute immer noch Portraitmaler,
– Das Fernsehen konnte dem Theater nicht die Bühne nehmen,
– und nur weil es heute Autos gibt, sind die Pferde nicht gleich ausgestorben.

Jedes Medium hat seine eigene Funktion, Stärken und Schwächen. Manchmal verändern sich diese und bekommen neue Rollen und Aufgaben in unserer Gesellschaft. Aber aussterben werden diese Medien in der Regel eher selten :)

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