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E-Ink verklagt Trekstor, fordert Verkaufsstopp [Update]

trekstor-pyrus-8Die E-Ink-Corporation, Quasi-Monopolist bei E-Reader-Bildschirmen, hat den deutschen Distributor Trekstor verklagt. Der Vorwurf: In den hierzulande von verschiedenen Buchhandelsketten verkauften Trekstor-Modellen eBook Reader 4Ink (bei Weltbild eBook Reader 4) und Pyrus sind Panels verbaut, die Patente von E-Ink verletzen. Das Unternehmen fordert nun einen Verkaufsstopp für die Trekstor-Lesegeräte.

Chinesischer Auftragsfertiger soll Patente verletzt haben

E-Ink publizierte am Freitag eine Pressemitteilung auf seiner Website, nach der Klage beim zuständigen Landgericht Mannheim eingereicht wurde. Trekstor wird demnach vorgeworfen, dass die 6″-Panels seiner Lesegeräte 4Ink und Pyrus zwei Patente von E-Ink verletzen. Gefertigt wurden die Panels vom chinesischen Auftragshersteller OEDTech, der es mit der Lizensierung der E-Ink-Technologie offensichtlich nicht so genau nahm. E-Ink will nach eigenen Angaben nun eine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf der beiden betroffenen Lesegeräte erwirken, weiterhin wird Schadensersatz von Trekstor gefordert. Trekstor hat sich noch nicht öffentlich zum Vorfall geäußert.

Schlechte Nachrichten für Weltbild und Börsenverein

trekstor-pyrus-5Von der Klage ist nicht nur Trekstor betroffen. Auch für die namhaften deutschen Vertriebspartner von eBook Reader 4Ink und Pyrus kommt die Klage zur Unzeit, steht doch das lukrative Weihnachtsgeschäft unmittelbar vor der Tür. Insbesondere für Weltbild, die praktisch voll auf den eBook Reader 4 setzen, steht in Mannheim viel auf dem Spiel. Ein kurzfristiges Verkaufsverbot, wie es (ebenfalls infolge einer Patentklage) Apple im Sommer gegen ein Samsung-Tablet durchsetzte, wäre ein schwerer Schlag für die größte deutsche Buchhandelskette. Auch die MVB, die Wirtschaftstochter des Börsenvereins, hat den Trekstor-Reader als Liro Ink im Sortiment. Wird Trekstor wirklich der Pantentrechtsverletzung schuldig gesprochen und die MVB zur Auslistung des Liro Ink gezwungen, gäbe das der Geschichte eine ironische Note – gefällt sich der Börsenverein des deutschen Buchhandels doch sonst in seiner Rolle als oberster Hüter von (Urheber-)Recht und Ordnung in der Branche.

Teuer bezahlter Sonderweg?

Panels der E-Ink-Corporation kommen in praktisch allen derzeit relevanten Lesegeräten zum Einsatz: Sony, Amazon, Kobo und Pocketbook setzen in dieser Geräteklasse ausnahmslos auf Bildschirme des taiwanesischen Unternehmens. Spätestens seit der Übernahme vom Rivalen SiPix (verantworteten das Oyo-Display) hat E-Ink de facto eine marktbeherrschende Stellung. Im Volksmund wird “E-Ink” ohnehin synonom für “E-Book-Reader-Bildschirm” verwendet. Gleichzeitig sind Panels die mit Abstand kostspieligste Komponente elektronischer Lesegeräte. Mit großer Wahrscheinlichkeit kommen Trekstor die “Digital Ink” Panels von OEDTech deutlich günstiger als die Bildschirme der E-Ink-Corporation – ein Kostenvorteil, der das Unternehmen und seine Partner allerdings nun vielleicht noch teuer zu stehen kommt.

[Update 07.11. Inzwischen hat Trekstor zur Klage Stellung genommen. Die PR-Agentur des Unternehmens teilte uns mit, Trekstor sei “nach eingehender Überprüfung zu der Überzeugung gelangt, dass die angegriffenen Produkte keine Patente von E Ink verletzen”. Trekstor betont außerdem, dass keine einstweilige Verfügung beantragt wurde – statt dessen sei man mit einer “Hauptsacheklage” konfrontiert, zu der nicht vor Herbst 2013 mit einer ersten Entscheidung zu rechnen sei – inklusive Berufung gäbe es nicht vor 2015 ein rechtsverbindliches Urteil. Was Trekstor damit sagen will: Pyrus, 4Ink und eBook Player 4 sind weit davon entfernt, aus den deutschen Buchhandelsregalen geräumt zu werden.]

 

<via cme.at>

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Kommentare


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