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Kindle (2014) im Test

Gibt es noch Bedarf an einem unbeleuchteten eBook Reader? Ja, sagt Amazon – und verkauft seit November einen runderneuerten Einstiegs-Kindle zum Kampfpreis. Ob beziehungsweise für wen das Gerät eine erwägenswerte Alternative zu Leucht-Geräten ist, verrät unser Testbericht.

Optik und Haptik

kindle 4Der Kindle (2014) löst das 2011er-Modell des Kindle ab, das wie der neue Kindle zuletzt ebenfalls für 49 Euro verkauft wurde. Wichtigste Neuerung im Vergleich ist der berührungsempfindliche Bildschirm und infolge dessen der Wegfall sämtlicher Tasten auf der Vorderseite. Wie bei den "größeren" Kindle-Modellen Paperwhite und Voyage erfolgt jetzt auch hier die komplette Steuerung über den Touchscreen und über dieselbe Firmware.

Der Kindle (2014) steckt in einem griffigen, aber etwas klobig wirkenden mattschwarzen Gehäuse. Im Vergleich zum Kindle Paperwhite 2  ist er etwas dicker, aber mit 191 Gramm ganze 15 Gramm leichter. Die Rückseite ist an den Ecken leicht abgeschrägt, wie man es von Amazon-Tablets oder auch vom Kindle Voyage kennt. Anders als beim Voyage (und analog zum Paperwhite) befindet sich beim Kindle (2014) der An/Aus-Schalter allerdings an der Unterseite.

Zubehör

kindle huelleIn der unscheinbaren Verpackung liegt neben dem Kindle (2014) nur ein USB-Kabel zum Aufladen und zur Übertragung von eBooks in den 4 Gbyte großen Gerätespeicher. Ein Netzteil ist bei Bedarf separat zu erwerben, ebenso wie eine Hülle. Die sehr empfehlenswerte Amazon-Schutzhülle mit Sleep-Funktion kostet moderate 21 Euro, bei Dritthersteller-Ware kommt man naturgemäß noch günstiger weg.

Technik

Das 6-Zoll-E-Ink-Display des Kindle verfügt über einen neuen Touch-Layer, darunter ändert sich aber im Vergleich zum drei Jahre alten Vormodell nichts. Nach wie vor verbaut Amazon ein 800x600px auflösendes E-Ink-Panel der Pearl-Generation. Der interne Speicherplatz wurde von 2 auf 4 Gbyte verdoppelt, eine neue 1-GHz-CPU soll eine zügige Betriebsgeschwindigkeit gewährleisten.

Software

Werbung auf Sperrbildschirm

Werbung auf Sperrbildschirm

Man bekommt den Kindle (2014) nur dann für 49 Euro, wenn man sich von "Spezialangeboten" berieseln lassen mag. Dabei handelt es sich um Werbung für Kindle Books, die auf dem Sperrbildschirm und am unteren Rand des Hauptmenü zu finden sind. Innerhalb von eBooks gibt es keine Werbung. Ohne Spezialangebote sind 20 Euro Aufpreis zu bezahlen, was angesichts des niedrigen Verkaufspreises satten 40 Prozent entspricht.

Abgesehen von Werbung und Beleuchtungs-Optionen kommt die gleiche Firmware zum Einsatz wie bei Kindle Paperwhite und Kindle Voyage. Darum zitieren wir nachfolgend aus unserem Kindle Voyage Testbericht.

Man merkt der Firmware an, dass sich Amazon seit mindestens sechs Jahren intensiv mit elektronischen Lesegeräten, ihrer Oberfläche und nicht zuletzt auch mit ihrer Käuferschaft beschäftigt. Das Betriebssystem ist infolge einer kurzen Einführung absolut intuitiv benutzbar und lässt wenig funktionale Wünsche offen.

Mit acht Schriftgrößen und sieben Schriftarten setzt Amazon keine Maßstäbe, die Optionen sind aber völlig ausreichend. Gleiches gilt für die je drei zur Verfügung stehenden Anpassungsmöglichkeiten für Zeilenabstand und Seitenränder. Was fehlt: Optionen zur Anpassung von Textschärfe und -stärke (beides bei Kobo vorhanden), automatische Silbentrennung und vor allem eine anpassbare Textausrichtung.

Der Kindle (2014) unterstützt nativ die Textformate AZW3, AZW, TXT, PDF, MOBI und PRC, nicht jedoch epub-Dateien. Weil auch der Adobe-Kopierschutz nicht unterstützt wird, mit dem die meisten Verlage ihre außerhalb des Kindle-Kosmos verkauften eBooks versehen, sind Kindle-Nutzer beim eBook-Kauf weitgehend auf die Amazon-Plattform beschränkt (und beim Verleih auf Kindle Unlimited).

Wie jedes Jahr führt Amazon mit der neuen eBook-Reader-Generation ein paar neue Firmware-Funktionen ein. Im Vorjahr kamen unter anderem X-Ray und Pageflip hinzu, diesmal sind es die Family Library (Verleih von dafür freigeschalteten eBooks an Familienmitglieder), Word Wise (automatische Anzeige von Wort-Definitionen bei komplizierten – englischsprachigen – Texten), About the Book (Kontext-Informationen etwa zu Autor und Serien-Platz vor dem Loslesen) und eine erweiterte Suchfunktion.

Lesen

Kindle (2014) links, Kindle Paperwhite 2 rechts

Kindle (2014) links, Kindle Paperwhite 2 rechts

Bei der Qualität der unbeleuchteten Textanzeige muss sich der Kindle (2014) trotz auf dem Papier deutlich schlechterem Panel nicht hinter Kindle Paperwhite 2, Tolino Vision 2 & Co. verstecken. Der Hintergrund wirkt im Vergleich zum großen Bruder, dem Paperwhite 2, sogar einen Tick heller. Allerdings ist Text weniger schwarz und bei genauerem Hinsehen auch etwas unschärfer.

Mit dem Kindle (2014) kann man prima lesen – solange die Lichtverhältnisse in der Umgebung stimmen. Ist es dämmrig oder dunkel und hat man keine externen Leucht-Quellen zur Hand, wird das Digital-Lesen schnell zur Herausforderung. Dann offenbaren sich auch die im Vergleich zu bedrucktem Papier eben doch schlechteren Kontraste – sind im Zwielicht Print-Magazine durchaus noch lesbar, wird es für den Kindle (2014) im Wortsinne düster. Eine für Leucht-Reader-Nutzer ungewohnte und nicht gerade erstrebenswerte Erfahrung.

Keine Blöße gibt sich der Kindle (2014) bei der Blättergeschwindigkeit, der Seitenwechsel vollzieht sich in Sekundenbruchteilen. Geblättert wird mittels Tippen oder Wischen auf dem Bildschirm. Auch bei der Navigation und Anpassungen reagiert das Gerät zügig, die ausgereifte Firmware im Verbund mit dem flinken Prozessor leisten hier ganze Arbeit. Durch die tiefe Einlassung des Bildschirmes ins Gehäuse stößt man beim Wischen an eine recht spitze Kante am Panel-Rand, was als störend empfunden werden kann.

Schreiben, Arbeiten

Kindle (2014) ("Spezialangebot" ganz unten)

Kindle (2014) ("Spezialangebot" ganz unten)

Markiert man ein Wort oder eine Passage, poppt ein Kontextmenü mit einer ganzen Reihe Optionen auf. Neben den Klassikern “Notizen” und “Markierungen” (die automatisch mit anderen Kindle-Geräten synchronisiert werden, ebenso wie die zuletzt gelesene Textstelle) lässt sich Text übersetzen oder bei Wikipedia nachschlagen.

PDF-Dokumente werden zügig angezeigt, allerdings lässt die Funktionsvielfalt sehr zu wünschen übrig. Locked Zoom, PDF Reflow oder ein zuschneidbarer Rand – Optionen, die wir etwa bei Lesegeräten von Sony schon 2010 gesehen haben – gibt es nicht. Grundsätzlich können 6″-E-Ink-Geräte immer nur ein Notbehelf für die PDF-Anzeige sein, für nativ großformatige Dokumente sind LCD-Geräte deutlich besser geeignet.

eBooks kaufen, Cloud, Apps

Drei Millionen eBooks, darunter Hunderttausende exklusive Titel von Indie-Autoren und zahlreiche kostenlose eBooks – der Kindle Store ist zweifelsohne das Maß aller Dinge für den eBook-Kauf. Eine gute Option ist die Kindle-Plattform insbesondere auch für Leser englischsprachiger eBooks, wo Amazon ein großes Sortiment und gerade über englischsprachige Kindle Deals sehr gute Preise hat. Der Nutzungs-Komfort ist hoch, die Amazon-Philosophie “customer first” sieht man an vielen Ecken – so lassen sich nirgendwo sonst eBooks bei Nicht-Gefallen so einfach und unkompliziert zurückgeben.

Ganz weit vorne ist Amazon auch mit seinem App-Ökosystem. So gibt es ausgezeichnete Lese-Software für alle gängigen Desktop- und Mobile-Plattformen sowie eine Web-App fürs Lesen im Web-Browser. In die Cloud geladene oder direkt bei Amazon gekaufte eBooks synchronisieren sich über alle Plattformen, inklusive gemachten Anmerkungen und Notizen sowie der zuletzt gelesenen Seite. Besser geht es nicht.

YouTube

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Fazit

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Der Kindle (2014) lässt sich dank neuem Touchscreen und neuem Prozessor genauso flüssig bedienen wie die "größeren" Kindles. Auch Firmware und App-Ökosystem sind identisch zur Ausstattung der bis zu 5x teureren Modellbrüder (Kindle Voyage 3G: 249 Euro) und im Vergleich zur Konkurrenz Spitzenklasse, wenn man sich auf das bekanntlich recht geschlossene Amazon-Ökosystem einlassen mag.

Das Gehäuse ist kein Highlight des Produktdesigns, aber absolut zweckmäßig und alles andere als billig wirkend. Auch in der Kerndisziplin, der Textanzeige, gibt sich der Kindle (2014) keine Blöße und kann auch mit der deutlich teureren Konkurrenz mithalten, …

… solange die Lichtbedingungen in der Umgebung stimmen oder stimmig gemacht werden können. Im Dämmerlicht fühlt man sich ins Jahr 2009 zurückversetzt. Gegenüber damaligen Lesegeräten wie dem Sony Reader PRS-505 ist der Kindle-Kontrast zwar klar besser – ist es wirklich dunkel, nutzt das aber wenig.

Wer mittels Wischen blättert, stört sich womöglich an der tiefen Einlassung des Bildschirmes. Schließlich ist der Lock-In-Effekt beim Kauf von Kindle Books zu bedenken, die – legal – nur auf Amazon-Geräten und -Anwendungen geschmökert werden können. Umgekehrt hat man keinen Zugang zu kopiergeschützten epub-Dateien und damit auch nicht zur Onleihe.

=

award kindle 2014 finalNur zwei große Hersteller haben im Jahr 2014 neue, unbeleuchtete eBook Reader herausgebracht: Pocketbook (Aqua) – und Amazon. Der Online-Händler hat mit seinem vor zwei Jahren eingeführten ersten Kindle Paperwhite den Siegeszug der Leucht-Geräte selbst eingeleitet.

Seither haben die Digital-Leser mit ihrer Geldbörse abgestimmt. Wer trotz immer größer werdender Smartphones und funktionsreicherer Tablets heutzuge noch auf einem dedizierten Lesegerät schmökert, will offenbar keine Kompromisse beim Lesekomfort machen – und die Option, bei wenig Umgebungslicht die Beleuchtung einzuschalten, ist ein unglaubliches Komfort-Plus.

Für alle, die auf eine integrierte Beleuchtung verzichten können – etwa weil sie ihren eBook Reader ohnehin für den Badestrand oder sonstige gut ausgeleuchtete Orte einplanen -, hat Amazon mit dem neuen Kindle (2014) aber das perfekte Gerät in petto. Zu einem herausragenden Preis gibt es aktuelle Technik und ein überraschend kontrastreiches Display.

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