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Kobo Aura One im Test [+Video]

1872 x 1404 auf 7,8 in 6,9 bei 230 für 229: Hinter dieser Zahlenkette (Pixel, Zoll, Dicke in mm, Gewicht in g. Preis) verbirgt sich der Kobo Aura One. Die Spezifikationen stechen heraus – so ist der “One” bei der Anzahl der angezeigten Bildpunkte einsame Spitze, und als erster eBook Reader bietet er einen dedizierten Nachtmodus mit reduziertem Blaulicht. Aber stimmt auch das Gesamtpaket, zumal für ein 229-Euro-Preisschild? Unser Testbericht.

Optik & Haptik

Entnimmt man den Kobo Aura One seiner Verpackung, hat man eher das Gefühl, ein sehr leichtes Tablet in der Hand zu halten als ein dedizierter Lesegerät. Der Eindruck entsteht durch die große Bildschirmdiagonale (das Display ist ungefähr genauso groß wie das des iPad Mini) im Verbund mit der planen Oberfläche und dem sehr geringen Abstand zwischen Display und Geräterand, vor allem aber durch die geringe Dicke.

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Nur 6,9mm misst der Kobo Aura One an seiner dicksten Stelle, das ist haptisch klar spürbar weniger als etwa der Tolino Vision 3 (8,1mm), der Kobo Glo HD (9,2mm) oder das Quasi-Vormodell Kobo Aura H2O (9,7mm) messen. Selbst der Kindle Voyage ist mit 7,6mm deutlich voluminöser.

Kobo hat beim Aura One wohl auch aufgrund der Bauform viel Wert auf Griffigkeit gelegt und dem Gerät eine konturenreiche Rückseite verpasst. Trotzdem wirft der eBook Reader die Frage auf, ob es auch ein “zu dünn” gibt, denn in Kombination mit den großen Abmessungen und dem schmalen Rahmen liegt der Kobo Aura One alles andere als satt in der Hand. Vor allem einhändiges Lesen gerät zum Balance-Akt, will man mit dem Daumen nicht versehentlich auf den Touchscreen kommen und damit einen Blättervorgang auslösen.

Die Balance ist beim schmökern auch definitiv das größere Problem als das Gewicht: Mit 230 Gramm ist der Kobo Aura One für seine Größe nahezu sensationell leicht. Die genannten Konkurrenten liegen zwar merkliche 50 bis 60 Gramm darunter, das direkte Vormodell Kobo Aura H2O war trotz deutlich kleinerem Panel (6,8″) allerdings sogar noch 3 Gramm darüber. Und ein Kindle Paperwhite 3G bringt immerhin auch seine 215 Gramm auf die Waage.

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Das neue Kobo-Logo ist auf der Vorderseite klein unter dem Display und auf der Rückseite groß als vertikale Relief-Struktur platziert. Rückseitig sticht vor allem die türkise Power-Taste ins Auge. Die Farbwahl ist ein wenig überraschend, denn eigentlich hat Kobo die alte Firmen-Farbe türkis auf seiner Website weitgehend ausgemustert und ist zum dunkelrot des japanischen Kobo-Eigner Rakuten umgeschwenkt. Aber das nur am Rande.

Die Power-Taste ist die einzige haptische Taste desGerätes. Eine Home-Taste oder eine dedizierte Beleuchtungs-Taste – beides besitzen Tolino-Lesegeräte – hat der Kobo Aura One nicht. Auch gibt es nur einen Anschluss, nämlich für microUSB-Kabel. Einen Speicherkartenslot, beim Kobo Aura H2O noch vorhanden, suchen Lesefreunde beim “One” vergebens.

Zubehör

Das Kobo Glo HD steckt in einem bunten Karton, der wiederum in eine weiße Umverpackung eingeschoben ist. Neben dem Lesegerät finden Käufer noch zwei Schnellstart-Anleitungen sowie die Garantiebedingungen in der Verpackung. Die vollständige Anleitung ist im Gerätespeicher. Einziges Inklusiv-Zubehör ist ein sehr schlichtes USB-Kabel (anders als beim Kobo Aura H2O ohne Kobo-Branding), ein Netzteil zur Aufladung des Gerätes an Steckdose statt PC muss bei Bedarf separat erworben werden.

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Das ist Branchenstandard, angesichts des stolzen Verkaufspreises von 229 Euro wäre eine Hülle aber schon eine willkommene Beilage gewesen. So muss gerechnet werden: Greift man zum offiziellen Kobo-Sleepcover für den “One” für 50 Euro, stehen unter dem Strich 279 Euro. Damit beträgt die Preisdifferenz zum Kindle Oasis, dem eine Wildleder-Hülle bekanntlich beiliegt, nur 11 Euro.

Technik

Als erster eBook Reader verfügt der Kobo Aura One über ein 7,8-Zoll-E-Ink-Carta-Panel mit “Retina”-Auflösung (300ppi). Satte 1872×1404 Bildpunkte sind zu sehen, 70 Prozent mehr als bei Sechs-Zoll-Lesegeräten mit gleicher Pixeldichte (alle aktuellen beleuchteten Kindle– und Tolino-Modelle, Kobo Glo HD). Anders als bei Aura H2O und Glo HD verbaut Kobo im “One” einen kapazitiven anstatt einen Infrarot-Touchscreen.

Die Größe und Schärfe des Kobo-Aura-One-Panel beeindrucken, die größte Innovation steckt aber im Gehäuse-Rand. Dank zusätzlicher seitlicher LEDs lässt sich die Farbtemperatur des Kobo Aura One an die Tageszeit anpassen und in Richtung Abendstunden der Anteil des vitalisierenden Blaulichts reduzieren. Das gab es noch bei keinem Lesegerät. Blaulicht-Filter sind bei Tablets und Smartphones gerade ein großes Thema, sowohl Google Android als auch Apple als auch Amazon (Fire) bieten entsprechende Einstellungen. Eine Implementierung in eBook Reader, die ja häufig gerade in den letzten Stunden des Tages zum Einsatz kommen, liegt nahe, ist aber technisch durch die zusätzlich nötigen farbigen LEDs alles andere als profan. Kobo versucht sich hier als erster Anbieter an einer entsprechenden Funktion. Daneben ist ein Helligkeitssensor zur automatischen Anpassung der “weißen” Beleuchtung abhängig von der Umgebungshelligkeit an Bord.

Kindle Voyage (100% Beleuchtung) links, Kobo Aura One rechts

Kindle Voyage (100% Beleuchtung) links, Kobo Aura One rechts

Maßstäbe setzt Kobo auch beim internen Speicherplatz: Branchenüblich sind 4 Gbyte, beim “One” gibt es 8. Selbst die meisten Viel-Leser und Hamsterer werden es da verschmerzen können, dass der Speicherplatz nicht mehr mittels microSD-Karten erweitert werden kann. Der 1-GHz-Single-Core-Prozessor und die 512 Mbyte Arbeitsspeicher entsprechen dem aktuellen Standard der Geräteklasse.

Wie der Aura H2O ist auch der Kobo Aura One wasserdicht und staubgeschützt. Die IPX8-Zertifizierung besagt, dass der Kobo Aura One eine Stunde lang in 2 Meter Tiefe überlebt – oder anders gesagt, dass man das Gerät bedenkenlos mit in die Badewanne oder an den See nehmen kann. Angesichts des Preisschildes sicherlich beruhigend.

Der Kobo Aura One ist auch deshalb so dünn und leicht, weil bei der Akkukapazität etwas gespart wurde. Sie fällt sogar noch etwas geringer aus als bei gängigen Sechs-Zoll-Geräten, obwohl das größere Display nebst mehr LEDs einen größeren Verbrauch bedeuten. Folge: Kobo gibt die Laufzeit mit “bis zu einem Monat” an, die aller anderen aktuellen Kobo-Modelle mit “bis zu zwei Monaten”. Wer schon einen Sechs-Zoller sein Eigen nennt, kann zur Orientierung von dessen Akkulaufzeit also ungefähr 50 Prozent abziehen. Das ist alles andere als erfreulich, aber immer noch ein kleinerer “Trade-Off” als beim Kindle Oasis, dem ohne den in der externen Hülle verbauten Extra-Akku schon nach wenigen Seiten die Puste ausgeht.

Software, Arbeitsgeschwindigkeit

Beim Kobo Glo HD kommt die gleiche Firmware zum Einsatz wie bei allen anderen aktuellen Kobo-Lesegeräten. Darum zitieren wir im Folgenden in teilweise aus vorigen Testberichten.

Beim ersten Gerätestart werden Nutzer mit der freundlichen Aufforderung zur Registrierung oder zum Einloggen begrüßt – ohne Kobo-Account ist der Kobo Aura One nicht nutzbar. Im Hintergrund sychronisiert Kobo später fleissig Notizen und Anmerkungen, aber auch das persönliche Leseverhalten. Der Preis von vernetztem Lesen.

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Die Firmware mit ihrer schicken wie funktionalen Kachel-Optik kennt man von vorigen Kobo-Lesegeräten. Mittels Pocket auf anderen Geräten gespeicherte Inhalte lassen sich mit einem Tab auf den Aura One synchronisieren. Größere eBook-Bibliotheken können in “Sammlungen” organisiert werden, außerdem stehen diverse Sortierungsmöglichkeiten zur Auswahl.

Die starke Hardware und das nach vielen Entwicklungsjahren ausgereifte Betriebssystem machen sich in Form einer exzellenten Arbeitsgeschwindigkeit bemerkbar. Hänger oder Ladezeiten gibt es kaum, wozu auch der kapazitive Touchscreen beiträgt, der schnell auf Eingaben reagiert. Das System ist außerdem extrem stabil: Im Alltagsgebrauch haben wir bei Kobo-Geräten seit Monaten keinen Absturz erlebt, ebensowenig in der bisherigen Testzeit des Kobo Aura One.

Lesen

Bei der Textanzeige stehen 11 Schriftarten und mehr als 50 Schriftgrößen zur Auswahl, da sollte für jeden etwas dabei sein. Bei besonders kleiner Schrift wird die Anzeige sogar zweispaltig – das haben wir noch nie gesehen. Ansonsten lassen sich wie beim Vormodell weitere Schriftarten nachinstallieren. Weiterhin können Randgröße und Zeilenabstand reguliert werden, außergewöhnlich ist die Einstellung der Schriftstärke in zahlreichen Abstufungen (siehe Video). Was nach wie vor fehlt und einige Lesefreunde sicherlich schmerzlich vermissen, ist die Option zur Textanzeige im Querformat.

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Mangels haptischer Blättertasten wird ausschließlich über den Touchscreen geblättert, was im Test sehr zuverlässig funktionierte. Die Griffigkeit ist allerdings wie gesagt klar schlechter als bei Sechs-Zoll-Geräten, das Gerät wirkt einfach nicht gut ausbalanciert. Beim Umfassen will man den Daumen fast schon mittig auf der Vorderseite ablegen, was natürlich zu einer Interaktion mit dem Touchscreen führen würde. Versucht man den Daumen auf dem sehr schmalen Rand abzulegen, ist der Finger unangenehm gekrümmt. Diese Eindrücke sind natürlich rein subjektiv, allerdings scheint sich etwa Amazon beim Voyage (Blätter-Sensoren, dank denen der Daumen dauerhaft an einer Stelle ruhen kann) und dem Oasis (asymmetrische Bauform mit breitem Griff) mehr Gedanken zur Ergonomie gemacht zu haben.

Die Touch-Zonen können angepasst werden, default wird auf dem rechten Drittel vor- und auf dem linken zurückgeblättert. Die Blättergeschwindigkeit ist auf Augenhöhe mit dem Kindle Paperwhite 3. Eine Schnell-Vorblättern-Funktion a là Kindle und Tolino gibt es innerhalb der Kobo-Firmware nicht.

Schreiben, Arbeiten, PDF

Text kann markiert und mit Notizen versehen werden, die dann geräteübergreifend synchronisiert werden. Wörterbücher gibt es rund 20 an der Zahl, sie sind bei Bedarf nachzuinstallieren.

Mit seinem scharfen 7,8″-Zoll-Display würde sich der Kobo Aura One eigentlich zur Anzeige von nativ großformatigen PDF-Dateien prädestinieren, weil weniger gezoomt werden muss. Würde, wenn die Zahl der Optionen etwas weniger mager wäre. Grundfunktionen wie Cropping oder einrastende Zoom-Stufen, bei Lesegeräten von Sony schon vor 5 Jahren (!) Standard, gibt es nicht. Pinch-to-Zoom funktioniert, allerdings quälend langsam und/oder ruckelig (Video).

Für die regelmäßige Lektüre von PDF-Dateien ist der Kobo Aura One also nicht geeignet. Das trifft auch auf alle anderen dedizierten Lesegeräte zu, ist hier aber ganz klar eine verpasste Chance. Schade.

Display, Beleuchtung

Die letzten Kobo-Lesegeräte begeisterten mit ausgezeichneten Kontrasten und einer sehr ausgewogenen Ausleuchtung, mit zunehmender Display-Größe wird aber gerade der zweite Punkt für Hersteller nicht leichter. Mit dem “One” hat Kobo hier angesichts dessen einen ausgezeichneten Job gemacht. Das Schriftbild ist knackig, die Beleuchtung sehr gleichmäßig.

Von links: Kindle Voyage, Kobo Glo HD, Kobo Aura One (alle 0% Beleuchtung)

Von links: Kindle Voyage, Kobo Glo HD, Kobo Aura One (alle 0% Beleuchtung)

Bei ausgeschalteter Beleuchtung ist der Hintergrund ein kleines bisschen dunkler als beim Schwestermodell Kobo Glo HD, was möglicherweise dem zusätzlichen Layer durch die neue Touchscreen-Technik geschuldet ist. Die Differenz ist allerdings zu vernachlässigen, zumal eine komplett deaktivierte Beleuchtung eher praxisfern ist. Mit aktivierter Beleuchtung kann der Kobo Aura One ein ausgesprochen kontrastreiches Schriftbild vorweisen. Die Beleuchtung ist sehr neutral und ausgewogen und braucht sich auch hinter dem Branchen-Primus Kindle Voyage nicht zu verstecken, was angesichts der Bildschirmgröße umso bemerkenswerter ist. Und dass eine gute Beleuchtung auch bei einem hohen Verkaufspreis keine Selbstverständlichkeit ist, demonstrierte ja unlängst unfreiwillig der Kindle Oasis.

Von links: Kindle Voyage, Kobo Glo HD, Kobo Aura One (alle 0% Beleuchtung)

Von links: Kindle Voyage, Kobo Glo HD, Kobo Aura One (alle 100% Beleuchtung)

Kleine Einschränkung dazu: Im Hinterkopf ist zu behalten, dass unser Testbericht – wie alle anderen derzeit publizierten auch – mit einem von einer PR-Agentur bereitgestellten und mit Sicherheit sorgsam geprüften Testmuster durchgeführt wurde. Auch “unser” Kindle Oasis war technisch einwandfrei. Erst wenn der Kobo Aura One Anfang September in den Handel kommt, lässt sich abschätzen, wie groß die Qualitätsunterschiede innerhalb der Serienproduktion sind.

Der Helligkeitssensor funktioniert einwandfrei, er regelt die Beleuchtung in sehr hellen Umgebungen hoch und im abgedunkelten Schlafzimmer herunter. Das “ComfortLight Pro” regelt zur vom Nutzer angegebenen Schlafenszeit den Blau-Anteil der Beleuchtung sukzessive herunter und den Rot-Anteil hoch, bis das Licht in Richtung Kerzenschein geht. Auf Wunsch lässt sich die Regulierung auch manuell vornehmen. Ob man mit reduziertem Blaulicht tatsächlich besser schläft, ist diskutabel. Viele Leser schwören allerdings schon seit Jahren auf entsprechende Filter-Apps. Schon weil eine Blaulicht-Verminderung angesichts typischer Nutzungs-Szenarien von Lesegeräten so nahe liegt, wird der Kobo Aura One mit Sicherheit nicht der letzte eBook Reader mit einer solchen Funktion sein.

eBooks kaufen, Cloud, Apps

Integriert ist der eBook Store von Kobo, wo viele Millionen eBooks zum Download bereitstehen. Im englischsprachigen Bereich ist Kobo seit jeher exzellent sortiert und preislich durchaus konkurrenzfähig zu Amazon, bei deutschen eBooks klaffen immer noch einige Lücken im Sortiment. Zwar hat Kobo in den letzten zwei Jahren deutlich aufgeholt. Gegenüber Amazon.de mit seinen zahlreichen Exklusiv-Titeln, aber auch gegenüber den Tolino-Alliierten mit ihren verknüpften Stores plus der Indie-Sparte Tolino Media ist Kobo allerdings noch im Hintertreffen. Hier wird an vielen Stellen deutlich, dass Kobo dezentral organisiert ist und hierzulande nur über eine Handvoll Mitarbeiter verfügt, deren Handlungsspielraum entsprechend beschränkt ist.

Praxisnahe Beleuchtung fürs Schlafzimmer

Praxisnahe Beleuchtung fürs Schlafzimmer: Kindle Voyage links, Kobo Aura One rechts

Kobo leistet sich außerdem den Luxus eines eigenen epub-Standards (“kepub”). Dabei handelt es sich de facto um epub-Dateien mit einigen zusätzlichen Codeschnipseln. Sie können zwar auch auf Tolino & Co. gelesen werden, allerdings bleiben einige Formatierungen auf der Strecke.

Bei Kobo gekaufte eBooks landen automatisch in der Kobo Cloud und werden darüber geräteübergreifend synchronisiert. Anders als die Clouds von Tolino und Amazon lassen sich bei Kobo keine eigenen Dateien hinzufügen – schade. Fürs geräteübergreifende Lesen stellt das Unternehmen Apps für alle gängigen Plattformen zur Verfügung, hinter Amazon ist Kobo seit jeher quantitativ wie qualitativ die klare Nummer 2. Die Entwicklung eigener Tablets wurde vor zwei Jahren zugunsten der Konzentration aufs App-Ökosystem aufgegeben.

Eine extrem spannende Neuerung, die mit dem Kobo Aura One in die Firmware eingeführt wurde, ist die Overdrive-Verknüpfung. Wer einen Account beim zum Kobo-Mutterkonzern Rakuten gehörigen weltgrößten Bibliotheks-Dienstleister für den digitalen Buchverleih hat, kann die eBooks seiner lokalen Bücherei über die Kobo-Suche finden – und direkt entleihen! Das klappt prinzipiell auch in Deutschland, allerdings ist Overdrive hierzulande gerade erst gestartet und hat einen gegenüber dem Platzhirsch Onleihe verschwindend geringen Marktanteil.

Fazit

kobo aura one 8+

Bei der Kernkomponente eines dedizierten Lesegerätes, dem Display, hat Kobo alles richtig gemacht. Die Qualität der Textanzeige ist hervorragend, was angesichts der großen Bildschirmdiagonale umso bemerkenswerter ist. Nicht nur Menschen mit verringerter Sehkraft werden die große Anzeigefläche zu schätzen wissen, dank der spürbar seltener umgeblättert werden muss. Die Beleuchtung ist ausgewogen und die veränderliche Farbtemperatur mindestens ein “nice to have” für die Abendstunden. Vielleicht auch mehr, das muss jeder Leser für sich ausprobieren.

Auch abseits des Panel merkt man Kobo die jahrelange Erfahrung in der Produktion von (sehr guten) dedizierten Lesegeräten an. Die Firmware ist sehr funktionsreich und solide, und auch Kauf, Übertragung und Synchronisation von eBooks funktionieren ngenehm intuitiv und geräuschlos. Der interne Speicherplatz ist großzügig dimensioniert, die Wasserdichtheit eröffnet zusätzliche Nutzungs-Optionen.

Trotz des großen Bildschirmes macht sich der Kobo Aura One nicht übermäßig in der Akten- oder Handtasche bemerkbar und auch außerhalb einen guten Eindruck. Das Gerät ist gerade von vorne betrachtet wirklich schick, bemerkenswert dünn und ausgesprochen leicht, …

…was allerdings mit einer deutlich reduzierten Akkulaufzeit “erkauft” wurde. Vor allem bei einhändiger Haltung ist der Kobo Aura One alles andere als griffig, das dünne Gehäuse und der schmale Rahmen gehen klar auf Kosten der Handhabung.

Die mäßigen Qualitäten bei der PDF-Anzeige sind typisch für die Geräteklasse, beim Kobo Aura One mit seinem großen Display aber besonders schade. Zumal Sony (und in Teilen auch Pocketbook) schon vor vielen Jahren und mit wesentlich weniger leistungsstarker Hardware demonstrierten, wie es besser geht.

Das Sortiment des deutschen Kobo Store ist fast auf Augenhöhe mit dem der Tolino-Alliierten, aber eben nur “fast”: Kobo-Käufer sollten sich grundsätzlich auf “Fremdgänge” einstellen. Gegenüber der direkten Konkurrenz von Amazon und Tolino vermissten wir außerdem Cloud-Speicherplatz für eigene Inhalte, gerade bei Amazon ist der Upload per E-Mail-Anhang ein echtes Komfort-Plus.

=

award kobo aura oneMit 229 Euro ist der Kobo Aura One 50 Euro teurer als das Vormodell Kobo Aura H2O, 70 Euro teurer als der Tolino Vision 3 HD und ganze 100 Euro teurer als der Kindle Paperwhite 3. Die Kindle- und Tolino-Lesegeräte gibt es häufig außerdem mit kräftigen Rabatten, diese sind bei Kobo nicht zu erwarten. Kann der Kobo Aura One dieses Premium-Preisschild rechtfertigen? Anders als beim Kindle Oasis gibt es zumindest nicht nur eine innovative Bauform, sondern handfeste teilweise exklusive Premium-Funktionen (Blaulicht-Filter, scharfes XL-Display, Wasserdichtheit) fürs Geld.

Bei der Beurteilung des Kobo Aura One stellen sich zwei grundsätzliche Fragen. Erstens die, was heutzutage ein “angemessener” Preis für einen eBook Reader ist. Und zweitens die, was die perfekte Größe für ein dediziertes Lesegerät ist, das sich “nur” zur Anzeige von Fließtext eignet.

Letztlich hat es einen Grund, warum der Löwenanteil der aktuellen Geräte Sechs-Zoll-Panels hat und 100 bis 150 Euro kostet. Der 15cm Bildschirm-Durchmesser wird vom Großteil der Leser als bester Kompromiss zwischen Portabilität und Bildschirmfläche erachtet, und für ein monofunktionales Nur-Lesegerät ist die Zahlungsbereitschaft grundsätzlich nun einmal wie sie ist. Für die anvisierte “Minderheit (großes Budget, großer Bildschirmplatz-Bedarf) der Minderheit (E-Ink-Leser ansich)” hat Kobo aber zweifelsohne nun aber das mit großem Abstand beste Lesegerät im Programm, vergleichbar große Modelle etwa von Pocketbook und Illumina kommen nicht einmal ansatzweise an die Anzeige-Qualität heran. Umso bedauerlicher, dass bei der PDF-Anzeige und insbesondere bei der Handhabung Potenzial verschenkt wurde.

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