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Neuer Kindle DX: Gut, aber nicht für jeden

kindle-dx-neu-2Vier Tage nach dem Verkaufsstart der dritten Amazon Kindle DX Generation häufen sich die Erfahrungsberichte von Presse und Käufern der ersten Stunde. Das Feedback ist praktisch durchweg positiv, insbesondere der deutlich verbesserte E-Ink Bildschirm bekommt viel Lob – trotzdem bewegt sich der Riesen-Kindle mit dem Refresh ein Stück weiter in Richtung Nische.

dx2-dx1-meadorIm Vergleich zum alten weißen Kindle DX lässt Amazon im graphiten Modell neue E-Ink Panels verbauen, was in sichtbar besseren Kontrasten resultiert (rechts ein Vergleichsfoto). Der Hintergrund ist zwar nach wie vor eher grau statt weiß, die Schwarzwerte von Schrift und Grafiken aber wesentlich satter. Das gilt auch bei der Gegenüberstellung zwischen dem neuen Kindle DX und anderen E-Ink Devices – bei Mobile Tech Reviews wird der Zehn-Zoller neben einem Nook von Barnes & Noble abgelichtet, auch hier ist der Entwicklungsfortschritt offensichtlich.

Infolge seines Formfaktors und Bepreisung (379 US-Dollar / für Deutsche rd. 370 Euro inklusive Versand und Steuer) muss sich der Amazon Kindle DX allerdings weniger mit dedizierten Lesegeräten messen lassen als mit Multimedia-Tablets wie dem iPad. Fox-Journalist Clayton Morris wagt in seiner Video-Review den Vergleich, stellt recht anschaulich Vorzüge (auch bei Sonnenlicht lesbares augenfreundliches Display, Langlebigkeit) und Nachteile (Monofunktionalität) gegenüber. Unterm Strich würde Morris – Kontraste und Bewegungssensor hin oder her –  angesichts von 190 US-Dollar Differenz eher zum Kindle 2 als zum Kindle DX greifen, den er gegenüber dem iPad allenfalls für ein Nischenpublikum als interessant erachtet.

black-kindle-dxEinen schon fast traditionellen Nachteil seines Kindle DX hat Amazon auch mit dem neuen Modell nicht ausgeräumt: Ausgerechnet bei Periodika und anderen großformatigen Inhalten, für deren Lektüre das Lesegerät eigentlich konzipiert ist, offenbaren sich die Schwächen des Bedienkonzepts über QWERTY-Tastatur und Funktionstasten. In ihrem 11-minüten Videotestbericht (unten eingebettet) haben sich die Kollegen auch am E-Paper der New York Times versucht – die nicht-lineare Navigation über den Joystick macht nur bedingt Spaß, ein berührungsempfindlicher Bildschirm wäre zweifellos die bessere Alternative. Gleiches gilt für Websites (die Internet-Nutzung ist nach wie vor komplett kostenlos); bei Wikipedia zur Auswahl eines Links den Joystick ein Dutzend mal nach unten zu drücken ist ermüdend – vor allem für alle, die schon einmal einen Device mit kapazitivem Touchscreen (moderne Smartphones, iPad) in der Hand gehalten haben.

Unterm Strich bleibt der Kindle DX damit auch in seiner Neuauflage ein Nischenprodukt für „Serious Reader“, die mit dem Zehn-Zoller immerhin bestens bedient werden: Dank jüngst nachgerüstetem pdf-Zoom eignet sich das 535 Gramm schwere Lesegerät mehr denn je für die häufige Lektüre etwa von wissenschaftlicher Literatur oder geschäftlichen Dokumenten mit Grafiken und Tabellen.

Als Substitut für die gedruckte Tageszeitung oder Zeitschrift dagegen kommt der Kindle DX schon aufgrund seines Graustufendisplays und bescheidenen Reaktionszeiten nur bedingt in Frage – in den USA sogar noch eher als hierzulande, wo im Kindle Store nach wie vor nur wenige zudem noch überteuerte deutschsprachige Periodika abonnierbar sind. Dass E-Paper in Deutschland aus lizenzrechtlichen Gründen generell unbebildert ausgeliefert werden, macht die Subskription dabei nicht gerade erstrebenswerter.

<via Teleread>

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Kommentare


Mitch 12. Juli 2010 um 20:09

IPad = Gerät mit dem man auch lesen kann, dass aber keinen besonders tollen Lesekomfort bietet (weil LCD)
E-Ink Device = Gerät, mit dem man längere Text bequem lesen kann. Punkt.

Ich versteh’s echt nicht: Es gibt doch so unendlich viele Menschen, die einfach nur Bücher oder Text-lastige Artikel lesen wollen und ihre Emails, wenn überhaupt, im Büro oder auf dem Notebook abholen. Für die ist E-Ink doch perfekt. Wo kommt jetzt die „Nische“ her?

Für mich sind das zwei völlig unterschiedliche Geräteklassen. Und für jemanden, der wirklich viel Texte liest, ist E-Ink perfekt. Deswegen braucht’s auch keinen Touch-Screen. Eigentlich m.E. auch kein WiFi oder 3G Gedöns.

Leider bauen die E-Ink Gerätehersteller immer noch die falschen Geräte. So ein E-Ink Gerät lohnt sich in der Anschaffung erst, wenn es für die Ewigkeit gebaut ist. Also, wenn es
– austauschbare Batterien
– ein offenes Betriebssystem (sodass es auch noch Weiterentwicklungen gibt, nachdem der Hersteller den Service eingestellt hat)
– offene, Zukunftssichere Formate
– modulare Erweiterungsmöglichkeiten (z.B. PC-Card o.ä.)
aufweist.

Ist eigentlich das Display vom Kontrast her mit dem im IRex DR-800 vergleichbar?

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mygadgetblog.de 20. Juli 2010 um 15:27

Zu Zeitungen und Zeitschriften: wenn man nicht gerade auf bunte Bilder angewiesen ist, wie sie vor allem auch in Tageszeitungen nicht wirklich viel vorhanden sind, dann eignet sich der DX sehr wohl gut zum Lesen. Interessanterweise finde ich die sw Bilder manchmal ausdruckstärker, als die bunte Variante – merke ich immer wenn ich den SPIEGEL als PDF lese.

In dem Video wird gar nicht auf die Navigation in Zeitungen eingegangen, diese ist nämlich ausgesprochen pfiffig, wenn man es erst einmal weiß.

Man kann die Zeitung linear Seite für Seite und Artikel für Artikel durchgehen, oder aber sich für das jeweilige Ressort die Artikel mit kurzem Teaser Text und Link anzeigen lassen und dann entsprechend gezielt anspringen. Das Weiterspringen aus einem Artikel heraus zum nächsten oder zurück ins Inhaltsverzeichnis ist mit jeweils 1-2 Klicks erledigt.

Auch beim Preis muss ich widersprechen, teuer sind die Zeitungen meist nicht, nur gibt es für Dtl zu wenige. Die FAZ kostet um die 25 U$ im Monat inklusive täglicher kostenloser Lieferung weltweit in 100 Ländern. Oder man kauft die Einzelausgaben für ab ca. 75 Cent. Teuer ist was anderes finde ich.

Außerdem gibt es auch hier Alternativen, zum Beispiel kann man sich die taz für 10€ im Monat nun auch im mobi-Format täglich frisch herunterladen – auch das wenn man es braucht – unterwegs mit dem eingebauten Browser weltweit kostenlos.

Das sollen andere eReader erstmal nachmachen.

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Amazon Kindle 3, Kindle Wi-Fi angekündigt » Topnews » lesen.net 29. Juli 2010 um 21:14

[…] Kontraste und 20% schnellere Blätterzeiten (wobei hier schon das Vormodell Spitzenwerte auswies). Erste Erfahrungsberichte vom Kindle DX belegen bereits, dass auf den neuen Panels tatsächlich besser und komfortabler […]

Antworten

Herbert Krieglstein 27. Februar 2011 um 14:43

Kann ich damit auch in Deutschland problemlos und kostenlos ins Internet?
Meine Erfahrungen in USA sind sehr gut. Allerdings sind Akkus nach ca. 4-5 Tagen fast leer und müssen nachgeladen werden.

Antworten

Amazon: Die fünf größten Kindle-Flops » lesen.net 21. März 2014 um 12:56

[…] Juli 2010 schob Amazon noch eine Kindle-DX-Generation (in grau statt weiß und mit Pearl-E-Ink-Display) nach, seitdem ist es still um diese […]

Antworten

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