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Neuerlicher Abgesang auf eBook Reader

Nach drei Jahren nimmt Waterstones, die größte Buchhandelskette in Großbritannien, den Kindle aus ihrem Programm – mit einer markigen Begründung. Im Verbund mit Analysten-Meinungen und -Prognosen erscheinen eBook Reader damit im Herbst 2015 mal wieder als aussterbende Gerätegattung. Die Zahl der eBook-Verkäufe wächst hingegen weiter zweistellig.

Waterstones beschwerte sich schon Anfang dieses Jahres über miese Kindle-Verkaufszahlen im vergangenen Weihnachtsgeschäft. „Wer einen Kindle wollte, hat inzwischen einen. Wir hatten eine große Anzahl Geräte im Vorjahr verkauft, was offenbar folgen für diese Saison hatte“, erklärte Konzernchef James Daunt damals.

Nun hat sich die britische Buchhandelskette ganz vom Kindle verabschiedet. James Daunt begründete das im Gespräch mit dem Fachmagazin The Bookseller mit „durchgehend jämmerlichen Verkaufszahlen“. Ein Amazon-Sprecher reagierte mit einem Verweis darauf, Kindle-Geräte verkauften sich in Großbritannien besser denn je und seien weiterhin in mehr als 2.500 Geschäften auf der Insel verfügbar.

Gleichwohl befragte The Bookseller auch einen Analysten von Ender Consulting nach seiner Einschätzung des E-Reading-Marktes. Er erklärte, die miesen Verkaufszahlen bei Waterstones wie auch bei Konkurrent Blackwell’s seien keine Überraschung. Und: „eBook Reader könnten sich als eine der am kürzesten überlebenden eBook-Reader-Gattungen herausstellen“.

E-Reader-Verkäufe 2012-2015

E-Reader-Verkäufe 2012-2015

In der vergangenen Woche legte auch der deutsche IT-Branchenverband Bitkom eine neue Einschätzung vor. Demnach würden in diesem Jahr in Deutschland 25,6 Millionen Smartphones (!) und 7,7 Millionen Tablets, aber nur 570.000 eBook Reader über physische und virtuelle Ladentheken gehen. Zum Vergleich: 2013 sollen es 1,09 Millionen gewesen sein, also fast doppelt so viel. eBook Reader seien hinter Notebooks und Smartphones außerdem nur die drittbeliebtesten Geräte zum Lesen.

+13 Prozent eBook-Umsatz, Flatrates boomen

Der Anteil von eBooks am gesamten Buchmarkt wächst hingegen weiter. Am gestrigen Freitag legte die GfK ihre neuen Panel-Zahlen vor, nach denen im ersten Halbjahr 2,9 Millionen Deutsche ab 10 Jahren eBooks kauften und dafür 95 Millionen Euro ausgaben. Das entspricht einem Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (nur Publikumsmarkt, keine Fachbücher). Laut GfK soll übrigens jeder 2. Digital-Leser inzwischen eine eBook-Flatrate nutzen – primär die Onleihe, vielfach aber auch kommerzielle Anbieter wie Kindle Unlimited oder Skoobe.

eBook Reader sind erwachsen

Dass die großen Absatz-Zuwächse bei dedizierten Lesegeräten inzwischen selbst in Deutschland, das den USA und Großbritannien lange zwei bis drei Jahre hinterherhinkte, der Vergangenheit angehören, ist natürlich. Die Gerätekategegorie ist weitgehend „ausentwickelt“ oder doch zumindest auf einem Plateau. Wer etwa einen vor ziemlich genau zwei Jahre erschienenen Kindle Paperwhite 2 sein Eigen nennt, findet auch in diesem Herbst kaum etwas entscheidend Besseres. Und eBook Reader haben qua Definition nun einmal eine überschaubarere Zielgruppe als etwa mobile Telefone. Wer nicht oder nur sporadisch liest, braucht kein Lesegeräte.

Auch Tablets und Smartphones, die in den letzten Jahren im Wesentlich nur noch größer wurden, sorgen kaum noch für Umsatz-Impulse. Laut Bitkom brachen die Tablet-Verkaufszahlen im vergangenen Jahr um fast 10 Prozent ein, in diesem Jahr soll es dort wie bei Smartphones nur ein Mini-Plus von knapp 5 Prozent geben. Trotzdem werden sie weiter entwickelt und produziert. Ebenso wie eBook Reader: Solange Kindle & Co. augenfreundlicher, leichter, günstiger und ausdauernder (und noch einiges mehr) sind als funktionsreichere Geräte, werden sie weiterhin gekauft und entsprechend auch nicht aus den Regalen von Elektronikmärkten und Buchhandlungen verschwinden.

<Bildnachweis: eBook Reader von Shutterstock>

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Kommentare


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