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Nintendo ist „offen für Verlage“

dsi-xl-rotSeit Anfang März verkauft Nintendo seine neue Taschenkonsole DSi XL auf dem deutschen Markt – offenbar mit einigem Erfolg, betrachtet man etwa die Amazon.de Bestsellerliste. Mit im Vergleich zum Schwestermodell 93% größeren Displays und zahlreichen darauf abgestimmten Anwendungen richtet sich der DSi XL vornehmlich an eine ältere Zielgruppe – auch Lesefreunde sollen auf ihre Kosten kommen, versprach eine Nintendo-Sprecherin im Gespräch mit lesen.net.

nintendo-didactaVergangene Woche rührte der japanische Unterhaltungselektroniker auf gleich zwei Fachveranstaltungen – der Bildungsmesse Didacta und der Leipziger Buchmesse – die Werbetrommel für seinen Minicomputer. Zur Buchmesse  offiziell gelauncht wurde die  „Bibliothek der klassischen Bücher„, in der Nintendo gemeinsam mit dem dtv 100 gemeinfreie Literaturklassiker konsolengerecht aufbereitete und kategorisierte. Als der dtv mit der Idee für ein solches gemeinsames Projekt an den Hersteller herantrat, sei man sofort dabei gewesen, so Nintendo Deutschland Pressechefin Silja Gülicher gegenüber lesen.net – ausschlaggebend dafür war wohl nicht zuletzt der anhaltende Verkaufserfolg der autonom realisierten Kollektion „200 klassische Bücher“ von rondomedia.

Aktuell spricht Nintendo mit einer Reihe weiterer Verlagshäuser über die Bereitstellung von Inhalten, darunter die Bildungsspezialisten Langenscheidt und Cornelsen (beide schon mit DS-Erfahrung). Das bestehende Lernangebot soll zunächst nach oben abgerundet werden: „Wer zum Beispiel schon Inhalte für Fünft-bis Siebtklässler bei uns hat, kann nun auch sein Programm für ältere Schüler auf den DS bringen“, erklärt Gülicher.

langenscheidt-vokabelnDarüber hinaus seien medial aufbereitete Ratgeber und Fachbücher besonders interessant für den DSi XL – man ist hier „offen für Verlage“.  Die Titel sollen dabei nicht nur konventionell über Datenträger, sondern auch (und im besonderen Maße) über den integrierten Content-Store DSiWare verkauft werden. In Japan schon reich befüllt und viel genutzt, fristet der via WLAN zugängliche DSiWare hierzulande noch ein Nischendasein – gerade für (eher günstige und wenig speicherintensive) buchverwandte Inhalte bietet sich diese Distributionsform natürlich an.

Auch die Harware soll in Buchnähe rücken. Filialist Thalia testet gerade in ausgewählten Buchhandlungen den Verkauf der DSi-Familie im Umfeld von gedruckten Texten. Ist das Pilotprojekt ein Erfolg, finden sich Nintendo DSi XL & Co vielleicht schon bald bundesweit Seite an Seite mit den dedizierten Lesegeräten von Sony.

Trotz diesen ersten Gehversuchen im Literaturbetrieb: Nintendo ist und bleibt ein Hersteller von Spielekonsolen, stellte die Pressechefin gegenüber lesen.net noch einmal klar. Das Thema Lesen gewinne mit dem DSi XL zwar deutlich an Bedeutung, sei aber weiterhin nur eine periphere Funktionalität. Im Zentrum steht weiterhin bespaßendes Entertainment – entsprechend habe man im Bereich originärer Belletristik wenig Ambitionen. Für 2010 plane man derzeit keine weiteren Projekte wie die Klassikersammlung, so Gülicher.

Für Liebhaber „konventioneller“ (digitaler) Literatur bleiben dedizierte eBook Reader also weiterhin erste Wahl. Bei wem allgemein die Unterhaltung im Vordergrund steht und wer trotzdem nicht auf die eine oder andere Lesesession (bei wohlgemerkt überschaubarem Angebot) verzichten möchte, sollte die Konsole aber auf jeden Fall in die engere Wahl ziehen. Mit 315 Gramm Gewicht fällt der DSi XL zwar 100 Gramm schwerer und ein ganzes Stück massiger aus als der Nintendo DS Lite, lässt sich dafür aber auch nicht nur von Kinderhänden komfortabel bedienen und ist das deutlich bessere Lesegerät.

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