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Pocketbook 360° im Video-Test

Nur 150g Gewicht (ohne Deckel) bei 5″ Bildschirmdiagonale: Das Pocketbook 360° macht seinem Namen hinsichtlich der Maße alle Ehre. Das kompakte Lesegerät soll nach dem Willen des ukrainischen Herstellers von Herbst an ständiger Begleiter in möglichst vielen Jacken- und Hosentaschen sein. Wir haben den Fünf-Zoller in den vergangenen Tagen intensiv unter die Lupe genommen.

Optik, Zubehör

coverDas  “Aha-Erlebnis” beim Blick auf das Pocketbook 360° fällt eher verhalten aus. Das Gerät kommt in einem billig wirkenden Plastikgehäuse daher, die Verzierungen auf dem Deckel sind Geschmackssache. Der Deckel (kann auch auf der Rückseite angesteckt werden) soll das E-Ink Display des Pocketbook 360° vor Schmutz und Stößen schützen – beim deckellosen Cybook Opus wurde die Notwendigkeit eines solchen Accessoires bereits offensichtlich.

Darüber hinaus finden sich in der (komplett russisch beschrifteten) Verpackung ein MiniUSB-Kabel zur Verbindung mit PC/Mac sowie ein Netzteil. Letzteres ermöglicht eine Aufladung des Geräts ohne Computer, was insbesondere Reisende zu schätzen wissen werden. Dazu gibt es ein gedrucktes russisches Handbuch, eine Anleitung in deutscher Sprache gibt es vorerst nur in digitaler Form.

Technik

2Das Pocketbook 360° kommt mit allen gängigen eBook-Formaten (pdf, epub, txt, html, doc, …) zurecht. [Update] DRM-“geschützte” Dateien können aktuell noch nicht wiedergegeben werden. Das soll sich in wenigen Wochen aber über ein Firmware-Update für die Formate epub und pdf ändern.]

Bilder werden in den Formaten jpeg, bmp, png und tiff angezeigt, einen MP3-Player gibt es nicht. Die 512 Myte Speicher sind via MicroSD/MicroSDHC-Karten erweiterbar. Der (austauschbare) 1000mAh Akku soll für gut 7000 Seitenwechsel pro Ladung gut sein.

Software

konfigDie Software ist die große Stärke des Pocketbooks. Das Betriebssystem wurde in Zusammenarbeit mit der russischen eBook-Community The-eBook.org (sozusagen das Mobileread des Ostens) entwickelt und optimiert, woraus viele nützliche Funktionen resultieren.

So können eBooks mit dem Gerät kopiert und in Ordner kategorisiert werden – Anderswo ist das nur vom PC/Mac aus möglich. Alle Tasten sind frei konfigurierbar, etwa bei Sony Readern geht das nur mit unauthorisierter Software von Drittanbietern. Das Pocketbook-OS ist OpenSource, wird ständig weiter entwickelt und um kostenlose Applikationen ergänzt.

Usability

Ein großer Teil der Eingaben erfolgt über das angenehm bedienbare 4-Wege Steuerpad. Darüber hinaus gibt es zwei (ebenfalls frei belegbare) Schultertasten, die leider etwas schwergängig sind und beim Druck wenig vertrauenserweckend knarzen. Hier wären seperate Buttons die bessere Lösung gewesen.

Lesen

1Das matte e-Ink Display stellt 16 Graustufen dar, was insbesondere bei der Anzeige von Bildern und Grafiken ein Vorteil ist (s. Foto; rechts: Sony Reader Touch Edition). Auf 5″ Bildschirmdiagonale werden 800x600px (200dpi) angezeigt – genauso so viele Pixel stellen auch Sechs-Zoller (hier 166dpi) dar. Die Schriftanzeige ist also im Vergleich etwas schärfer, aber kleiner. Weil die Textgröße aber ohnehin nahezu stufenlos anpssbar ist, handelt es sich hier nur um einen theoretischen Nachteil.

Das im Pocketbook 360° verbaute Vizplex-Panel hat deutlich schnellere Bildaufbauzeiten als ältere e-Ink Displays, wie sie etwa noch im Sony Reader PRS-505 zu finden sind.  Ungewöhnlich lange dauert dagegen das Laden von größeren Dateien: Eine 4,1 Mbyte große DigiTAZ (hier im Test) wurde erst nach etwa 30 Sekunden angezeigt.

Als Extras gibt es eine ganze Reihe wirklich nützlicher Wörterbücher und eine Suchfunktion. Auch Notizen können über das Gerät angelegt werden, mangels Touchscreen oder mechanischer Tastatur macht das aber wenig Spaß.

Fazit, Verfügbarkeit

3Der Schein trügt: Obwohl das Pocketbook 360° in seiner Erscheinung eine Liga unter den aluminium ummantelten Sony Readern spielt, ist es ein mindestens genauso gutes Lesegerät. Insbeondere technisch versierten Lesefreunden kommt der ukrainische Hersteller mit einer ganzen Reihe sinnvoller Customizing-Möglichkeiten entgegen.

Das geringe Gewicht prädestiniert das Pocketbook 360° als “Überall-Reader” – dazu passen auch die vielfältigen Verwaltungsmöglichkeiten über das Gerät und das beiliegende Netzteil, mittels dem Anwender ihren (entsprechend befüllten) Reader unabhängig von PC/Mac nutzen können.

pocketbook-360-award-grafik-200Auf der anderen Seite bringt ein kleines Communityprojekt wie Pocketbook unübersehbare Nachteile mit sich. Das beginnt schon bei der Verfügbarkeit des Devices: Der Deutschland-Vertrieb des Pocketbook 360° liegt momentan in der Hand eines einzigen Firmenvertreters, einen deutschen Online-Shop von Pocketbook gibt es noch nicht. Aus den kleinen Produktionsmengen resultiert auch der für einen NoName-Reader relativ hoher Kostenpunkt von vsl. 220-250 Euro.

Weitere Probleme könnten sich im Schadensfall ergeben. Garantieansprüche sind bei einem Lesegerät etwa von Sony zweifellos wesentlich unkomplizierter geltend zu machen als bei einem ukrainischen eReader ohne Vertriebsstrukturen hierzulande.

Interessierte sollten also wissen, worauf sie sich beim Kauf möglicherweise einlassen. Im Gegenzug bekommen sie mit dem Pocketbook 360° aber immerhin eines der besten derzeit in Europa verfügbaren Lesegeräte mit einigen wirklich herausragenden Features. Es wäre schön, wenn der Hersteller auf der heute zuende gehenden Ifa (die Ukrainer waren mit eigenem Stand vertreten) Kontakte knüpfen konnte, die zu einem baldigen professionellen Vertrieb des Devices in Deutschland führen.

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15 Kommentare

Zum Thema: Pocketbook 360° im Video-Test

Thomas Knip 20. September 2009 at 00:42 Uhr

Schöner Bericht, zwei Punkte möchte ich allerdings noch ansprechen.

Bei meinem Testgerät hat der Lagesensor sehr gut funktioniert, hatte aber gerade mit den Knöpfen auf der linken Seite auch immer wieder mal Aussetzer.

Ein Punkt, der leider überhaupt nicht zur Sprache kam, war die freie Konfigurierbarkeit aller Knöpfe. Dadurch lässt sich z.B. den wirklich zäh reagierenden Seitentasten auch die Umblätterfunktion zuweisen, was den Navigationsknopf etwas “entlastet”. So lässt sich die gebogene Seite des 360 für eine festen Griff in der Handmulde sehr gut nutzen.

Ah, und in Weiß sieht das Gerät deutlich weniger billig aus. :-)

bjoern 25. Oktober 2009 at 16:21 Uhr

Wo kann man das Geraet eigentlich kaufen?
Ich hab mal auf preissuchmaschine, ebay und kelkoo geguckt, nix zu finden.

Pocketbook 28. November 2009 at 01:41 Uhr

“Wo kann man das Geraet eigentlich kaufen?
Ich hab mal auf preissuchmaschine, ebay und kelkoo geguckt, nix zu finden.”

Ab ca. 1. Dezember in Online-Shop: http://my-ebook-reader.de/