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Samsung E60 macht Bogen um Deutschland

samsung-e60-2Der ursprünglich für Mai angesetzte deutsche Verkaufsstart vom Samsung E60 fällt endgültig ins Wasser. Während der innovative Slider-Reader in diversen europäischen Ländern (Großbritannien, Italien, BeNeLux) bereits erhältlich ist oder unmittelbar vor dem Rollout steht, spart Samsung den deutschen Markt bewusst aus – und liefert dafür eine interessante Begründung.

Im Gespräch mit lesen.net betonte eine Samsung-Sprecherin, das Unternehmen glaube durchaus an einen Siegeszug von digitaler Literatur in Deutschland. Verlage und Buchhandel hierzulande bewegten sich in die richtige Richtung, und auch die Verbraucher seien immer mehr zum Lesen auf Bildschirmen bereit.

samsung-e60-3Die Ansprüche an elektronische Lesegeräte unterscheiden sich bei deutschen Konsumenten aber grundlegend von denen in anderen Ländern, habe Samsung bei Untersuchungen festgestellt. So seien Features wie die 3G-Anbindung an einen eBook Store und ein Farb-Display (!) essentiell für den Markterfolg eines Lesegeräts in Deutschland; Anforderungen, die der Samsung E60 (ebenso wie momentan alle anderen anderen E-Ink Reader) trotz schickem Look und neuartigem Bedienkonzept nicht erfüllt.

Im Klartext prophezeit Samsung dem deutschen eBook-Markt einen praktisch allumfassenden Siegeszug von Multimedia-Tablets wie dem iPad, welche über einen für hiesige Lesefreunde scheinbar unverzichtbaren “Gadget-Faktor” verfügen. Lesekomfort durch ein augenfreundliches Display (scharf, kontrastreich, keine Hintergrundbeleuchtung) und lange Akkulaufzeiten soll dem gegenüber weniger Bedeutung beigessen werden.

Dass es kulturelle Unterschiede im Bezug aufs digitale Leseverhalten gibt, haben bereits andere Studien nachgewiesen. Neu ist allerdings die Erkenntnis, dass ausgerechnet in der Gutenberggalaxis beim Schmökern eher zum Surf-Tablet als zum monofunktionalen eBook Reader gegriffen wird – sollte Samsung mit dieser Einschätzung richtig liegen.

samsung_ebook_reader_e60_mit_stiftWie ernst es dem koreanischen Hersteller mit der Einführung vom Samsung E60 in Deutschland war, verdeutlicht die Roadshow des Herstellers im Frühjahr: In verschiedenen deutschen Städten wurde der Slider-Reader sowie ein Schwestermodell mit 9,7″ Bildschirmdiagonale bereits den Handelspartnern und Pressevertretern – unter anderem uns – vorgestellt und schmackhaft gemacht. Auf samsung.de fand sich sogar schon eine Produktseite zum E60, von der inzwischen aber nur noch der Teaser übrig ist.

Immerhin: Wer sich für den Sechs-Zoller interessiert, hat es nicht weit. Bei unseren holländischen Nachbarn wird der Samsung E60 bereits über den stationären Buchhandel vertrieben, mit 329 Euro (Online-Shop mit Produktbeschreibung & -videos) ist man in den landesweit 42 Filialen von Selexyz/BGN dabei.

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Kommentare


Frank 28. Juli 2010 um 10:26

Meiner Meinung nach voll am Markt vorbei. Sicher wäre die eierlegende Wollmilchsau was tolles:

Ein Convertable, welches sich auf 5″ eReader Größe bringen lässt, wo der Akku ewig hält, man per Touchscreen, Stift und Tastatur was eingeben kann. Er sollte dabei aber nicht mehr als ein Handy wiegen und sich zu Hause in einen Rechner mit min. 15″ Display verwandelt auf dem auch locker Spiele zu spielen sind.

Blödsinn sowas…

Das bisher gelungenste Konzept finde ich den Hanvon N518 – klein, Stifteingabe, Wörterbuch – hatte der eigentlich WLAN?

Eigentlich muss ein eReader nur klein, leicht, gut zu lesen sein. Akku muss ewig halten und man muss Markierungen und Notizen machen können. Suchen muss man können. Wenn man nicht auf einen Rechner angewiesen ist (WLAN) wär das auch toll.
Alles andere ist IMHO überflüssig.

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Monty 28. Juli 2010 um 15:52

naja, zu klein ist auch wieder so ein Ding – so richtig kann ich mich für 5″er nicht begeistern – 6″er hab ich einen, ist von der Größe ok, größer wird auch nur schwerer…
Markierungen und Notizen kann ich machen, WLAN hab ich auch drin – mehr hab ich bisher noch nicht gebraucht oder vermisst. Für alles andere hab ich Geräte, die das andere auch entsprechend gut können, von solchen “ich-kann-alles-aber-nichts-richtig”-Teilen halte ich auch wenig.
Von daher wäre der E60 auch was gewesen…

Mein Gerät nennt sich übrigens pocketbook :-)

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Ralf 29. Juli 2010 um 11:26

Ich halte Samsungs Markteinschätzung für falsch. Die werden wohl irgendwie Leute gefragt haben, die gerade vom Marketing für das iPad geblendet worden sind, das Apple ja absurderweise auch als zum Lesen geeignet darstellt.
Wichtiger wäre es für den deutschen Markt, wenn die Verlage endlich für unkomplizierteren und umfassenden Zugang zu digitalisierten Büchern sorgen würden. Solange es viele verschiedene Wege und Formate gibt, wird das nichts für jedermann. Da hilft auch kein Farbdisplay.
Was den Gadgetfaktor betrifft, fände ich es ja auch nett, wenn das Gerät auch WLAN hätte und Webseiten richtig anzeigen könnte, aber nur, wenn die Darstellungsqualität beim Lesen nicht beeinträchtigt würde. Also unbedingt ein Passivdisplay. Als Alternative zu E-Ink könnte es ja mit Mirasol oder Liquavista irgendwann mal was werden. Aber leuchtende TFTs halte ich für indiskutabel, egal was Samsungs Marktuntersuchungen da ergeben haben.

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Bine 24. August 2010 um 10:11

Ich stimme Ralf voll und ganz zu! Die Marktforschung von Samsung ging meiner nach voll am Markt vorbei!
Schade, den Samsung Reader hätte ich mir sofort besorgt. Gerade der entspiegelte Touch-Screen und das tolle Design hatten es mir angetan.

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