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Tolino Shine (Oktober 2013) im Test [+Video]

Im März 2013 bekam der Tolino Shine nur ein „befriedigend“ (Note 2,7) im lesen.net Test, zu fehlerhaft und funktionsarm war die Firmware. In den letzten neun Monaten hat die Tolino-Allianz hier mächtig nachgerüstet, hinzu kommt eine Hardware-Innovation. Grund genug für uns, den Tolino Shine ein zweites mal durch das Testlabor zu schleusen.

Optik und Haptik, Zubehör

Blick ins neue Wörterbuch

Blick ins neue Wörterbuch

Der von uns getestete „neue“ Tolino Shine steckt im selben Gehäuse wie das im März erschienene Modell. Er ist ganz sicher kein optisches Highlight und dürfte gerne kompakter ausfallen (der Kobo Aura ist bei gleicher Bildschirmgröße zweieinhalb Zentimeter kürzer), liegt aber gut in der Hand und fühlt sich angenehm an. Dank seines Gewichtes von nur 183 Gramm steht auch einer längeren einhändigen Lektüre nichts im Weg.

Seitliche Blättertasten gibt es leider nicht, wohl aber eine auffällige haptische Home-Taste. Oben ist außerdem noch ein Schalter zum Ein- und Ausschalten des Gerätes und eine Taste zur Aktivierung der Beleuchtung, deren Hub etwas arg kurz geraten ist.

In der wenig spektakulären Verpackung steckt neben dem eBook Reader nur noch eine gedruckte Kurzanleitung und ein USB-Kabel. Ein externes Ladegerät muss bei Bedarf separat erworben werden, gleiches gilt für eine Schutzhülle.

Technik

Nach wie vor verbaut die Tolino-Allianz (beziehungsweise das OEM Longshine, das sich für die Hardware verantwortlich zeichnet) ein Pearl-E-Ink-Panel mit einer Auflösung von 1024x758px. Damit bleibt der Kindle Paperwhite 2 der einzige eBook Reader mit E-Ink-Carta-Display, das noch etwas kontrastreicher und reaktionsschneller ist. Der Bildschirm ist berührungsempfindlich und beleuchtet; dazu stecken fünf LEDs im unteren Rahmen, deren Licht sich aufs gesamte Display verteilt. Neu im Oktober-Modell ist E-Ink Regal für weniger Invertierungen und damit flüssigeres Blättern – diese Technologie haben somit bis auf das Pocketbook Touch Lux alle aktuellen Leucht-Reader an Board.

Der interne Speicherplatz beträgt 4 Gbyte, wovon ab Werk 2,3 Gbyte frei sind. Er ist mittels microSD-Karte um bis zu 32 Gbyte erweiterbar; weil der Tolino Shine keine speicherintensiven Musikdateien abspielt, wird eine Speichererweiterung aber wohl nur selten notwendig sein.

Lesen

Alles neu: Nachschlagen, markieren, Notiz anlegen

Alles neu: Nachschlagen, markieren, Notiz anlegen

In unserem Testbericht im März haben wir zu Beginn dieses Kapitels aufgelistet, was der Tolino Shine nicht kann. Als da waren:

  • klickbare Links / Sprungmarken in epub-E-Books
  • Textanzeige im Querformat
  • anpassbare Textausrichtung, Zeilenabstände
  • Ordnerstruktur / Klassifikationen / Tags
  • Notizen
  • Hervorhebungen
  • Wörterbücher

Um es kurz zu machen: Bis auf den Punkt „Textanzeige im Querformat“ wurden in den letzten Monaten alle von uns damals vermissten Funktionen nachgerüstet. Zuletzt kamen im Oktober per Firmware Update Ordner (allerdings keine Tags) und mono- wie bilinguale Wörterbücher aufs Gerät. Die Erweiterungen in Sachen Textanpassung waren so umfangreich, dass sie in ein neues Kontextmenü ausgelagert wurden, das einen kompletten Bildschirm füllt. In Aktion sind die Bearbeitungsoptionen in unserem Video zu sehen.

Nach wie vor stehen außerdem fünf Schriftarten und sieben Schriftgrößen zur Auswahl. Bei der PDF-Anzeige gibt es neben Zoom-Stufen auch PDF-Reflow, der aber bei komplexeren Dokumenten schnell seinen Dienst verweigert. PDF-Funktionen wie zuschneidbare (Rand-)Ausschnitte oder einrastbare Zoomstufen sucht man beim Tolino Shine weiterhin vergeblich, die Navigation ist sehr frickelig. Wer viel mit nativ großformatigen Dateien zu Arbeiten gedenkt, ist mit einem Sony Reader PRS-T3 (oder gleich mit einem Tablet) besser aufgehoben.

An der Qualität der Textdarstellung gibt es nach wie vor nichts zu mäkeln. Dank E-Ink Regal, womit der Bildschirm default nur noch alle 60 statt alle 6 Seiten komplett invertiert wird, gibt es weniger sichtbare Splashes. Bei der Blättergeschwindigkeit gibt es hingegen noch ein wenig Luft: Im Vergleich wechselt der Kindle Paperwhite merklich schneller die Seiten, allerdings fühlt sich der Tolino Shine auch nicht trantütig an.

E-Books kaufen/laden, Apps

Homescreen eines Thalia-Tolino

Homescreen eines Thalia-Tolino

Je nachdem, wo man seinen Tolino kauft, ist ein anderer Store voreingestellt. Diese Selektion kann man nicht beeinflussen, in sofern kann ein schneller Blick über die Sortimente sinnig sein. Allzu viel Bedeutung sollte man dem Branding des integrierten Stores aus Kundensicht aber nicht beimessen, denn zum einen sind die Angebote der Tolino-Partner (mit Ausnahme von dem der Telekom) alle gut sortiert. Zum anderen wurde im November eine Funktion namens „Bibliotheksverknüpfung“ nachgerüstet, mit der sich auch bei einem anderen Tolino-Partner gekaufte eBooks problemlos aufs eigene Gerät holen lassen.

Sind erst einmal die eigenen Kundendaten sowie die Adobe ID hinterlegt, kann recht komfortabel über den Tolino Shine gekauft und gelesen werden. Eigene E-Books können in die Cloud geladen und darüber auf verschiedene Geräte verteilt werden (bei Kobo nicht möglich), 25 Gbyte Netz-Speicher hat jeder Tolino-Kunde. Leider ist nach wie vor kein Upload per E-Mail möglich, wie es Amazon erlaubt.

Die Lese-Apps unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter erheblich, auf Kindle- oder Kobo-Niveau sind sie leider nirgendwo. Gerade im Android-Bereich gibt es große Defizite, exemplarisch sprechen die Bewertungen der Weltbild-App für sich. Dass hier weiterhin jeder Anbieter sein eigenes App-Süppchen kocht, anstatt wie im Hardware-Bereich die Kräfte zu bündeln, ist unverständlich.

Fazit

+

Schon im März hatten wir hardwareseitig wenig Grund zur Klage beim Tolino Shine. Im Gerät steckt neueste Technik (vom „kindle-exklusiven“ E-Ink Carta abgesehen), das Preis-Leistungsverhältnis ist top. Die Cloud-Anbindung ist gelungen und der Komfort beim E-Book-Bezug stimmt: Ist das Gerät erst einmal eingerichtet, tritt das leidige Thema DRM wohltuend in den Hintergrund. Auch bei der sonstigen Bedienung ist der Tolino Shine so nutzerfreundlich, dass auch technisch weniger affine Leser schnell damit zurechtkommen. Er ist somit auch als Geschenk für Senioren geeignet.

Bei der Kernfunktion „Lesen“ hat der Tolino Shine dank dreier Firmware Updates einen funktionalen Sprung gemacht, der gar nicht hoch genug bewertet werden kann. Wer auf dem Tolino Shine liest, kann sich jetzt – endlich – die vielen strukturellen Vorteile zunutze machen, die digitales Lesen gegenüber der Lektüre von gedruckten Büchern bietet. Auch größere E-Book-Sammlungen lassen sich dank Sammlungen nun komfortabel auf dem Gerät verwalten.

Die Tolino-Allianz hat mit den Firmware Updates einen gewaltigen Schritt in Richtung Amazon gemacht, ganz auf Augenhöhe ist man aber noch nicht. Features wie Popular Highlights/Popular Annotations fehlen, ebenso wie das von uns schnell schätzen gelernte Pageflip (schnelles Vorblättern) beim neuen Kindle Paperwhite. An der PDF-Funktion muss dringend noch gearbeitet werden, im Vergleich zur Konkurrenz fällt sie doch deutlich ab. Gleiches gilt fürs App-Ökosystem. Schließlich wirkt der Tolino Shine optisch ziemlich altbacken, wenn man einen Kobo Aura oder ein aktuelles Tablet danebenlegt.

=

award tolino shine finalMit drei großen Firmware Updates und einer behutsamen Hardware-Anpassung hat sich der Tolino Shine in den letzten neun Monaten zu einem richtig guten Lesegerät gemausert. Die Deutsche Telekom hat Wort gehalten und die anfangs noch sehr unfertige und fehlerhafte Firmware mächtig aufgebohrt. Der Abstand zur Konkurrenz von Kobo und Amazon, die auf viele Jahre Erfahrung mit E-Reading-Hardware und -Software zurückblicken können, hat sich drastisch verkürzt.

Bedenkt man dann auch noch den deutlich niedrigeren Verkaufspreis des Tolino Shine (99 Euro) gegenüber Kindle Paperwhite (129 Euro) und Kobo Aura (149 Euro), können wir jetzt anders als noch im Frühjahr eine klare Kaufempfehlung für den Tolino Shine geben.

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Kommentare


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