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Tolino Vision 3 HD im Test

Der Tolino Vision 3 HD ist das neue Premium-Lesegerät der großen deutschen Buchhändler und der erste Tolino mit 300ppi-Panel. Ob das scharfe Display auch in der Praxis überzeugen kann und was sich sonst so getan hat – unser Testbericht.

Optik und Haptik

Tolino Vision 3 HD auf Tolino Vision 2

Tolino Vision 3 HD auf Tolino Vision 2

Der Tolino Vision 3 HD steckt im gleichen Chassis wie das vor genau einem Jahr vorgestellte Vormodell, und zwar bis ins letzte Detail. Abgesehen vom sichtbar helleren Standby-Bildschirm des Tolino Vision 3 HD unterscheiden sich die beiden Geräte nur durch einen winzigen Aufdruck des Modellnamen auf der Rückseite.

Das Gehäuse des Tolino Vision 3 HD ist mattschwarz, einzig der sensorische Home-Button folgt noch dem einstmals charakteristischen grau-braunen Farbschema. Auf der gummierten schwarzen Rückseite ist der Markenname als schwarzes Relief vermerkt, wie man es auch von Kindle-Geräten kennt.

Der Tolino Vision 3 HD wiegt rund 175 Gramm und ist damit deutlich leichter und etwas kompakter als der Hauptrivale Kindle Paperwhite 3 (205 Gramm). Mit seinen abgerundeten Ecken und der planen Oberfläche liegt der Tolino Vision 3 HD angenehm in der Hand und macht eine gute Figur, der ganz große Blickfang ist er aber sicherlich nicht.

Technik

Wie die beiden Vormodelle hat auch der Tolino Vision 3 HD eine 1-GHz-CPU, flankiert von 512 Mbyte Arbeitsspeicher. Der interne Speicherplatz ist 4 Gbyte groß (2,15 Gbyte verfügbar für eigene Inhalte) und nicht erweiterbar.

Vision 2 links, Vision 3 HD rechts (100% Beleuchtung)

Vision 2 links, Vision 3 HD rechts (100% Beleuchtung)

Auch der Vision 3 HD ist wasserdicht und staubgeschützt. Das wird erreicht über eine Nano-Versiegelung der relevanten Kontakte (Technik im Detail). Damit soll das Gerät garantiert 30 Minuten in einer Tiefe von 1 Meter überleben – allerdings nur, wenn es sich um Süßwasser handelt. Die Werbeversprechen (gefahrloses Lesen in der Badewanne, am Strand) sind also mit Vorsicht zu genießen, auch wenn die Tolino-Händler hier Kulanz versprechen.

Das Aushängeschild des Tolino Vision 3 HD und gleichzeitig die einzige Neuerung gegenüber dem Vormodell ist das seitlich beleuchtete E-Ink-Carta-HD-Display. Es löst 1448×1072px auf (Vision 2: 1024x758px), was 300ppi entspricht (Vision 2: 212ppi). Ein Produktmanager der Deutschen Telekom, die die Entwicklung verantwortet, erklärte uns im Hintergrundgespräch, das Panel sei in Darmstadt komplett neu aufgebaut worden. Die Pixel sitzen sehr dicht unter dem Display, was eine einzigartig scharfe Darstellung gewährleiste.

Geblättert wird über den kapazitiven Touchscreen oder übers Klopfen auf die Rückseite (“tap2flip). Eine dedizierte Klopf-Fläche gibt es nicht, das Gerät reagiert aber nur auf mittige Erschütterungen.

Firmware, Lesen

Der Tolino Vision 3 HD wird mit einem neuen Betriebssystem ausgeliefert (Version 1.7.2), die gegenüber der aktuellen Firmware 1.6.2 hauptsächlich Verbesserungen “unter der Haube” aufweist. Die neue Version wird auch für sämtliche alten Tolino-Modelle verfügbar gemacht.

Textoptionen

Textoptionen

Nach wie vor gibt es zusätzlich zur Verlagsschrift fünf Schriftarten zur Auswahl, hinzu kommen sieben Textgrößen. Ausrichtung, Zeilenabstand und Seitenrand können in drei Stufen verändert werden. Zu Wörtern und Abschnitten lassen sich Markierungen und Notizen anlegen, die als txt-Dokument im Gerätespeicher abgelegt werden. Vier bilinguale und fünf monolinguale Wörterbücher ergänzen die ordentliche Ausstattung.

Bei der Anzeige von PDF-Dateien profitiert der Tolino Vision von seiner starken Hardware. Großformatige und bildlastige Dokumente öffnen sich zügig. Die Anzeige-Optionen halten sich hier aber weiterhin in engen Grenzen, eine Fixierung des Zoom oder gar des gewählten Bildausschnittes über mehrere Seiten hinweg wie beim Sony Reader PRS-T3 ist weiterhin nicht möglich. Generell ist ein 6″ eBook Reader ohnehin mäßig geeignet für die PDF-Anzeigen.

Das neue Display bedeutet im Vergleich zum Vormodell ein klares Plus bei der Anzeigequalität. Schon bei ausgeschalteter Beleuchtung ist der Hintergrund sichtbar heller und damit kontrastreicher. Die Schrift wirkt dunkler, die zusätzlichen Pixel schlagen sich in einer schärferen Darstellung nieder.

Vision 3 HD links, Kindle PW3 rechts (100% Beleuchtung)

Vision 3 HD links, Kindle PW3 rechts (100% Beleuchtung)

Bei aufgedrehter Beleuchtung war der Tolino Vision 2 im Vergleich zum direkten Rivalen Kindle Paperwhite 2 klarer zweiter Sieger. Der Tolino Vision 3 HD ist hier mit seiner sehr klaren Anzeige ein großer Schritt nach vorn. Im Vergleich zum Kindle Paperwhite 3 erscheint uns angezeigter Text sogar noch ein bisschen dunkler und knackiger.

Der leichte Gelb-Stich des Tolino Vision 2 gehört der Vergangenheit an, der Tolino Vision 3 HD ist sehr neutral mit allenfalls einer leichten Tendenz ins Blaue. Wölkchen gibt es nicht, wohl aber einen kleinen Lichtbalken im untersten Bildschirmbereich, der allerdings kaum zu vermeiden ist (wenngleich er bei Kindle- und Kobo-Geräten dezenter ausfällt).

Kindle Voyage links, Vision 3 HD rechts (100% Beleuchtung)

Kindle Voyage links, Vision 3 HD rechts (100% Beleuchtung)

Die Telekom rühmt sich außerdem damit, das charakteristische E-Ink-Flackern beim Umblättern erstmalig nahezu komplett obsolet gemacht zu haben. Standardmäßig wird das Panel beim einfachen lesen nun überhaupt nicht mehr invertiert – beim Tolino Vision 2 wurde noch ein Refresh alle 60 Seiten empfohlen. Schon beim Vormodell (und bei der Konkurrenz von Kindle und Kobo) waren übermäßige Verzögerungen oder Ghosting-Effekte allerdings nicht wirklich ein Problem, so dass die Verbesserung nicht wirklich ins Gewicht fällt.

Blättern mittels Wischen klappt genauso problemlos wie beim Vormodell, hier erweist sich einmal mehr die plane Oberfläche als kleines Komfort-Plus. An tap2flip hingegen scheiden sich die Geister. Anfangs reagiert das Gerät nur sporadisch auf rückseitiges Klopfen. Nach einiger Zeit in Benutzung gelingt es zwar, recht zuverlässig eine Aktion auszuführen – allerdings auch nur, wenn das Gerät vollständig umgriffen wird. Dafür braucht man große Hände, und selbst dann stellt sich nach wenigen Minuten Ermüdung ein.

Ein Telekom-Manager erklärte uns, man habe sich nicht ohne Grund für eine erneute Implementierung von tap2flip entschieden. Jeder lese und blättere anders, und von Nutzern des Tolino Vision 2 habe man viele positive Rückmeldungen zur Funktion bekommen. Unter dem Stich handelt es sich sicherlich um ein “nice to have”, haptische oder sensorische (Kindle Voyage) seitliche Tasten ziehen wir im direkten Vergleich aber klar vor.

eBooks kaufen, Cloud, Apps

Shopansicht

Shopansicht

Abhängig davon, bei welchem Händler man den Tolino Vision 3 HD kauft (Thalia, Weltbild, Hugendubel, eBook.de und andere), variiert auch der voreingestellte eBook Store. Über die Funktion Bibliotheks-Verknüpfung können auch in den Stores anderer Tolino-Partner gekaufte eBooks einfach in den Gerätespeicher geholt werden. Weil sich die Sortimente der einzelnen Tolino-Partner qualitativ und quantitativ nicht (mehr) großartig differenzieren, ist die Entscheidung des Kaufortes aus Kundensicht sekundär.

Zusätzlich unterstützt der Tolino Vision 3 HD epub-Dateien mit Adobe-Kopierschutz, womit man bis auf Amazon und Apple überall einkaufen kann (mehr dazu auf unserer Infoseite eBooks kaufen). Amazon hat den offenen Stores allerdings nach wie vor eine große Auswahl an exklusiven preisgünstigen Indie-Titeln voraus, zudem gibt es für englischsprachige eBooks (die nicht der Buchpreisbindung unterliegen) häufig konkurrenzlos günstige Aktionsangebote. Außerdem sind die Kindle-Apps immer noch etwas besser als die Kauf-/Lese-Apps der Tolino-Partner, die ebenfalls unter dem Dach der Telekom entwickelt werden.

Dafür kann man seine Tolino-Bibliothek, wechselt man später doch einmal die Plattform, problemlos auf ein Lesegerät von Kobo oder Pocketbook überspielen. Bei Kindle Books steht der Kopierschutz im Weg (auf legalem Weg). A propos Tolino-Bibliothek: Jedem Nutzer stehen 25 Gbyte Cloud-Speicherplatz für eigene Dateien zur Verfügung. Gekaufte eBooks werden automatisch in der Cloud gespeichert.

Dank Technologie-Partner Telekom kann man mit dem Tolino Vision 3 HD die 40.000 Telekom-Hotspots kostenfrei nutzen. Dass macht sich vor allem für Pendler und Vielreisende bezahlt (Hotspots in Flughäfen, Bahnhöfen, ICE-Zügen, Hotels) und soll auch ein Ersatz für ein UMTS-Modul sein, wie es Amazon gegen Aufpreis für seine Kindle-Modelle anbietet.

Tolino Vision 3 HD im Test (Youtube)

Fazit

+

DSC_0098Kein eBook Reader profitiert so sehr vom neuen 300ppi-E-Ink-Panel wie der Tolino Vision 3 HD. Die Anzeigequalität ist im Vergleich zum Vormodell ein gewaltiger Schritt nach vorn. Schon unbeleuchtet ist die Anzeige klar kontrastreicher. Bei eingeschaltetem Leselicht glänzt der Vision 3 HD mit einer sehr neutralen und gleichmäßigen Ausleuchtung und knackig schwarzer Schrift, die dem Leser fast entgegen springt.

Ansonsten ist alles beim Alten, und zwar im positiven Sinne. Die Wasserdichtheit ist definitiv ein Pluspunkt – wie groß er ist, hängt vom persönlichen Nutzungsverhalten ab. Gleiches gilt für tap2flip. Wie auch das Vormodell ist der Tolino Vision 3 HD klein, leicht und durchaus ansehnlich. Die Verarbeitung gibt keinen Grund zur Beanstandung. Und sollte doch einmal was am Gerät sein, gibt es Hilfe beziehungsweise die Möglichkeit zum Umtausch in Hunderten stationären Filialen der Tolino-Partner und bei einem gut geschulten Support-Team.

Die Hardware wurde im Vergleich zum ein Jahr alten Vormodell nur an einer (wichtigen) Stelle verbessert, die Firmware hingegen überhaupt nicht. Das ist kein Drama, war die Benutzeroberfläche doch schon im Herbst 2014 wirklich funktional und gut bedienbar. Im Vergleich zu Rivale Amazon, dessen Firmware funktional ohnehin schon besser (Social Reading, schnelleres Vorblättern, X-Ray, Vokabeltrainer, Wikipedia-Einbindung, …) und im Zuge der Kindle-Paperwhite-3-Veröffentlichung noch einmal kräftig aufgemöbelt wurde, hat die Tolino-Oberfläche aber das Nachsehen. Gleiches gilt für das App-Ökosystem und für die Auswahl im angeschlossenen eBook Store.

Die PDF-Funktion ist nach wie vor ein Feigenblatt, der eBook Reader zur Lektüre komplexerer PDF-Dokumente nicht geeignet (andere aktuelle Modelle allerdings auch nicht). Die Anzeigequalität ist sehr gut, der Kindle Voyage gefällt uns hier – bei gleicher technischer Basis – allerdings noch ein kleines bisschen besser. Dessen sensorische Blättertasten werden außerdem sicherlich von einer größeren Kundengruppe genutzt als die Umblättern-durch-Klopfen-Funktion des Tolino Vision 3 HD.

=

award tolino vision 3 hd finalSchon beim Tolino Vision 2 hat die Telekom ganze Arbeit geleistet (Note 1,5 im lesen.net Test), der einzige wirkliche Kritikpunkt war schon damals die Anzeigequalität. Hier wurde nun noch einmal deutlich nachgebessert. Lesen auf dem Tolino Vision 3 HD macht Spaß, von der profanen Dateiübertragung über die Anzeigeoptionen bis hin zur Textdarstellung.

Zusammen mit dem Kobo Glo HD ist der Tolino Vision 3 HD das beste derzeit erhältliche epub-Lesegerät und in jeder Beziehung auf Augenhöhe mit der Konkurrenz aus dem geschlossenen Amazon-Ökosystem. Spätestens seit der Abkehr der großen Konzernverlage vom Adobe-Kopierschutz, auch wenn sie praktisch noch nicht final umgesetzt ist, erhält man beim Kauf von epub-Dateien klar mehr Nutzwert fürs gleiche Geld als bei Kindle Books.

Neben der emotionalen Komponente – Unterstützung von “made in germany”, Ablehnung des “Konstrukt Amazon” – ist die Verfügbarkeit kopierschutzfreier Dateien innerhalb des Ökossytem ein handfester Grund, zu einem eBook Reader abseits des Kindle-Kosmos zu greifen. Und hier gibt es mit dem Tolino Vision 3 HD viel Lesespaß fürs Geld.

 

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