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Sonntagsfrage: Hersteller des Jahres

Die Weltbild-Pleite, der Ausstieg von Sony aus dem E-Reading-Geschäft, der Aufschwung des Tolino: Ein aufregendes digitales Lesejahr neigt sich dem Ende. Zeit, Bilanz zu ziehen – -mit unserer alljährlichen Umfrage zum Hersteller des Jahres.

tolino hersteller des jahresVor fast genau einem Jahr habt ihr, die Besucher von lesen.net, die Tolino-Allianz zum Hersteller des Jahres 2013 gekürt. Dem Zusammenschluss der großen deutschen Buchhandelsketten nebst Deutscher Telekom als Technologie-Anbieter ist es mit vereinter Kraft und einem konkurrenzfähigen Hardware-Content-Gesamtpaket gelungen, ein Gegengewicht zu Marktführer Amazon zu schaffen.

Seitdem ist viel passiert – innerhalb der Tolino-Allianz, aber auch drumherum. Mit Sony, eurem Hersteller des Jahres 2010, hat sich ein E-Reading-Urgestein weitgehend verabschiedet, auch Trekstor baut vorerst keine dedizierten Lesegeräte mehr.

Ob es für die Tolino-Allianz zur Titelverteidigung reicht, entscheidet ihr. Die wichtigsten Meilensteine der "vier Großen" des deutschen E-Reading-Marktes stellen wir im Folgenden kurz vor. Wie immer läuft die Abstimmung eine Woche, der Hersteller des Jahres wird in einem weiteren Artikel am kommenden Sonntag (14.12.) vorgestellt. Vielen Dank für die Teilnahme!

Wer ist dein Hersteller des Jahres 2014?

  • Tolino (37%, 243 Votes)
  • Kobo (25%, 164 Votes)
  • Amazon (22%, 146 Votes)
  • Pocketbook (11%, 74 Votes)
  • Bookeen (3%, 20 Votes)
  • Imcosys (0%, 2 Votes)
  • Onyx (0%, 0 Votes)

Total Voters: 649

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Tolino (Weltbild, Thalia, Hugendubel, Libri, Bertelsmann, Telekom)

Tolino Vision 2

Tolino Vision 2

Mit der Weltbild-Insolvenz ereilte die Tolino-Allianz gleich zu Beginn dieses Jahres eine Hiobsbotschaft. Auch nach der scheinbaren Rettung steht der Weltbild-Konzern, neben Thalia einst einer der beiden großen Stützpfeiler der Tolino-Allianz, noch auf wackeligen Beinen. Das Filialnetz wird kräftig zurückgebaut.

Ein weiterer Tolino-Alliierter der ersten Stunde vollzieht einen Abschied auf Raten. Für den Club Bertelsmann ist Ende 2015 endgültig Schluss, die letzte Club-Filiale macht schon zeitiger die Schotten dicht.

Den drohenden Wegfall von Sichtbarkeit kompensiert ein neues Mitglied der Tolino-Allianz. Über den Grossisten Libri haben endlich auch unabhängige Buchhandlungen die Möglichkeit, am Tolino-Projekt teilzuhaben. Trotz hoher Initialkosten ging die Zahl neuer Tolino-Verkaufsstellen innerhalb kurzer Zeit in den dreistelligen Bereich. Auch an Bahnhöfen ist der Tolino jetzt erhältlich.

Wie schon 2013 präsentierte die Tolino-Allianz auch in diesem Jahr zwei neue eBook Reader. Dem im Frühjahr vorgestellten Tolino Vision (mit E-Ink-Carta-Display, neuem Gehäuse im Tablet-Look) folgte schon im Herbst  der Tolino Vision 2 (wasserdicht, zusätzliche Blätteroption, besserer Bildschirm). Hinzu kam mit dem Tolino Tab 8 ein neues Tablet – anders als etwa Kobo bleibt die Tolino-Allianz dem Tabletmarkt treu. Das Gerät ist in Bezug auf Hardware wie Nutzungskomfort praktisch auf Augenhöhe mit dem Kindle Paperwhite 2 von Amazon (Vergleich) und kann mit einem offeneren Ansatz punkten. Danke Adobe-DRM-Unterstützung ist man beim eBook-Kauf nicht auf die Tolino-Stores beschränkt und kann umgekehrt seine Bibliothek mit auf eine andere Plattform nehmen.

Amazon

Kindle Voyage

Kindle Voyage

Auch Platzhirsch Amazon stellte im Jahr 2014 zwei neue Geräte vor. Der neue Einstiegs-Kindle verfügt über einen Touchscreen und ist mit Werbeeinblendungen günstiger, mit dem neuen Kindle Voyage hat Amazon derzeit das schärfste und kontrastreichste dedizierte Lesegerät in seinen Reihen. Mit 190 Euro für die WLAN-Ausführung verlangt Amazon aber auch einen stolzen Preis für seinen Premium-Reader. Aufgrund von Qualitätsproblemen bei der integrierten Beleuchtung ist der Kindle Voyage derzeit nur mit Wartezeit zu haben. Klare Nummer 1 der internen Verkaufscharts ist derzeit der Kindle Paperwhite 2, der Mitte 2014 lediglich ein stilles Speicher-Update spendiert bekam (4 statt 2 Gbyte interner Speicherplatz).

Ansonsten gab es von Amazon einige neue Tablets und das erste Smartphone des Konzern. Insbesondere das Fire Phone bereitete Amazon aber in den letzten Monaten viel Kummer – es führte zu desaströsen Finanzzahlen nebst Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe, was prompt von den Aktionären abgestraft wurde. Jeff Bezos kündigte jüngst einen langen Atem mit dem Fire Phone an, die Stimmung ist aber eingetrübt. Und zumindest der deutsche Buchmarkt ist für Amazon längst kein Selbstläufer mehr, was auch auch das wettbewerbsbedingte Preisniveau illustriert – günstiger als bei uns ist der Kindle Paperwhite 2 derzeit nur im rezessionsgeschüttelten Japan.

Kobo

Kobo Aura H2O

Kobo Aura H2O

An Selbstvertrauen mangelt es Kobo nicht: Laut eigener Aussage ist man in Deutschland auf Augenhöhe mit der Tolino-Allianz. In Sachen Hardware und Ökosystem auch nicht verstecken: Mit dem Kobo Aura H2O hat der kanadisch-japanische E-Reading-Spezialist das vielleicht interessanteste Gerät des Jahres vorgestellt. In Sachen Kontraste und Schriftschärfe muss sich das Gerät nur dem Kindle Voyage knapp geschlagen geben, mit seiner 6,8″ Bildschirmdiagonale hat es dafür im Vergleich 30 Prozent mehr Platz für Inhalte und kann außerdem mit Adobe-DRM-Unterstützung punkten (Kindle Voyage und Kobo Aura H2O im Vergleich).

Bei Firmware-Funktionen und bei der Qualität der Lese-Apps spielt Kobo längst in der Oberklasse. Und auch beim deutschsprachigen Angebot im eBook Store, lange Zeit die Schwachstelle schlechthin, hat Kobo mächtig aufgeholt. Das größte Wachstumshemmnis von Kobo dürfte die schlechte stationäre Verfügbarkeit sein, einzig in Elektronikmärkten sind die Kobo-Geräte zu bekommen.

Pocketbook

Pocketbook Ultra

Pocketbook Ultra

Pocketbook Aqua, Pocketbook Touch Lux 2, Pocketbook Ultra, Pocketbook Inkpad, Pocketbook Sense – wenn es nach der Zahl der Neuerscheinungen 2014 geht, wäre die Wahl schon entschieden. Euer Hersteller des Jahres 2009 bewies bei der Entwicklung aber nicht immer ein glückliches Händchen. Vor allem der als eierlegendes Wollmilchgerät konzipierte Pocketbook Ultra geriet zur bitteren Enttäuschung, ein erschreckend kontrastschwaches E-Ink-Carta-Display und nervige Firmware-Bugs vermiesen das 170 Euro teure Lesevergnügen.

Mit einer neuen grafischen Benutzeroberfläche ging Pocketbook den längst überfälligen Schritt in Richtung "intuitive Bedienbarkeit für Normal-Nutzer", auch bei der Shop-Integration gibt es Fortschritte. Kopfschmerzen dürfte Pocketbook in den letzten Monaten die Öffnung der Tolino-Allianz in Richtung unabhängiger Buchhandel bereitet haben – 2015 wird es sicherlich nicht leichter für den E-Reading-Pionier, Sichtbarkeit im stationären Handel zu erlangen.

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Kommentare


Tolino-Allianz ist Hersteller des Jahres 2014 » lesen.net 14. Dezember 2014 um 18:34

[…] Leser folgten unserem Aufruf zur Wahl zum Hersteller des Jahres am vergangenen Sonntag. Vielen Dank! Eine kombinierte IP- und Cookie-Sperre verhinderte doppelte Teilnahmen, […]

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