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Check: eBook Reader als Weihnachtsgeschenk

Am heutigen Black Friday erledigen traditionell viele amerikanische Familien ihre Weihnachtseinkäufe. Auf etlichen Wunschlisten stehen in diesem Jahr auch eBook Reader, teilweise wird sogar bereits das Angebot knapp. Grund genug für uns, auch einen Blick auf den deutschen Markt zu werfen und das hiesige Sortiment auf seine Geschenketauglichkeit zu durchleuchten.

Die Auswahl hängt im Wesentlichen zum einen von technischer Affinität und Lesegewohnheiten des Beschenkten ab, zum anderen vom fürs Geschenk veranschlagten Budget. Hierzulande erhältliche Lesegeräte bewegen sich preislich zwischen 149 Euro (Ectaco jetBook) und rund 270 Euro (Sony Reader Touch Edition), die sich an unterschiedlichste Nutzergruppen richten. Dabei bedeutet wie überall ein höherer Preis nicht gleich „mehr Qualität“ oder „bessere Bedienbarkeit“.

Für weniger IT-interessierte Lesefreunde ist zunächst einmal eine übersichtliche und intuitiv bedienbare Gerätesoftware Grundvoraussetzung – eine Aufgabe, die bislang alle Hersteller zumindest befriedigend gelöst haben. Wesentlich problematischer ist da der „Weg zum (E-)Buch“: Wenig zugangsfreundliche Online-Shops und die fast überall zwingend zu nutzende DRM-Verhaltungssoftware Adobe Digital Editions – auch nicht gerade ein Musterbeispiel an Usability – machen den Kauf aktueller deutschsprachiger Literatur zu einem steinigen Pfad. Nichts, was man seinen Liebsten am Weihnachtsabend zumuten möchte.

Amazon Kindle 2

amazon_kindle_2_04.jpgUnser erster Geschenketipp zum Fest geht damit fast konsequenter Weise an den Sechs-Zoller aus Seattle. Beim Kindle 2 – laut amazon.com der meist verschenkte Artikel ihres gesamten Sortiments – können von Deutschland aus fast 300.000 eBooks direkt über das Lesegerät gekauft und innerhalb von wenigen Sekunden geladen werden. Das ist hierzulande einmalig und vereinfacht die Bedienung ungemein. Allerdings ist man trotz des gerade nachgerüsteten pdf-Supports zumindest im kommerziellen Bereich in großem Maße an das Angebot von Amazon.com gebunden, welches momentan im Wesentlichen englischsprachige Literatur umfasst. Auf deutsch sind im Kindle Store momentan nur rund 1.500 eBooks zu haben, laut Amazon Deutschland wird sich das zeitnah auch nicht signifikant ändern.

Für Schenkende interessant ist weiterhin die Option, den Kindle 2 schon vorab wireless mit Literatur zu befüllen. Unterm Weihnachtsbaum kann dann mit dem frisch ausgepackten Lesegerät sofort losgelesen werden. Außerdem lässt sich die Hardware prima mit einem Geschenkgutschein für eBooks kombinieren (Achtung: amazon.de Gutscheine sind nicht auf amazon.com einlösbar).

Der Amazon Kindle 2 selbst kostet inklusive Versand und Steuer aktuell rund 230 Euro, für das optionale Ledercover (als Geschenk sicherlich zu empfehlen) kommen noch einmal 20 Euro drauf. Außerdem braucht man einen Stromadapter US-EUR (< 5 Euro online oder im örtlichen Elektronikmarkt).  Weil das Gerät aus den USA verschifft wird, darf die Bestellung nicht allzu kurzfristig erfolgen – 3-4 Tage sind die Regellieferzeit, kurz vor Weihnachten sollte eher großzügig kalkuliert und eine Woche eingeplant werden.

Cybook Opus

opus_specsDas Cybook Opus stellt sozusagen den Gegenentwurf zum Amazon Kindle 2 dar. Ohne Tastatur und mit etwas kleinerem Display (12cm statt 15cm Bildschirmdiagonale) kommt der Winzling auf gerade einmal 150 Gramm Gewicht und passt auch in größere Jackentaschen. Hinzu kommt ein schickes Design, das gut lesbare Display mit 16 Graustufen und eine gute Bedienbarkeit, was dem französischen eReader jüngst Bestnoten im Vergleichstest der c’t einbrachte.

Dank Adobe DRM Support kommt das Cybook Opus dabei auch mit kopiergeschützter deutscher Literatur zurecht – für wenig anglophile Zeitgenossen ein wichtiges Kriterium. Anders als beim Kindle 2 ist der 1 Gbyte Flash-Speicherplatz beim Cybook Opus zudem erweiterbar.

Der Fünf-Zoller kostet 249 Euro, kann zu diesem Preis unter anderem in Hugendubel Buchhandlungen geshoppt werden. Günstiger geht es online: Auf BOL.de liegt das Cybook Opus unter Verwendung eines 10% Neukundengutscheins (Code Cineplex, gültig bis 31.12.) bei  224 Euro. Alternativ ist ab dem 1.12. für 15 Euro mehr auf my-ebook-reader.de das praktisch baugleiche Pocketbook 360° bestellbar, welches wir bereits Anfang September im Testlabor hatten.

Hexaglot N518 / Sony Reader Touch Edition

hexaglot-3Der von der Langenscheidt-Tochter Hexaglot vertriebene N518 vom chinesischen Auftragsfertiger Hanvon richtet sich ebenso wie die Sony Reader Touch Edition an professionelle Anwender, die mit Texten auch arbeiten wollen. Beide Lesegeräte verfügen über einen berührungsempfindlichen Bildschirm und erlauben Notizen direkt im Text, kommen ebenfalls mit Adobe DRM klar.

Hier enden die Gemeinsamkeiten aber auch schon. Der Hexaglot N518 fällt dank 5″ Display deutlich kompakter und leichter (190g) aus. Der Bildschirm ist ausschließlich via Stylus bedienbar, ermöglicht hier aber auch eine durchaus brauchbare Handschrifterkennung. Alternativ ist auch eine Bedienung über ganze 25 Tasten möglich. Kostenpunkt des Hexaglot N518 nebst umfangreichem Zubehör (u.a. Ledercover, Netzteil, 4 Gbyte Speicherkarte mit Hexaglot-Audiobooks): 266 Euro im T-Online Shop unter Verwendung eines 10 Euro Gutscheins (Code EUR102SHOP, gültig bis 31.12.)

prs-6002_lgDas Display der Sony Reader Touch Edition lässt sich zwar auch mit den Fingern bedienen, allerdings auf Kosten von ärgerlichen Spiegelungen. Dafür hat Sony mit seiner eBook Library als einziger Hersteller eine bedienfreundliche(re) Software-Alternative zu Adobe Digital Editions im Angebot, die auch einen Export von Notizen erlaubt. In einem schicken (allerdings schweren) Alu-Gehäuse verpackt, ist die Touch Edition im Vergleich sicherlich auch das optisch ansprechendere Weihnachtsgeschenk für Studenten & Co.

Den Sechs-Zoller gibt es zur unverbindlichen Preisempfehlung von 299 Euro unter anderem in den rund 300 Thalia-Filialen. Online hat auch hier BOL die Preisführerschaft, mit dem Neukundengutschein (Code Cineplex) kommt der Sechs-Zoller für 270 Euro und damit zum gleichen Preis wie der Hexaglot N518. Netzteil, Ledercover und Speichererweiterung müssen bei Bedarf allerdings noch hinzu gekauft werden, ab Werk hat Sony seinem Lesegerät nur das nötigste (USB-Kabel, Sleeve) beigelegt.

Sony Reader PRS-505

0d4e92b7-cb4e-468b-b44f-8f316dd1f1ea.jpgNach über zwei Jahren auf dem Markt (allerdings erst seit neun Monaten in Deutschland) ist am Sony Reader PRS-505 inzwischen recht gut der technische Fortschritt im Bereich eReading abzulesen. Der Blättervorgang dauert mit 1,5 Sekunden gut 50% länger als bei Kindle 2, Cybook Opus & Co, Bilder kommen deutlich kontrastschwächer aufs Display (8 Graustufen vs. 16 bei Kindle 2, Cybook Opus), nur 180 Mbyte freier interner Speicherplatz machen den Erwerb einer zusätzlichen Speicherkarte fast zur Pflicht.

Auf der anderen Seite handelt es sich um einen grundsoliden Device mit guten Leseeigenschaften,  sony-typisch exzellenter Verarbeitung und einfacher Handhabung. Zum Kostenpunkt von 180 Euro (BOL, Code Cineplex) ist der PRS-505 – aktuell das mit Abstand verbreitetste Lesegerät hierzulande –  damit zu Weihnachten eine gute „Low Budget Geschenkoption.“

Weitere eBook Reader (und warum wir sie nicht empfehlen)

  • iRiver Story: Optisch ein Kindle-Klon, funktional eher im Bereich Sony Reader PRS-600 / Hexaglot N518 angesiedelt. Interessantes Gerät (hier unser Test), allerdings ohne Export-Funktion für Notizen und damit fürs Arbeiten mit Texten kaum geeignet. Außerdem mit 279 Euro (bzw. 269 Euro) noch deutlich zu teuer.
  • txtr Reader: Sehr spannendes Projekt: Die Berliner planen eine Konkurrenzplattform zum Amazon Kindle 2 mit deutschsprachigen Inhalten. Das Bedienkonzept des Readers konnte uns im Oktober noch nicht überzeugen (hier wollte txtr aber nachbessern), das Lesegerät wird zudem für Noch-Nicht-Vorbesteller kaum mehr rechtzeitig zu Weihnachten verfügbar sein.
  • Cool-er Reader: Unter anderem bei Weltbild verkaufter leichter und bunter Sechs-Zoller. Durch die große Auswahl an Farben und dem iPod-ähnlichen Design eigentlich ein schickes Geschenk, die Verarbeitungsqualität ist aber sehr mäßig; zudem ist auch hier der Preis von 279 Euro ambitioniert.

Unter dem Strich steht ein schon heute sehr vielfältiges eBook Reader Angebot, das bereits ein breites Anwendungsspektrum bedient. Der eierlegende Wollmilchreader (einfach, günstig, großes Content-Angebot in deutscher Sprache) ist sicherlich noch nicht darunter, alle empfohlenen Lesegeräte bringen aber bereits eine runde Grundausstattung mit und erlauben auch ohne Informatikstudium ein leicht zugängliches Lesevergnügen.

spring_design_alex_barnes_and_noble_nook-540x433Der Amazon Kindle 2 ist der erste Vertreter einer neuen Gerätegeneration, die im Laufe des nächsten Jahres zumindest das gehobene Preissegment erobern wird: eBook Reader mit 3G-Verbindung wie der B&N Nook/Alex Reader, der iRex DR800SG oder die Sony Reader Daily Edition ermöglichen einen direkten kabellosen Zugang zu digitaler Literatur ohne den Umweg PC. Im Herbst 2010 ist dann auch mit ersten Lesegeräten mit farbigem E-Ink Display zu rechnen. Das Leseerlebnis selbst ist freilich auf den hier vorgestellten Geräte genauso gut, Formfaktoren wie der des Cybook Opus (5″, 150g) sind mit integrierten UMTS-Modulen zudem noch lange nicht realisierbar.

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Kommentare


ebooky 27. November 2009 um 12:31

Eine schöne Übersicht, die leider das noch geringe Angebot in Deutschland an Readern widerspiegelt.

@Redaktion

Lob, für die schöne und informative Seite. Nur ein Aspekt kommt mir deutlich zu kurz. In Tests und News wird praktisch nie darauf hingewiesen, ob der Reader verschiedene Fonts unterstützt oder es möglich ist eigene Fonts auf das Gerät zu bringen. Gerade wenn man an asiatischen Sprachen interessiert ist oder an anderen, die nicht das griechische Alphabet verwenden, ist dieser Punkt kaufentscheident. Das ständige einbetten der Fonts in neue PDFs etc. stellt keine Alternative dar. Es wäre echt super, wenn ihr die ebook reader auch auf diesen Punkt hin abklopfen könntet.

Vielen Dank

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CTL 27. November 2009 um 12:38

… und was mir in fast allen Berichten über eBooks immer wieder fehlt ist der Hinweis, dass es LESEFUTTER für den Reader auch schon in vielen öffentlichen Bibliotheken zum AUSLEIHEN gibt! Näheres unter anderem unter www.onleihe.de .

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Monty 27. November 2009 um 14:50

da kann ich ebooky nur zustimmen – die übersicht und die Neuvorstellungen sind echt klasse hier, aber ein foto mit einem „normalen“ text und ein test – auch schon über einfache Formatierungen wie Blocksatz, Schriftarten/größe… – wären echt Klasse!
Ansonsten habt ihr mir die Entscheidung zwischen den verfügbaren Readern wenigstens ein wenig angeschubst – ich freue mich auf neue Berichte und Tests!

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Acid Burn 27. November 2009 um 18:04

Ich persönlich mag den Sony Reader PRS-505 ja nicht so gerne. Von der Haptik und vom Bedienkonzept komme ich mir da wie in den 80ern vor. Mit den ganz Knöppen – schrecklich. das Display isrt allerdings gut, da kann man nicht mosern.

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AlexDD 27. November 2009 um 18:10

Ich hoffe auf den Txtr. Aber der ist teuer und vor Weihnachten bekommen den wahrscheinlich eh nur wenige.

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mtravellerh 28. November 2009 um 18:16

@ebooky Die Pocketbook Reader unterstützen das Installieren von Fonts und das geht denkbar einfach. Ich habe seit vorgestern ein Pocketbook 360 und bin von dem Kleinen voll begeistert. Ab 1. Dezember sollen die Pocketbooks in Deutschland offiziell erhältlich sein!

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ebooky 30. November 2009 um 17:20

@mtravellerh

Danke für den Hinweis. Damit kommt er zusammen mit dem Hanvon N518/Hexaglot N518 in die engere Wahl zudem sind noch die Hanlin Reader was Fonts betrifft interessant. Leider unterstützen „wertige/nichtplastik“ Reader wie die Sonies trotz japanischer Firma nicht von Haus Unicode oder andere Schriftsätze. Gäbe es einen Hanvon N518 in der Verarbeitung des Sony Touch würde ich ihn sofort kaufen. So warte ich wohl noch etwas ab und beobachte den Markt. Txtr hat mir gerade in einer Mail geantwortet, dass sie vom Start weg nur Unicode Latin-1 benutzen. Die Unterstützung für andere Zeichensätze sei aber bereits geplant und werde mit einem kostenlosem Update nachgeliefert. Mal sehen welche Sprachen dann unterstützt werden.

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Adventsaktionen bei Libreka, Ulmer, Jokers, … » Fundgrube » lesen.net 1. Dezember 2009 um 14:26

[…] Click’n'Buy 10% aufs gesamte Sortiment. Damit lassen sich nicht nur viele unserer Weihnachtsempfehlungen selbst von Nicht-Neukunden besonders günstig shoppen, auch das umfangreiche eBook-Angebot liegt […]

Antworten

FR 4. Dezember 2009 um 12:32

@CTL: Ausleihe für eBook-Reader ist wohl noch vielfach Zukunftsmusik. Ich habe mich hier (Hannover, immerhin Groß- und Landeshauptstadt) bei der Stadtbücherei erkundigt. Antwort: „… vorerst nicht im e-pub-Format anbieten wird, auch ein Zeitpunkt für eine voraussichtliche Einführung steht noch nicht fest.“

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Sonntagsfrage: Hersteller des Jahres » Topnews » lesen.net 21. Dezember 2009 um 02:00

[…] ist auf dem hiesigen Markt aber schon lange nicht mehr alleine, wie etwa unser Artikel zu eBook Reader als Weihnachtsgeschenk […]

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USA: Weihnachtsgeschäft beginnt mit Reader-Rabatten » eReader » lesen.net 16. November 2010 um 12:16

[…] unter dem Weihnachtsbaum machen und wo/wann am besten zugeschlagen werden sollte, beleuchten wir analog zu 2009 demnächst in einem eigenen […]

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