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Suhrkamp veröffentlicht eBooks

ulyssesAls einer der letzten großen deutschen Verlage hat Suhrkamp in dieser Woche den Sprung ins digitale Becken gewagt. Stand bislang nur eine Handvoll Titel via textunes-App für die Lektüre auf iOS-Hardware (iPod Touch, iPhone, iPad) bereit, wurden nun auf einen Schlag 140 digitale Bücher als epub- und pdf-Dateien ins Netz gestellt.

Der Vertrieb läuft momentan offenbar exklusiv über den Grossisten Libri.de (linke Spalte: Sortiment eBooks) beziehungsweise seine Vertriebspartner (Osiander, Thalia, buch.de u.a.) (Update 22.11.: Eine Suhrkamp-Sprecherin betonte im Gespräch mit uns, die Kooperation mit Libri sei keinesfalls exklusiv angelegt; “wir sind für alle Seiten offen”). In nicht an die Libri-Datenbank angeschlossenen Online-Shops wie Ciando, weltbild.de oder auch Libreka fehlt vom Suhrkamp-Sortiment noch jede Spur.

Selektive eBook-Offerten sind  leider ein grundsätzliches Ärgernis, welches wir gerade erst im Rahmen eines ZDF-Beitrags angemahnt haben: Lesefreunde haben sich gegenwärtig aus verschiedenen Online-Shops ihre Favoriten zusammen zu suchen, weil Verlage beziehungsweise Aggregatoren aus unterschiedlichen Gründen häufig nur mit ausgewählten Anbietern zusammenarbeiten. Besonders krasse Beispiele sind hier Kindle Store und iBookstore, wo (noch) keine beziehungsweise nur wenige deutsche Verlage vertreten sind.

stadt-der-engelBei Pricing und Kopierschutz wagt Suhrkamp erwartungsgemäß keine Experimente. Die Frankfurter Berliner orientieren sich bei älteren Titeln am Taschenbuchpreis; bei bislang nur/ausschließlich als Hardcover erhältlicher Literatur werden zumeist 2-3 Euro abgezogen, womit etwa Christa Wolfs Stadt der Engel digital 22 Euro statt 24,80 Euro kostet; lediglich bei sehr teuren Titeln (“Ein säkulares Zeitalter“: 60 Euro eBook, 68 Euro Print) ist die Differenz ein wenig größer. Sämtliche eBooks – egal ob als epub oder pdf gekauft – sind mittels Adobe DRM vor unerwünschter Vervielfältigung und Weitergabe (vermeintlich) geschützt.

In beiden Kategorien schwimmt Suhrkamp – leider – gegenwärtig mit dem Branchenstrom, wenngleich es auch hierzulande eBooks aufgeschlossen (statt ängstlich) gegenüberstehende Verlagshäuser gibt: Bastei Lübbe etwa bepreist eBooks teilweise deutlich > 20% unter Print (Sturz der Titanen: 20 Euro eBook, 28 Euro Hardcover), verzichtet komplett auf hartes DRM. Nichts desto trotz ist es eine erfreuliche Entwicklung, dass die weißen Flecken auf der digitalen Landkarte abnehmen und nun  auch Suhrkamp was mit eBooks macht (wenngleich wenn man dem Thema offenbar weiterhin wenig abgewinnen kann; auf der Unternehmensseite findet sich nach wie vor keinerlei Hinweis auf ein digitales Sortiment).

<via @osiander_tweet>

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Kommentare


thmk 18. November 2010 um 22:25

Dass Suhrkamp eBooks bringt ist gut und schön. Leider sind die interessantesten Bücher von Hermann Hesse nur als pdf-Books erhältlich und das macht das Angebot für mich als Nutzer eines 6″-Readers erst einmal uninteressant. Oder sollten die pdfs wider Erwarten auf ein Format kleiner als DIN A4 optimiert sein? Hoffentlich wird das Angebot noch in Richtung epub ausgebaut. Würde mich sehr freuen.

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Thomas Knip 19. November 2010 um 02:26

“unverwünschte Vervielfältigung”?

Na, ich hoffe doch nicht, dass Suhrkamp als neueste DRM-Maßnahme Verwünschungen oder Flüche einsetzt … ;-)

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E-Books nun auch bei Suhrkamp | Buch- & Schreibnotizblog 19. November 2010 um 10:00

[…] von mir sehr geschätzte Weblog lesen.net über die neue digitale Produktpalette aus dem Hause Suhrkamp.. Wie immer sehr […]

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epagee 19. November 2010 um 10:45

Auch Suhrkamp kann sich dem Trend nicht verschließen. Die Digitale Vermarktung von Büchern wird in Zukunft eine wichtige Erlösquelle für Verlage. Herzlichen Glückwunsch..

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Sven 23. November 2010 um 12:48

Die Preispolitik bleibt nach wie vor unverständlich. Ich wünschte mir, die großen deutschen Verlage würden sich an O’Reilly orientieren. Kein DRM und ordentliche Rabatte und dauernd spezielle Rabattaktionen. Habe dort gleich nach erhalt meines Kindle drei Bücher gekauft und verfolge ständig besondere Preisaktionen. So gewinnt und bindet man Kunden.

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Bigboo73 24. November 2010 um 08:26

na wenigstens sie bringen was heraus, immer kleine Schrittchen machen.. tap, tap tap… X-)

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Fünf eReading-Megatrends in 2011 » Debatte, eBooks, eReader » lesen.net 29. Dezember 2010 um 16:39

[…] Geld für den Einstieg in den eBook-Markt in die Hand genommen; selbst der Traditionalist Suhrkamp sitzt mittlerweile im digitalen Boot. Der größer werdenden Aufmerksamkeit für eBooks bei Verlagen wie […]

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Suhrkamp: eBooks “ein Unfug, ein Beschiß und ein Niedergang” » lesen.net 4. Februar 2014 um 17:15

[…] in der Vergangenheit nicht gerade als Digital-Pionier hervorgetan, die ersten eBooks des Verlages erschienen 2010. Die Hasstirade, die im heutigen Mittwoch im Blog des Unternehmens publiziert wurde, überrascht […]

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Suhrkamp: eBooks “ein Unfug, ein Beschiß und ein Niedergang” | Carta 8. Februar 2014 um 10:49

[…] ersten eBooks des Verlages erschienen 2010. Die Hasstirade, die am 4. Februar im Blog des Unternehmens publiziert wurde, überrascht dann […]

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