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4 überraschende Fakten über Hörbücher

Bei trägerneutralen Medien, wie es Hörbücher sind, ist die Digitalisierung viel weiter fort weit fortgeschritten als bei eBooks? Weit gefehlt: Mehr als drei Viertel aller Hörbücher werden auf CD gekauft, und dieser Wert bleibt seit Jahren konstant – aus einem einfachen Grund. Vier Fakten über Hörbücher, die “Außenstehende” überraschen.

1. Hörbücher sind physisch

Bildschirmfoto 2015-04-14 um 12.34.51Anders als bedrucktes Papier haben Hörbücher keine jahrhundertelange physische Tradition. Emotionale Verbundenheit und subjektive Genussfaktoren von Büchern (haptisches Empfinden, Papiergeruch, Rascheln beim Blättern) kommen hier nicht zum tragen. Weil Hörbücher-CDs auch im Regal repräsentativ deutlich weniger hermachen als Bücher und sie, egal ob auf CD oder als Download gekauft, in jedem Fall ein Abspielgerät benötigen, sollten Hörbücher-CDs eine aussterbende Art sein. Oder?

Weit gefehlt, sagt die GfK auf Basis ihres Handelpanel Buch mit 25.000 regelmäßig befragten Deutschen. Demnach sollen auch im Jahr 2014 rund 80 Prozent aller Hörbücher auf CD verkauft worden sein, in den Vorjahren gab es eine ähnliche Verteilung. Insgesamt gingen 14,3 Millionen “physische” Hörbücher über die Ladentheken, etwas mehr als 2013 (14,1 Millionen). Der Umsatz-Anteil von Hörbücher-CDs im Buchmarkt beträgt damit 4,2 Prozent und ist damit nur minimal geringer als der von eBooks.

Abseits von Vorteilen bei der Mobilität fehlen auch wirkliche Anreize für Hörbuch-Downloads, denn die Ersparnis ist häufig gering. Infolge der gerade in Kraft getretenen Verminderung der Mehrwertsteuer auf Hörbücher von 19 Prozent auf 7 Prozent wird sich daran auch nichts ändern, eher im Gegenteil – der reduzierte Satz greift nur bei CDs, nicht bei Downloads (Wie die EU die Müllproduktion ankurbelt und die Buchpreisbindung gefährdet). Immerhin: Digital-Digital-Hörer (sic) kommen in den Genuss von kostenlosen Hörbüchern und Hörspielen.

2. Viele Hörbücher werden verschenkt

"Hörbücher verschenken" bei Audible

“Hörbücher verschenken” bei Audible

Ein wesentlicher Grund für die Beliebtheit von physischen Hörbüchern: Käufer hören sie häufig gar nicht selbst, sondern geben sie weiter. Ganze 41 Prozent aller im Jahr 2013 gekauften Hörbücher-CDs wurden weiterverschenkt, ermittelte ebenfalls die GfK. Hier macht das Träger-Medium dann natürlich schon einen Unterschied: CDs sind repräsentativer und auch immer noch unkomplizierter nutzbar als Download- oder Geschenk-Gutscheine. Gleichwohl geben sich die Download-Anbieter Mühe, bei Branchenprimus Audible gibt es Verschenken-Buttons auf jeder Artikelseite und passige Grußkarten dazu per Mausklick.

3. Kinder- und Jugendbuch dominiert

Auch nicht weiterverschenkte Hörbücher werden häufig nicht selbst gekauft. Der typische Hörbücher-Käufer ist zwar eher mittleren Alters (und weiblich), das beliebteste Genre ist aber Kinder- und Jugendbuch. 44,3 Prozent aller im Jahr 2014 verkauften Hörbücher entfielen auf diese Kategorie, sagt die GfK – der klassischen Belletristik sind hingegen “nur” 43,5 Prozent zuzuordnen. Zum Vergleich: Bei Büchern entfielen auf die Kategorie “Kinder- und Jugendbuch” im Jahr 2014 lediglich 17,4 Prozent aller Umsätze.

4. Die Spitze ist dünn

Bildschirmfoto 2015-04-14 um 12.36.49Dass im Buchmarkt mit seinen extrem geringen niedrigen Eintrittshürden (Stichwort: Self Publishing) einer kleinen Zahl von Bestsellern jedes Jahr zehntausende kaum verkaufte Neuerscheinungen gegenüberstehen, lässt sich leicht ausrechnen. Aber auch bei Hörbüchern, wo verlagsunabhängige Veröffentlichungen abseits von Audible kein großes Thema  und die Produktionen aufwändiger sind, gibt es ein großes Ungleichgewicht.

In einem am gestrigen Montag publizierten FAZ-Artikel zum Hörbuchmarkt wird der Geschäftsführer vom Audio-Verlag (an dem verschiedene öffentlich-rechtliche Anstalten sowie der Spiegel beteiligt sind) mit der Einschätzung zitiert, von den 40.000 momentan in Deutschland verfügbaren Hörbüchern und Hörspielen hätten sich nur 400 Titel im Jahr 2014 mehr als 5.000 mal verkauft. Die Marke von 50.000 Verkäufen übersprangen sogar nur 13 Titel, wobei es an der Spitze auch nur eine enorme Ballung gibt.

So befinden sich unter den von der GfK ermittelten 10 meistverkauften Hörbüchern des Jahres 2014 gleich drei “Känguru”-Titel von Marc-Uwe Kling (auf den Plätzen 1, 2 und 6) sowie zwei Drei-Fragezeichen-Folgen – jeweils natürlich allesamt im selben Verlag erschienen. Überhaupt dominieren die großen Verlagskonzerne Bonnier, Random House und Holtzbrinck laut FAZ auch bei Hörbüchern das Geschäft, für Unabhängige wird es eng. Mit Folgen: Für “Indie-Verlage” ist es  attraktiv, exklusive Produktionen für die im Download-Bereich dominierende Amazon-Tochter Audible zu machen.

<Bildnachweis: Hörbuch von Shutterstock>

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Kommentare


Deutsche Hörbuch-Verlage prüfen Klage gegen Audible » lesen.net 18. Mai 2015 um 13:25

[…] entfallen auf Audible. Absolut ist der Download-Anteil bei Hörbüchern zwar noch relativ gering, trotzdem führt für Hörbuchverlage eigentlich kein wirtschaftlicher Weg an Audible […]

Antworten

Tausende kostenlose Hörbücher neu bei Deezer » lesen.net 28. August 2015 um 10:55

[…] meisten Hörbücher und Hörspiele werden nach wie vor auf CD gekauft, meist zwecks Verschenkung. Daran wird sich sicherlich auch mit den Streaming-Angeboten nichts […]

Antworten

Hörbücher boomen weiter – vor allem als Download & Stream » lesen.net 8. Juni 2017 um 11:25

[…] hat der Markt allerdings auch noch ein erhebliches Aufholpotenzial – noch 2014 vermeldete die GfK für Deutschland, 80 Prozent aller Hörbücher seien auf CD verkauft worden. Ein nicht […]

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