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Hörbuch-Flatrate: Kartellbeschwerde gegen Audible

Online-Händler Amazon steht neuer Ärger ins Haus. Der Börsenverein hat eine Kartellbeschwerde gegen die Amazon-Tochter Audible eingereicht, weil das Unternehmen Verlage mit Knebelverträgen zur Teilnahme an einem neuen Flatrate-Modell für Hörbücher zwingen soll. Bei eBooks hat Amazon das gar nicht nötig.

Flatrate-Trend auch bei Hörbüchern

Das Geschäftsmodell von Audible ist seit Jahren unverändert. Neue Mitglieder erhalten nach einer kostenlosen Testphase (30 Tage, für Prime-Kunden drei Monate) ein Hörbuch monatlich zum Fixpreis von 9,95 Euro. Ein solches “Hörbuch-Abo” bieten inzwischen auch Mitbewerber wie Thalia, beim Sortiment können sie aber nicht mithalten. Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal von Audible sind die zahlreichen ungekürzten Lesungen, die es ansonsten nur für viel Geld auf CD gibt.

Bei Filmen und eBooks (eBook Flatrates im Vergleich), aber auch bei digitaler Beschallung geht der Trend immer mehr in Richtung pauschaler Abrechnung. Bei Marktführer Spotify, bei Napster und neuerdings auch beim sehr gut sortierten Deezer gibt es bereits das, was Amazon für Audible vorschwebt: Unbegrenzt viele Hörbücher zum monatlichen Fixpreis (beziehungsweise – bei Deezer und Spotify – werbefinanziert auch kostenlos).

90 Prozent Marktanteil

Anders als die Musik-Streaming-Konkurrenz setzt Audible beim Sortiment aber offenbar nicht auf freiwillige Listings, sondern zieht amazontyisch gleich mal die Daumenschrauben an. Verlage, die ihre Hörbücher nicht fürs Flatrate-Modell freischalten, droht die Auslistung auch aus dem regulären Audible-Katalog. Das behauptet zumindest der Börsenverein, der darum nun eine formelle Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht hat, wie der Spiegel am gestrigen Samstag exklusiv berichtete.

Der zentrale Vorwurf: Audible nutzt seine marktbeherrschende Stellung aus. Anders als im hierzulande duopolartigen E-Reading-Bereich hat Amazon bei Hörbüchern zumindest im digitalen Raum (der allerdings nur einen kleinen Teil des Hörbüchmarktes ausmacht) ein De-Facto-Monopol. Der Spiegel spricht von einem Marktanteil von rund 90 Prozent beim Verkauf digitaler Hörbücher. Da kann es sich kein Verlag leisten, nicht dabei zu sein – ein Umstand, den Amazon offenbar knallhart auszunutzen gedenkt.

Kindle Unlimited kommt (fast) ohne Verlage aus

Dabei illustriert ein Blick in Richtung Kindle Unlimited, dass es – in den Augen von Amazon – grundsätzlich auch ohne Verlage geht. Nachdem anfänglich noch viele prominente Verlagstitel für die eBook Flatrate eingekauft wurden, geht der Verlagsanteil dort fortwährend zurück. Statt dessen dominieren Indie-Autoren und Titel aus den Amazon-Verlagen das Geschehen.

Dies wäre auch eine denkbare Vision für die Audible-Flatrate. Allerdings fehlt Amazon hier derzeit noch Masse. Von beeindruckenden mehr als 150.000 Hörbüchern im Katalog sind lediglich 1.500 Exklusiv-Titel, also rund 1 Prozent. Hochwertige Vertonungen beliebter Bücher (Moyes, Fitzek, Link, Hawkins, …), die für sich genommen aber keine Flatrate hergeben. Ganz ohne Verlage wird Amazon keine Hörbuch-Flatrate auf die Beine bekommen. Zumindest anfänglich werden wohl die Geldschatullen weit geöffnet werden müssen, um für ein attraktives Sortiment zu sorgen.

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Kommentare


Audible: Kartellbeschwerde wegen Hörbuch-Flatrate | AUTHORS CHOICE 23. September 2015 um 09:13

[…] amazon-watchblog.de, spiegel.de, lesen.net […]

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