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Speed Reading lernen: Angebote im Vergleich

Speed Reading: Schneller lesen lernen

Speed Reading: Schneller lesen lernen

Mittels Speed Reading Techniken lässt sich die persönliche Lesegeschwindigkeit mehr als verdoppeln, ohne dass das Textverständnis leidet. Fürs Erlernen von Speed Reading gibt es eine ganze Reihe höchst unterschiedlicher Tools und Dienstleister, die sich im Konzept und nicht zuletzt auch im Preis deutlich unterscheiden. Wir vergleichen die interessantesten Lernangebote.

Goldenes Lese-Zeitalter

Trotz Youtube, Netflix & Co. sowie kriselnden Print-Auflagen: Noch nie wurde so viel gelesen wie heute. Von Kurznachrichten über Statusmeldungen in sozialen Netzwerken über Online-Artikel bis hin zu klassischen Fachbüchern und Belletristik – egal ob gedruckt oder digital – lesen wir ständig.

Studierende werden mit Bergen von Pflichtliteratur konfrontiert, Berufstätige müssen sich über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden halten und dann auch noch Lesezeit für die persönliche wie berufliche Fortbildung finden. Bei all dieser Lektüre greifen wir auf antiquierte Lese-Techniken zurück, die wir vor Jahrzehnten als 7- oder 8-jährige Kinder lernten und die de facto schon damals veraltet waren. Die pädagogischen Mühlen malen langsam.

Täglich eine Stunde extra dank Speed Reading

Die in der Schule erlernte Art zu Lesen ist gerade für geübte Leser höchst ineffizient. Mit Hilfe von Speed-Reading-Techniken können Leser ihr Lesetempo relativ unkompliziert verdoppeln. Das bedeutet einen enormen Zeitgewinn. Im Durchschnitt liest jeder Deutsche jeden Tag zwei Stunden. Durch eine Verdopplung der Lesegeschwindigkeit über Speed Reading gewinnt man also mindestens eine volle Stunde, die sich in zusätzliche Lektüre oder auch in andere Tätigkeiten investieren lässt. Eine solche Verdopplung ist für Durchschnitts-Leser durchaus realistisch, sagt etwa Professor Ralph Radach, der an der Uni Wuppertal über Speed Reading forscht.

Technik statt Geheimwissenschaft

Texte schneller erfassen

Texte schneller erfassen

Speed Reading ist keine dubiose Geheimwissenschaft, sondern basiert vor allem auf der Umstellung des eigenen Lese-Verhalten. An die Stelle von in vielen Jahren eingeschliffenen ineffizienten Lesemustern sollen nach und nach Mechanismen treten, die ein schnelleres und konzentrierteres Erfassen von Inhalten ermöglichen.

So wird beispielsweise an der Abtrainierung von zeitfressenden Rücksprüngen gearbeitet. Auch leises beziehungsweise stummes Mitlesen ist Gift fürs Lesetempo, weil Auge und Gehirn deutlich schneller Text erfassen können, als die (auch stumme) Verbalisierung Zeit kostet. Schließlich gewinnen Leser viel Zeit durch die gleichzeitige Erfassung ganzer zusammenhängender Sinngruppen statt der Lektüre “Wort für Wort”.

Wer diese Techniken beherrscht, rast anschließend aber natürlich nicht zwanghaft durch die Bücher. Speed Reading eröffnet neue Optionen, Romane oder besonders komplizierte Fachbücher können aber natürlich auch weiterhin langsam und mit Bedacht gelesen werden.

5 Tipps für schnelleres Lesen

Zur Verbesserung der Lesegeschwindigkeit haben die Sprach-Spezialisten von der Rype Academy 5 grundsätzliche Ratschläge herausgearbeitet. Zusammengefasst:

1. Weiß, was du willst. Werde dir vor Lektüre eines jeden Textes im Klaren darüber, was dein Leseziel ist. Das Gehirn legt dann besondere Aufmerksamkeit auf bestimmte Wörter und Sätze und hilft beim Ausblenden von tatsächlich Irrelevantem.

2. Selektives Überfliegen. Einen Text vor der eigentlichen Lektüre kurz zu überfliegen – mit dem Leseziel im Hinterkopf -, hat eine Reihe von Vorzügen. Man versteht Struktur und Ausrichtung des Textes vorab, womit schneller gelesen und trotzdem mehr verstanden werden kann.

3. Nutze einen Zeiger. Unsere Augen sind ständig in Bewegung. Ein Stift oder Zeigefinger auf dem Text gibt den Augen Orientierung und kann sie gleichzeitig herausfordern, indem der Finger immer etwas schneller bewegt wird als gerade gelesen wird.

sehfeld4. Erweitere dein Sehfeld. Wer eine Zeile vom ersten bis zum letzten Wort liest, nutzt nur 50 Prozent seines Sehfeldes, erklärt die Rype Acadamy mit Verweis auf Tim Ferriss. Die Nutzung des peripheren Sehfeldes kann trainiert werden, indem man bewusst einige Wörter innerhalb der Zeile anfängt zu lesen und andersherum einige Wörter vor ihrem Ende schon zur nächsten Zeile springt. Rype empfiehlt die Nutzung eines Zeigers und mit je zwei “abgeschnittenen” Wörtern vorne und hinten anzufangen.

5. Liebe, was du liest. Keine leichte Aufgabe, wenn man es mit ungeliebten Übungsaufgaben, wissenschaftlichen Texten oder Geschäftsberichten zu tun hat. Aber auch dafür kann man sich versuchen zu begeistern, indem man den Texten im Vorfeld ihrer Lektüre positive Aspekte abgewinnt.

Online-Texte schneller lesen: Spritz! & Co.

Beeline auf lesen.net

Beeline auf lesen.net

Neben einer Erlernung und Verbesserung der Lese-Technik bei “klassischen” Texten gibt es verschiedene Ansätze, die Lektüre von Online-Texten und eBooks auf technischem Wege zu beschleunigen. So hat das US-Startup Spritz! eine Anzeige konzipiert, bei der Text Wort für Wort und mit visuellen Akzenturierungen angezeigt wird. Eine “Spritz!-Box” war bereits testweise auf bild.de integriert, auch einige Lese-Apps für Tablets, Smartphones und für Smartwatches haben die Technik integriert. Prominentester Vertreter hier ist sicherlich Amazon, dessen Kindle-App seit Ende 2015 mit “Word Runner” einen Speed-Reading-Modus mit flexibler Geschwindigkeit und Rückspulfunktion an Bord hat.

Einen anderen Ansatz fürs Speed Reading verfolgt Beeline. Der Dienstleister ändert nicht den Umfang der Textanzeige, färbt den Text aber mehrstufig ein. Damit soll es dem Auge leichter fallen, am Ende einer Zeile zum Beginn der nächsten Zeile zu springen. Ermüdungsfreieres Lesen und mindestens eine Verdopplung der Lese-Geschwindigkeit sollen auf diesem Weg möglich sein. Beeline gibt es als Browser-Plugin für Internetseiten sowie als Option in Lese-Apps.

Viele Wege führen zum Speed Reading

Zum Erlernen von Speed Reading stehen zahlreiche Angebote zur Auswahl. An die Seite von klassischen Lernbüchern und Präsenz-Seminaren sind in den letzten Jahren Webinare (Online-Kurse mit Interaktionsmöglichkeit), Smartphone- und Tablet-Apps sowie Lern-Software und Online-Tools getreten. Die Wissensvermittlung erfolgt dabei naturgemäß auf höchst unterschiedlichen Wegen, auch Struktur und Kosten der Angebote unterscheiden sich frappierend.

Stiftung Warentest vergleicht 6 Angebote

Die Stiftung Warentest testete im Frühjahr 2015 sechs verschiedene Lernangebote für Speed Reading. Insgesamt 88 Probanden versuchten sich dabei an der Erlernung von schnellerem Lesen mittels vier E-Learning-Angeboten sowie zwei Präsenz-Seminaren. Erfreuliches Gesamt-Fazit der Redakteure: “Alle sechs Schnelllese-Trainings erhöhen das Lese-Tempo”.

Testsieger: "Schneller Lesen"

Testsieger: “Schneller Lesen”

Testsieger mit einer Gesamtnote von 2,1 (gut) war “Schneller lesen”, eine für iOS und für Android zum Preis von nur 2,99 Euro erhältliche Mobile-App von Heku IT. Die in Lese-Einheiten von je 10 Minuten unterteilten Trainings der App ließen sich prima in den Alltag integrieren, urteilten die Tester. Die App mache Spaß und motiviere zum Weitermachen. Smartphoneaffine Lesefreunde sollten der App schon aufgrund des sehr kleinen Preises nach Ansicht der Redakteure auf jeden Fall eine Chance geben.

Auf dem zweiten Platz landeten die Präsenz-Kurse des Anbieters Improved Reading. “Teuer, aber gut” heißt es zum zweitägigen Blockunterricht zum Preis von 590 Euro. Nach den Kursen gebe es regelmäßige E-Mails mit Übungserinnerungen, die Erlernung von Speed Reading ist also auch hier nicht auf ein Wochenende beschränkt. Die Gesamtnote von 2,5 (gut) beinhaltet die Abwertung um eine halbe Note aufgrund von AGB-Mängeln, ohne die Improved Reading sogar den Testsieg erzielt hätte.

Ein “befriedigend” gab es für die PC-Software Schneller Lesen, mehr behalten 2.0 (Note 2,7) sowie für den Online-Kurs Speed Reading Trainer von Centered Learning (Note 3,3). Die Angebote werden als brauchbar, aber langweilig und wenig motivierend beurteilt. Mit 150 Euro seien sie außerdem in Anbetracht der Leistungen recht teuer.

Auch die Präsenz-Seminare von Jens Seiler wurden mit befriedigend (Note 3,4) bewertet – das Lesetempo werde Kurs zwar deutlich gesteigert, allerdings auf Kosten von deutlichen Einbußen beim Textverständnis. Mit einer 3,8 (ausreichend) auf dem sechsten und letzten Platz findet sich die Lern-DVD PoweReading-Automatic-Trainer von Peoplebuilding. Teilnehmer müssten stundenlangen Monologen des Trainers lauschen und sich Lernmaterialien dann auch noch selbst Ausdrucken – trotz eines Preises von fast 300 Euro.

Speed Reading: “Dranbleiben” ist entscheidend

speed reading buchNeben den von der Stiftung Warentest getesteten Dienstleistern gibt es noch eine Vielzahl weiterer Angebote, die die Erhöhung der eigenen Lesegeschwindigkeit versprechen. Wer beispielsweise gerne mit Büchern lernt, ist mit den beiden Ratgebern Schneller lesen – besser verstehen sowie Speed Reading: Schneller lesen – Mehr verstehen – Besser behalten sehr gut bedient.

Für alle diese Angebote gilt allerdings, dass sie dem Leser nur das Handwerkszeug für Speed Reading an die Hand geben. Ohne eigenes Lernen und Üben wird sich das Lesetempo auch nach dem besten Seminar nicht beschleunigen. Und: Speed Reading sollte nicht als mal eben zwischendurch erlernbare Technik betrachtet werden (auch wenn einige Anbieter damit werben), vielmehr handelt es sich um einen langfristigen Prozess.

Die eigentlichen Techniken sind zwar vergleichsweise schnell erfasst, aber die Abtrainigung jahrzehntelang eingeschliffener Verhaltensweisen passiert nun einmal nicht von heute auf morgen. Der Ertrag – ein beträchtlicher Zeitgewinn, Tag für Tag – macht das “Dranbleiben” beim Erlernen von Speed Reading aber allemal bezahlt. Eine Meta-Studie kam hier außerdem zum Ergebnis, dass man vor allem durch Lesen ansich schnelleres Lesen lernt.

Alternative zu Speed Reading: Komprimierte Bücher

Speed Reading Alternative Blinkist

Speed Reading Alternative Blinkist

Das Ziel von Speed Reading ist die Aufnahme von möglichst viel Wissen in möglichst kurzer Zeit. Das kann durch schnelleres Lesen erzielt werden – oder quasi umgekehrt durch das Lesen kürzerer Texte. So bietet das Berliner Startup Blinkist kompakte Zusammenfassungen von mehr als 1.000 Sachbuch-Bestsellern aus vielen verschiedenen Bereichen.

Die Essenz von mehreren Hundert Seiten dicken Büchern lässt sich so in 15 bis 30 Minuten erfassen. Blinkist gibt es als App für Android und Apple-Geräte. Der Basis-Tarif ist kostenlos und beinhaltet eine täglich wechselnde Buch-Zusammenfassung. Flatrate-Zugriff auf das gesamte Sortiment gibt es schon für faire 50 Euro im Jahr.

<Bildnachweis: Speed Reading, Student von Shutterstock>

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