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Tolino Tab 7″ im Test [+Video]

Die ersten Tolino Tablets sind seit wenigen Wochen erhältlich. Dabei handelt es sich um offene Android-Geräte mit einigen vorinstallierter Tolino-App plus einigen Widgets. Wir haben uns das Tolino Tab 7″ genauer angesehen, das kleinere der beiden Geräte.

Der Test dreht sich um das Tolino Tab 7″, das wir jetzt rund eine Woche in unserem Besitz haben. Im Rahmen des Berichtes vergleichen wir das Gerät aber auch mit seinem großen Bruder, dem Tolino Tab 8,9″.

Optik und Haptik

Das Tolino Tab 7″ kommt in einem schlanken schwarzen Plastikgehäuse daher. Optisch ins Auge stechen auf der Vorderseite die beiden Mesh-Leisten über und unter dem Display, hinter denen sich insgesamt vier Lautsprecher verbergen. In die obere Leiste ist außerdem die 2-Megapixel-Webcam eingefasst, in die untere ein kleines mattes Tolino-Logo. Dazwischen steckt der Bildschirm, dessen Oberfläche tablet-typisch bis zum Rand reicht.

tolino tab 5 Bei der Rückseite hat sich Tolino-Tab-Hersteller Trekstor für eine Wabenstruktur entschieden, wie man sie etwa vom alten Nexus 7 (2012) kennt. Das 8,9″ Modell hat hier außerdem noch eine rückseitige 5-Megapixel-Kamera. Auf der matten Rückseite prangt mittig und ein großer glänzender Tolino-Schriftzug nebst Schmetterling.

Das Gehäuse ist ganz sicher kein Highlight deutscher Designkunst, es wirkt trocken und durch die Mesh-Leisten recht technisch. Es macht aber auch keinen billigen Eindruck, auch nicht in der Hand, wo es sich mit seinen 335 Gramm zumindest für einige Zeit auch einhändig genutzt werden kann. In Sachen Gewicht liegt der Sieben-Zoller auf einem Niveau mit der 2012er-Generation von Nexus 7 (340g) und Kindle Fire HD (345g), die aktuellen Geräte sind jeweils rund 40 Gramm leichter.

Das Tolino tab 8,9″ ist mit 540 Gramm übrigens deutlich schwerer, was sich auch in der Nutzung niederschlägt. Ein Pfund Tablet legt man dann doch lieber auf dem Schoß ab, als sich einen langen Arm zu holen. Umgekehrt kann auf dem eBook Reader Tolino Shine mit seinen 180 Gramm problemlos dauerhaft einhändig geschmökert werden, ohne dass es zu Ermüdungserscheinungen kommt.

Zubehör

tolino tab 7In der durchaus schicken Verpackung befindet sich neben dem Tolino Tab 7″ ein USB-Kabel und – löblich – ein Netzladegerät. Kopfhörer gibt es nicht, angesichts der üblicherweise miserablen Qualität beiliegender Kopfhörer weinen wir diesem Umstand aber keine Träne nach.

Technik

Der Tolino Shine spielt trotz 99-Euro-Preisschild in der Oberklasse seiner Gerätekategerie. Anders verhält es sich bei den Tolino Tabs, die technisch und preislich der Mittelklasse zuzuordnen sind. Beide haben eine 1,6-Ghz-Quad-Core-CPU von Rockchip an Board. Deren Performance ist nicht schlecht, der Snapdragon S4 Pro des neuen Nexus 7 und erst recht die CPUs in Kindle Fire HDX und den aktuellen Apple Tablets iPad Air und iPad Mini spielen aber noch in einer anderen Leistungsklasse. Das Tolino Tab 7″ bringt 1 Gbyte RAM mit, das 8,9″ Modell doppelt so viel. Die Akkulaufzeit beider Geräte ist mit „bis zu 12 Stunden“ angegeben. Bei üblicher Nutzung dürften es eher um 8 Stunden sein, was immer noch ein zufriedenstellender Wert ist.

Auch beim Display positionieren sich die Tolino Tabs zwischen den 2012er- und 2013er-Tablets der großen US-Hersteller. Das Tolino Tab 7″ verfügt über ein 1440x900px IPS-Panel (245dpi), das 8,9″ Modell löst 1920x1200px auf, also Full HD (243dpi). Zum Vergleich: Das neue Nexus 7 und das Kindle Fire HDX bringen Full HD schon auf sieben Zoll Bildschirmdiagonale. Über einen microHDMI-Anschluss lassen sich die Tablets mit externen Bildschirmen und TV-Geräten verbinden.

Beide Tolino Tabs haben 16 Gbyte Speicherplatz, der bei beiden Modellen mittels microSD-Karte um bis zu 64 Gbyte erweitert werden kann. Der microSD-Slot ist bemerkenswert, keines der Tablets der großen Hersteller bringt eine solche Möglichkeit zur Speichererweiterung beziehungsweise zum Datenaustausch mit. Bedenkt man die Aufpreise für mehr Flash-Speicher bei Google und Amazon (16->32 Gbyte: 40 Euro, 16->64 Gbyte: 120 Euro) und die Preise für eine microSD-Karte (16 Gbyte: 12 Euro, 64 Gbyte: 36 Euro), ist das für Besitzer großer Mediensammlungen ein dicker geldwerter Vorteil.

Bedienung

tolino tab 1Als Betriebsystem kommt Android 4.2.2 zum Einsatz, dessen Erscheinungsbild von der Tolino-Allianz nur minimal angepasst wurde. Ab Werk befinden sich auf dem Homescreen drei Tolino-Widgets, die unter anderem über die zuletzt konsumierten Medien informieren. Mit wenigen Tabs lassen sie sich vom Bildschirm entfernen. Aus dem Sperrbildschirm kann man außerdem per Geste (Wischen nach links) direkt in die Tolino-App gelangen.

Ansonsten handelt es sich um ein vollkommen offenes Android Tablet, das – anders als etwa Amazon-Tablets – vollen Zugriff auf Google Play und damit auf Hunderttausende Apps und weitere Medien bietet. Die Bedienung auf dem hellen Multi-Touchscreen des Tolino Tab 7″ macht Spaß, beim Surfen gibt es auch beim Laden komplexerer Websites keine Wartezeiten und Ruckler. Das 7″ Display ist hell und kontrastreich. Im direkten Vergleich mit einem aktuellen Smartphone-Display (> 300dpi) fällt die etwas gröbere Auflösung auf, im Praxisbetrieb stört sie aber nicht. Auch längeres Lesen und Surfen ist ermüdungsfrei möglich (soweit man das bei hintergrundbeleuchteten LCD-Panels sagen kann). Die vier Lautsprecher sorgen für eine gute Klangkulisse, deren Qualität zwischen der von Smartphones und externen Lautsprechern anzusiedeln ist.

Im Test wollten wir es in Sachen Performance genau wissen und installierten das hardwarehungrige 3D-Rennspiel GT Racing 2 (siehe Video). Das Game ist absolut spielbar (das Tablet fungiert dank G-Sensor als Lenkrad). Wenn viel auf dem Bildschirm passiert, kommt das Tolino Tab aber doch an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit, was sich in einer reduzierten Framerate (Bildwiederholungsfrequenz) niederschlägt. Für weniger anspruchsvolle Spiele und die üblichen Produktivitäts-Apps ist das Tolino Tab aber völlig ausreichend gerüstet.

Tolino-Apps / Lesen

tolino tab 3Die Tolino-App ist in drei Segmente unterteilt: „Lesen“, „Hören“ und „Sehen“. Hinter dem „Sehen“-Reiter verbirgt sich nur ein Medienplayer für Videos aus dem Gerätespeicher und von Youtube, hinter „Hören“ ein MP3-Player sowie der Store von 7digital.

Die eigentliche Kernfunktion ist unzweifelhaft „Lesen“, wo auf der Einstiegsseite die eigene Bibliothek angezeigt wird, auf Wunsch sortiert in Sammlungen. Mit einem Tab kommt man in den mobilen Store des Händlers, bei dem man sein Tolino Tab her hat (sprich: Weltbild oder Thalia). Wie beim Tolino Shine kann die Adobe-ID in der App hinterlegt werden, womit kopiergeschützte eBooks ohne ständige Eingabe der Logindaten gekauft, geladen und gelesen werden können.

Die Lesefunktion bringt aktuell nur die nötigsten Einstellungen mit. Sieben verschiedene Schriftgrößen, drei verschiedene Schriftfarben/Hintergründe, Markierungen, Lesezeichen – das war es. Damit erinnert die Tolino-Lese-App an den Tolino Shine im Auslieferungszustand anno März (der aber immerhin schon verschiedene Schriftarten zur Wahl stellte).

tolino tab 6Beim eBook Reader in den vergangenen Monaten hinzugekommene Funktionen wie Wörterbücher, Zeilen- und Randabstände und Notizen sucht man vergebens. Das ist umso schwächer vor dem Hintergrund der deutlich stärkeren technischen Plattform des Tolino Tablets. Wie es gehen kann, zeigt etwa Kobo, wo (neben vielen weiteren Formatierungen) zahlreiche Kontextinformationen aufgerufen werden können. Auch Amazon ist mit seiner Android-App schon deutlich weiter. Der Makel der schwachen Tolino-App wird allerdings durch das offene Android-Betriebssystem deutlich abgeschwächt, das den Download alternative Lese-Apps von Amazon bis Kobo erlaubt.

Fazit

+

Die Bedienung des Tolino Tab macht Spaß. Google Android hat seit Version 4 endlich eine Benutzeroberfläche, die auch auf großformatigen Tablet-Bildschirmen eine große Figur macht. Inzwischen sind viele Anwendungen für diesen Formfaktor optimiert. Und das Tolino Tab bringt die nötige Rechenpower zur flüssigen Ausführung dieser Programme mit. Wir hatten zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, mit einem untermotorisierten Android-Gerät unterwegs zu sein, die fehlenden Prozente zur Performance teurerer Tablets machen sich im Alltagsbetrieb nicht bemerkbar. Die Verarbeitung des Tablets ist über jeden Zweifel erhaben, das Sieben-Zoll-Modell liegt knackig und nicht zu schwer in der Hand.

Größter Kritikpunkt am Tolino-Tablet ist die Tolino-Software. Angesichts des halbgaren Funktionsumfang hat man den Eindruck, die App-Entwickler sind nicht rechtzeitig fertig geworden. Lese-Software der großen US-Konkurrenten bietet einen wesentlich größeren Funktionsumfang und ist bei eigener Hardware auch besser in die Benutzeroberfläche integriert (bei Kobo auch, ohne dass der Nutzer Kompromisse bei der Offenheit des Gerätes machen muss; ausführlich im Video). Optisch ist das Tolino Tab kein Highlight, die geriffelte Rückseite mit dem großen glänzenden Tolino-Logo ist Geschmacksache. Technisch spielt das Tolino Tab in der guten Mittelkasse, mehr aber auch nicht. Die aktuellen Tablets von Amazon und Google haben bessere Displays und mehr Leistung, für aufwändige Spiele und multimediale Produktiv-Apps (Videoschnitt und ähnliches) sind sie die bessere Wahl.

=

tolino tab 7Der erste Schritt auf den Tablet-Markt ist gelungen für die Tolino-Allianz, und zwar anders als beim zum Verkaufsstart aus unserer Sicht noch sehr unfertigen Tolino Shine hier schon von Beginn an. Zwar werden die Tolino-Tablet-Apps noch viele Arbeitsstunden brauchen, um auf Augenhöhe mit Amazon, Kobo & Co. zu kommen. Dank der offenen Konzeption nebst Google-Play-Zugriff ist das aus Nutzersicht aber kein Beinbruch. Wem der Funktionsumfang der Tolino-Apps nicht genügt, findet im Play Store zahlreiche Alternativen.

Die Android-Tablets von Amazon und Google sind leistungsfähiger, aber auch teurer. Das Kindle Fire HDX geht derzeit für 199 Euro über die virtuellen Ladentheken, schränkt Nutzer aber deutlich ein. Statt Google Play gibt es nur den deutlich schlechter befüllten Amazon App Shop, im Wesentlichen ist man auf’s Amazon-Ökosystem beschränkt. Das Google Nexus 7 (2013) hat diesen Makel natürlich nicht, ist mit 229 Euro aber auch 50 Euro teurer als das Tolino Tab 7″.

Das Tolino Tab 7″ können wir somit typischen Tablet-Nutzern (ein bisschen Surfen, ein bisschen Lesen, ein bisschen Multimedia, typische Produktivitäts-apps) uneingeschränkt empfehlen. Beim Tolino Tab 8,9″ verhält es sich ein bisschen anders – das Preis-Leistungsverhältnis stimmt zwar auch hier, das Gewicht von 540 Gramm ist aus unserer Sicht aber nicht mehr zeitgemäß und sowohl bei der Nutzung als auch beim Transport eine unnötige Belastung. In Sachen „Android-Tablet in Zwischengröße (größer 7″, kleiner 10″)“ würden wir zum 299 Euro teuren LG G Pad mit 8,3″ HD-Panel raten, das satte 200 Gramm weniger auf die Waage bringt als das Tolino Tab 8,9″ und außerdem leistungsfähiger ist. Einen ausführlichen Testbericht dieses Gerätes haben die Kollegen von Golem.

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Kommentare


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