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KiWi „verschenkt“ eBook gegen Empfehlung

Layout 1Neue Wege geht der Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch bei der Promotion seines eBook-Programms. Die Holtzbrinck-Tochter verschenkt ein 450 Seiten starkes eBook mit Leseproben aus 15 Krimis und Thrillern – allerdings nur gegen eine persönliche Weiterempfehlung der Aktion über Twitter oder Facebook.

Realisiert wird die Aktion mit dem Tool Spreadware der Düsseldorfer Agentur Active Value. Das Widget holt sich die Erlaubnis zur Bearbeitung von Twitter Timeline beziehungsweise Facebook Pinnwand ein und postet anschließend einen anpassbaren Empfehlungstext plus Link ins soziale Netzwerk. Erst dann wird der angeforderte Download-Link angezeigt – im Fall vom Sammelband „KiWi kriminell“ können Lesefreunde im letzten Schritt zwischen pdf- und epub-Datei auswählen. Zu beachten ist, dass die Verknüpfung mit Spreadware auch nach dem Download aktiv bleibt und auf Wunsch manuell zu widerrufen ist (Facebook: Konto -> Privatesphäre-Einstellungen -> Anwendungen, Spiele und Webseiten).

chartDas Konzept stammt aus den USA, wo sich der Dienst Pay with a Tweet bereits einiger Beliebtheit erfreut. Der Name dieses Angebots impliziert es bereits: Von Verschenken im Sinne von „Abgabe ohne Gegenleistung“ kann hier wie auch bei der KiWi-Aktion keine Rede sein, man bezahlt lediglich mit einer Empfehlung innerhalb seines persönlichen Netzwerkes statt mit Geld. Ähnliches gilt für die immer noch laufende Ciando-Aktion (jeden Donnerstag ein anderes eBook kostenlos), wo sich der Anbieter mit Kundendaten „entlohnen lässt“.

Der Ansatz ist sicherlich interessant, „erzwungene Empfehlungen“ sind allerdings für alle Seiten auch risikobehaftet. Lesefreunde setzen ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel und riskieren ihre Freunde und Bekannte zu nerven, spamartige Anhäufungen immer gleicher „Empfehlungen“ können auch auf die beteiligten Unternehmen negativ abfärben.

Zudem muss das „Verschenkte“ auch rückblickend betrachtet die durchgeführte Aktion wert sein. „KiWi kriminell“ ist hier ein Grenzfall: Die 15  aggregierten Leseproben sind anderswo auch komplett kostenlos einsehbar, nur eben nicht eBook Reader gerecht aufbereitet und zusammengefasst. Darüber hinaus gehenden Mehrwert gibt es nicht; „Weiterlesen“-Links verweisen auf die Verlagsseite, wo man für die vollwertigen eBooks (Pricing auf Taschenbuch-Niveau, DRM) wiederum nur zu diversen Online-Shops weiterverwiesen wird.

Schön wäre es, wenn künftig auch komplette digitale Bücher auf diesem Weg zu haben sein könnten – gerade für Verlage bieten solche Aktionen die Möglichkeit, ihre Sichtbarkeit im sozialen Internet deutlich zu erhöhen. An einer sorgsamen Planung und Umsetzung der Kampagnen führt aber kein Weg vorbei, insbesondere wenn es um persönliche Empfehlungen nebst erzwungener Freigabe sensibler Privatsphäreeinstellungen geht. Ein gerade erst aufgedeckter Skandal um von Entwicklern weiterverkaufte Facebook-Nutzerdaten sollte hier Unternehmen wie Anwendern gleichermaßen Warnung sein.

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Kommentare


harlekin 3. November 2010 um 20:58

Sinnlos. Negativtendenzen überwiegen. Hat in den usa mit den Soccermom Blogs angefangen (Produktsamples) und hört dort auch wieder auf.

Du erreichst damit nicht die tatsächlichen Opinion Leader, sondern nur die Leute die „Wolf“ schreien, oder die Leute die das System gamen.

Jeder im Verlag der auch nur ein wenig etwas über Öffentlichkeitsarbeit weiß müsste hier sofort Großalarm auslösen.

Viral Marketing hat viele Parallelen zum Kriesenmarketing. Alles was man nach außen kommuniziert wird, wenn es aufgeht – um ein Vielfaches verstärkt.

Hat eine Meldung „Backfire“ Potential, veröffentlicht man sie besser nicht. Nicht mal mit dem besten Spin.

Dass hier noch dazu eine „Leseprobensammlung“ verschenkt wird, die in sich kein Wert, sondern wiederum Promotion ist, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

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Timo 3. November 2010 um 21:36

Albern. Man soll Werbung machen für Leseproben=Werbung, damit man selbst diese Werbung bekommt. Macht sowas irgendwer? Und will überhaupt jemand eine Sammlung von Leseproben vorgegebener Bücher haben? Mein Interesse wäre schon gleich null wenn es das per direktem Downloadlink geben würde. Die Bücher die ich anlesen will suche ich mir doch lieber selber aus. Maßstab ist hier Amazon, wo man problemlos von Ebook eine Leseprobe laden kann. Daran müssen sich die anderen Anbieter messen und nicht solche halbgaren Publicity-Aktionen machen. Leseproben sollten Standard sein, im Sinne von Lesern und Verlagen.

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R 3. November 2010 um 22:35

Stimmt.
Das ist wie sich selber Möbelprospekte kaufen, oder ein Kaufhaus mit Eintrittspreis.

Nee Leute (von KiWi).
Eine gelungene Aktion dieser Art sähe so aus:
Es wird ein ebook verschekt, daß 2 – 5 Leseproben UND ein aktuelles KOMPLETTES ebook enthält.
Nichts weiter.
Die dann wirklich ehrlich gemeinte, und dadurch wirksame positive Mundpropaganda folgt dann von ganz allein.

Ist wie bei einem Schnäppchen. An echten Schnäppchen steht niemals „Schnäppchen“ dran!

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Timon Gehrhardt 4. November 2010 um 10:24

Negative PR bringt einem halt auch Aufmerksamkeit. Am besten gar nicht drauf reagieren.

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Thomas 5. November 2010 um 16:20

Ginge es hier um ein vollständiges eBook, würde ich sofort dabei sein. Ich habe extra einen Twitter-Account für sowas, weil im Mac-Bereich gelegentlich nette Software für einen Tweet zu haben ist.

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Thomas Knip 5. November 2010 um 17:36

Verstehe ich das richtig, dass es bei dieser ganzen Aktion nur um Leseproben geht?

Und dafür dieser Aufwand? Wer macht das denn freiwillig mit?

Was verlangt KiWi denn für die kompletten eBooks? Eine Organspende?!

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Rainer 8. November 2010 um 22:20

KiWi schafft’s ja auch, aktuelle eBooks 4 ct teurer zu verkaufen als die gedruckte Ausgabe. Auf Anfragen zur Preispolitik reagieren sie nicht. Was will man da noch erwarten. Dinosaurier, die mit ihrem Schiff untergehen werden, falls sie nicht bald den Käptn wechseln.

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eBooks kaufen/laden: Quellen und Tipps » Fundgrube, Kaufen, Topnews, eBooks » lesen.net 27. Dezember 2010 um 15:50

[…] nicht-monetären Gegenleistung (Registrierung, Newsletter-Abonnement oder – ganz neu – Social Media Empfehlung) verbunden ist, sollte hier durchaus eine Abwägung […]

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Pay with a tweet − KiWi „verschenkt“ Leseprobe | Verlage der Zukunft 16. Mai 2011 um 08:06

[…] zu E-Books, E-Readern und E-Commerce spezialisierten Seite lesen.net, hat sich  in seinem Artikel aus dem November einer  Marketing-Aktion des Verlages Kiepenheuer & Witsch gewidmet, deren […]

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