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Amazon Fire Phone entzweit die Kritiker

Wie erwartet hat Amazon am gestrigen Mittwoch sein erstes Smartphone vorgestellt. Sowohl bei der Hardware als auch bei der Software geht der Online-Händler mit dem Amazon Fire Phone viele neue Wege, über deren Nutzen die Kritiker höchst geteilter Meinung sind.

Im Kern handelt es sich beim Amazon Fire Phone (wohlgemerkt ohne „Kindle“) um ein 4,7″ Smartphone. Die Bildschirmauflösung ist mit 1280x720px (315px) etwas grobpixeliger als die des iPhone 5s und aktueller Android-Topmodelle, mit denen sich das Gerät messen lassen will.

Angetrieben wird es von einem 2,2GHz-Quad-Core-Prozessor von Qualcomm, der interne Speicherplatz beträgt 32-64 Gbyte und ist nicht erweiterbar. Die rückseitige 13-Megapixel-Kamera verspricht ähnlich gute Bilder und Videos wie die High-End-Konkurrenz zu machen.

Vier frontseitige Kameras für dynamische Perspektiven

Amazon Fire Phone

Amazon Fire Phone

Die größte hardwareseitige Innovation sickerte schon lange im Vorfeld durch. Mittels vier nach vorne gerichteter Kameras („Dynamic Perspective Sensors“) erkennt das Amazon Fire Phone die Kopfposition seines Anwenders und zeigt seinen Bildschirminhalt abhängig davon an. Dadurch entsteht ein bislang einzigartiger 3D-Effekt, der von Amazon als „Dynamic Perspectives“ großflächig vermarktet wird und bei der Navigation ebenso von Nutzen sein soll wie beim Spielen.

Eine auf den ersten Blick weniger spektakuläre Funktion, die aber für wesentlich mehr Kontroversen sorgt, nennt sich Firefly. Dabei handelt es sich im Kern um einen Alles-Scanner: Firefly erkennt Text (Visitenkarten, QR-Codes, Adressen auf Poster, …), Filme und Musik, aber auch Produkte. Abfotografierte Waren lassen sich bei Amazon suchen.

Diese Funktion hat dem Amazon Phone schon jetzt den zweifelhaften Spitznamen „Ultimate Buying Machine“ eingebracht. Gemutmaßt wird bereits, wann erste Händler die Nutzung des Smartphones in ihre Läden verbieten werden, um nicht als Showroom für Amazon-Käufe genutzt zu werden.

Fakt ist: Sämtliche Firefly-Funktionen gibt es bereits seit Jahren in Apps. Amazon hat sie aber einzigartig gut in die Hardware integriert (nebst dediziertem Firefly-Button an der Geräteseite) und mit seinen Content Stores vernetzt. Zusammen mit dem durchwachsenen Ruf von Amazon ruft das vielstimmigen Protest herauf.

Stolzer Preis, gemischte Kritiken

Ansonsten gibt es noch den von den Kindle Fire Tablets bekannten Mayday Button für Sofort-Hilfe bei Problemen. Als Betriebssystem kommt das ebenfalls von den Amazon Tablets bekannte Fire OS zum Einsatz, ein angepasstes Android mit eigenem App Store. Das Gerät wird vorerst nur in den USA verkauft und kostet dort ohne Vertrag stolze 649 US-Dollar, erhältlich ist es ab Ende Juli. Zum Vergleich: Für das Android-Falggschiff Samsung Galaxy S5 sind bei Amazon.com derzeit 590 US-Dollar zu bezahlen. Ganz offensichtlich will Amazon hier bei der Hardware zumindest eine schwarze Null haben, anders als in der Vergangenheit bei dedizierten Lesegeräten und Tablets.

Was ist vom Amazon Fire Phone zu halten? Dazu gehen die Meinungen weit auseinander: FAZ-Redakteur Michael Spehr nannte es auf Twitter schlicht „enttäuschend“, BILD Tech-Freak Martin Eisenlauer widersprach deutlich: „Ich finde, das war der coolste Launch seit Jahren. Neue Funktionen, neue Technik. Mehr geht fast nicht.“

Auch ein Hands-On-Bericht von The Verge zeichnet ein differenziertes Bild: So seien die dynamischen Perspektiven beeindrucken. Ob sie einen wirklichen Nutzen hätten, ließe sich aber erst nach sehr langer Nutzungszeit konstatieren. Das Gerät sei solide verbaut, wirke aber nicht so edel wie etwa das HTC One. Unter dem Strich mache das Fire Phone einen guten ersten Eindruck, wirke aber eher wie ein Mittelklasse-Device – der aufgerufene Preis wirke in Anbetracht dessen heftig.

Tatsächlich ist das Preisschild überraschend, gerade in Anbetracht der engen Verbindung der Firmware zu den diversen Inhalte-Angeboten von Amazon.com und den sich daraus ergebenden Subventionierungsmöglichkeiten. Für eine Prognose zum Erfolg des ersten Smartphone von Amazon ist es sicherlich noch zu früh, ein Selbstläufer wird das Gerät aber sicherlich nicht.

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Kommentare


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