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Mobbing: Goodreads schreitet ein, erzürnt Mitglieder

Die öffentlich ausgetragene Diskussion über schlechte Umgangsformen bei der Leser-Community Goodreads hat Konsequenzen. Die Amazon-Tochter hat eine ganze Reihe neue Verhaltensregeln eingeführt – und damit viele Mitglieder gegen sich aufgebracht, die ihre Meinungsfreiheit gefährdet sehen.

Vor einem guten Monat berichteten wir über eine vorwiegend von Autoren initiierte Bewegung, die üble Nachrede und Verleumnungen bei Goodreads anprangert. Goodreads-Moderatoren sollen persönliche Beleidigungen über Kommentare, Bewertungen und Listen bislang weitgehend untätig zusehen oder sie sogar unterstützen, wurde moniert.

Goodreads untersagt persönliche Kritik

Jetzt hat Goodreads gehandelt. In einem am Freitag veröffentlichten Blogpost wurden unter anderem bessere Melde-Möglichkeiten für fragwürdige Inhalte und klarer Autoren-Richtlinien angekündigt. Kernpunkt aber ist eine neue Regel, die grundsätzlich Kommentare zum Verhalten von Autoren verbietet – egal ob in Form von Listen beziehungsweise virtuellen Regalen, Bewertungen oder Kommentaren.

Was erst einmal nach einer vernünftigen Entscheidung klingt – immerhin sollte es in einer Bücher-Community um die eigentlichen Bücher gehen -, hatte einen Aufschrei bei Goodreads selbst wie auf anderen Social-Media-Plattformen zur Folge. Allein der Goodreads-Blogpost wurde über das Wochenende mehr als 2.200 mal kommentiert. Goodreads lösche unliebsame Bücherregale mit Titeln wie "Autoren, die ich vermeide" ohne Rücksprache und mache damit die Arbeit von Monaten oder Jahren zunichte, beschweren sich einige. Andere sehen sich in ihrer grundsätzlichen Meinungsfreiheit beschnitten, wieder andere verweisen auf unflätige Autoren, die ihrerseits mit den neuen Regeln quasi einen Freifahrtsschein bekämen.

Goodreads hat inzwischen mit zwei Updates auf die offenbar völlig unerwartete Kritik reagiert. Die Löschungen seien keine Zensur, weil die nur aufs Autorenverhalten gerichteten Reviews von Anfang an fehlplatziert bei Goodreads gewesen seien, heißt es. Im zweiten Update entschuldigt sich Goodreads bei den von den unangekündigten Löschungen betroffenen Mitgliedern (es sollen nur 21 sein), ab sofort werde man vorab informieren.

Sturm im Wasserglas oder Mitgliederschwund?

An der grundsätzlichen Sorge vor straffrei und unwidersprochen pöbelnden Autoren ändert das aber nichts. Ebenso ist der Wunsch nachvollziehbar, Bücher zusammen mit ihren Autoren beurteilen zu wollen – gerade bei Sachbüchern scheint ist das bisweilen durchaus Usus, man denke nur um die Debatte um Thilo Sarrazin und sein Buch. Auf der anderen Seite gab es nicht zuletzt aufgrund negativer Schlagzeilen Handlungsbedarf für Goodreads, mit der Regulierung könnte der Dienst aber über das Ziel hinaus geschossen zu sein (oder das Kind mit dem Bad ausgekippt haben, wie es Kollege Nate formuliert). Im Social Web kündigen nun viele Mitglieder ihren Wechsel zu Konkurrenten wie booklikes.com oder die Selbstverwaltung mittels WordPress-Blog & Co. an – sehr gut möglich allerdings, dass es sich dabei nur um eine laute Minderheit der über 20 Millionen Goodreads-Mitglieder handelt.

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Kommentare


Amazon schaltet Social-Reading-Plattform Shelfari ab » lesen.net 20. Januar 2016 um 14:58

[…] In die gleiche Kerbe schlägt das Buchblog The Readers Room, das die Zusammenführung zuerst vermeldete. Weil Shelfari vorwiegend von Viel-Lesern genutzt werde (anders als Goodreads, das in den USA inzwischen eine sehr große Nutzerbasis hat), seien die Diskussionen dort besonders fundiert und fänden in einem angenehmen Diskussionsklima statt. Auf Goodreads hingegen herrscht bisweilen ein sehr rauer Umgangston. […]

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