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[2. Update] Wikileaks-Depeschen im Kindle Store

wikileaksFür viel Aufsehen sorgte Amazon vergangene Woche, als sie die Enthüllungsplattform Wikileaks (anfangs) ohne Angabe der Gründe von ihren Servern nahmen; mitten im Weihnachtsgeschäft hat das Unternehmen plötzlich mit Boykottaufrufen zu kämpfen. Nun sind zumindest die brisanten US-Botschaftsdokumente aber wieder bei Amazon zu finden – als kostenpflichtiges eBook im britischen Kindle Store.

7,37 Pfund sind für die ersten 5.000 veröffentlichten Depeschen zu bezahlen – drahtlose Lieferung auf den eigenen Kindle inklusive. Das eBook wurde bereits am 29.11. (also am Tag der Enthüllungen) über die für Self Publisher vorgesehene Digital Text Plattform eingereicht, aber erst heute von Amazon freigeschaltet.

Innerhalb weniger Minuten zog der Artikel mehrere Dutzend negative Bewertungen auf sich. Im Wesentlichen richtet sich die Kritik gegen Amazon als Zwischenhändler: Auf der einen Seite schränke das Unternehmen die Publizität von Wikileaks ein, auf der anderen Seite bereichere man sich an der Arbeit der Organisation. Amazon bekommt bis zu 65% der über Drittanbieter generierten Umsätze im Kindle Store.

kindle-front-graphiteÜber die Autorenplattform eingereichte Dokumente werden vor der Veröffentlichung grundsätzlich einer Prüfung unterzogen, und auch im Fall der Wikileaks-Depeschen verging über eine Woche zwischen Upload und Live-Schaltung – eine ‚versehentliche‘ oder gegen den Willen von Amazon durchgeführte Publikation kann also ausgeschlossen werden. Was das Unternehmen aus Seattle zum Verkauf dieser ansich kostenlosen Dokumente veranlasst, gegen dessen Verbreitung man wenige Tage zuvor selbst aktiv vorgegangen ist, kann nur spekuliert werden. Der (vermutlich marginale) wirtschaftliche Ertrag wird in keinem Verhältnis zum Image-Schaden infolge dieser Aktion stehen.

Der eigentliche Verkauf anderswo kostenlos verfügbarer Dokumente über den Kindle Store ist nichts Ungewöhnliches. In den USA stand Amazon gerade erst in der Kritik, weil gemeinfreie eBooks aus dem Project Gutenberg von nicht am zeitaufwändigen Digitalisierungsprozess beteiligten Anbietern kostenpflichtig auf Amazon.com angeboten werden.

[Update] Nach über acht Stunden und (erwartbaren) zahlreichen Medienreaktionen hat Amazon die Depeschen gestern Abend von seiner Seite genommen.

[2. Update] Inzwischen (10.12. 14:00 Uhr) ist das eBook wieder da – nun aber mit dem Hinweis versehen, es handele sich lediglich um Beschreibungen und nicht um die Depeschen selbst. Zudem ist das eBook nun auch bei Amazon.com erhältlich.

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Kommentare


Peter Lustig 9. Dezember 2010 um 14:50

Wer Wikileaks unterstützen möchte kann auf wauland.de schauen wo man spenden kann. Ist in meinen Augen noch viel effektiver als Boykotts oder DoS-Attacken. Dann haben die in Zukunft mehr Geld um solche Veröffentlichungen zu finanzieren. Und dass es den Verantwortlichen nicht gefällt, sieht man ja an der völlig überzogenen Reaktion.

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That’s Capitalism « Blöde Reklame, 9. Dezember 2010 um 23:39

[…] So einfach geht das: mit der linken Hand WikiLeaks vom Server schmeißen, mit der rechten Hand WikiLeaks-Veröffentlichungen verkaufen: Wikileaks-Depeschen im Kindle Store (lesen.net) […]

Antworten

danny 9. Dezember 2010 um 23:41

hm, ergo: finger weg von amazon?

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carokann 10. Dezember 2010 um 12:37

Beste Unterstützung für wikileaks IMHO: man lese die veröffentlichten Depeschen und rede darüber!

Gibt es sie schon als gutes epub?

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paradoxus 10. Dezember 2010 um 14:18

Dieser Heinz Duthel hat hunderte oder sogar tausende E-Books und BoD bei Amazon untergebracht — alle mit dem gleichen Geschäftsmodell wie mir scheint: Texte aus PD absaugen und bei Amazon gegen Geld anbieten. So wie es auch der Müller-Verlag VDM und andere machen, die für ein irrsinniges Geld Wikipedia-Content bei Amazon verkaufen und die Suchergebnisse zumüllen: die moderne Form des Spammens. Mit einem Kauf sollte man derartiges Geschäftsgebaren auf keinen Fall unterstützen.

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Japan: Viel Piracy im iBookstore » eBooks » lesen.net 15. Dezember 2010 um 11:47

[…] ist in diesen Tagen nicht der einzige Konzern, dem problematische Inhalte seines Online-Buchladens zu schaffen machen. Konkurrent Apple hat sich […]

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