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Readmill macht dicht: "Wir sind gescheitert"

Das mit großen Ambitionen angetretene Social-Reading-Startup Readmill geht in drei Monaten vom Netz. Die schon vorab durchgesickerte Übernahme des Teams durch Dropbox wurde vom Berliner Startup am Freitagabend bestätigt, am gestrigen Sonntag wurden dann alle Nutzer per Newsletter über das nahe Ende in Kenntnis gesetzt. In ihrem "Epilog" gehen die beiden Gründer erstaunlich offen mit der Einstellung des Dienstes um – ein Fingerzeig auch für ähnlich gelagerte Unternehmen.

Readmill in Aktion

Readmill in Aktion

Readmill gehört zu den prominentesten E-Reading-Startups, mit "Apps" und "Social Reading" hatte man gleich zwei Buzzwords im Geschäftsmodell und wurde entsprechend von Spiegel Online & Co. porträtiert. In der Lese-App – seit drei Jahren für iOS erhältlich, seit letztem Herbst auch für Android – konnte man innerhalb der eBooks Textstellen gemeinschaftlich diskutieren. Die App erfreute sich durchaus einer gewissen Beliebtheit, schaffte aber nie den wirklichen Durchbruch. Das war zu wenig für die Gründer, aber wohl auch für die hinter Readmill stehenden Investoren.

In ihrer Erklärung wählen die schwedischen Gründer, für deren Dienste Dropbox Readmill für 8 Millionen US-Dollar übernimmt und einstellt, dann auch deutliche Worte. "Wir sind daran gescheitert, eine nachhaltige Lese-Plattform zu erschaffen", heißt es im Statement.  "Das [Aus von Readmill] tut uns sehr leid. Wir haben jede Option abgewägt, bevor wir die schwierige Entscheidung trafen, das Produkt einzustellen, das uns zusammenbracht." Am 1. Juli ist Schluss, eine Neuanmeldung schon seit Freitag nicht mehr möglich.

Social Reading: Nische statt Massenphänomen

Was für Schlussfolgerungen kann man aus dem Readmill-Aus ziehen? Lesen bleibt offensichtlich auch im digitalen Raum vorwiegend ein privates Erlebnis, das Bedürfnis zum Austausch innerhalb des Buches (nicht zu verwechseln mit gemeinsamen Besprechungen von Büchern, also das Goodreads- und Buchclub-Prinzip) scheint zumindest bei fiktionalen Texten eher gering. Auch die Social-Reading-Funktionen bei Amazon (Popular Highlights, Public Notes) werden offensichtlich nur von einem winzigen Teil der Leserschaft genutzt, hinzu kommen Bedenken im Bezug auf den Datenschutz.

Überhaupt wird Amazon ein wesentlicher Sargnagel für Readmill gewesen sein. Beim nahezu überall marktbeherrschenden E-Reading-Anbieter gekaufte Titel waren – solange DRM-geschützt – nicht kompatibel mit Readmill, der Bedarf für eine weitere App angesichts der ausgereiften Kindle-Apps für Kunden des Unternehmen ohnehin gering. Auch andere eBook Stores haben seit dem Start von Readmill vor drei Jahren ihre Lese-Apps erheblich weiterentwickelt – ein schickes Äußeres und ein Kommentarsystem war offensichtlich nicht genug, um Digital-Leser zur Übertragung ihrer Bibliothek zu bewegen.

Licht und Schatten bedeutet das Readmill-Aus für ähnlich gelagerte Startups wie subtext,  dotdotdot und sobooks. Insbesondere das erst im letzten Herbst gestartete Sobooks, hinter dem unter anderem die bekannten Medienköpfe Sascha Lobo und Christoph Kappes stecken, könnte theoretisch zwangsweise umzugswillige deutsche Readmill-Nutzer zu sich lotsen. Praktisch stehen dem aber noch ein extrem überschaubares Sortiment (an dem sich in den letzten Monaten auch nichts tat) und die fehlende Upload-Funktion für eigene Inhalte entgegen.

<Bildnachweis: Social Reading von Shutterstock>

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Kommentare


Ruhe! Ich lese! | MyStory Verlagsservice Chris Kurbjuhn 31. März 2014 um 19:33

[…] hat dicht gemacht” melden lesen.net und die Branchenblätter. “Readmill? Was das?” werden sicherlich die meisten fragen, […]

Antworten

Klicks der Woche | edition fredebold 4. April 2014 um 14:39

[…] Dropbox verkauft und eine offizielle Erklärung zum Scheitern herausgegeben. Die Gründe kann man hier nachlesen. Als Fazit lässt sich festhalten, dass im Netz und auf Papier zwar gerne über Bücher diskutiert […]

Antworten

Berliner Social-Reading-Startup Dotdotdot gibt auf » lesen.net 27. Februar 2015 um 14:34

[…] TheNextWeb beschrieb das Berliner Startup als Mix aus dem Read-It-Later-Dienst Pocket und der inzwischen eingestellten Social-E-Reading-App Readmill. Die erste Beta-Version der iPad-App von Dotdotdot ging Ende […]

Antworten

eBook Flatrate Oyster geht vom Netz – Google übernimmt » lesen.net 22. September 2015 um 15:45

[…] nicht unbedingt wie eine ebensolche. Anders etwa als das Social-Reading-Startup Readmill (“Wir sind gescheitert“) ergeht sich Oyster in seinem wohl letzten Blogpost in Eigenlob darüber, wie sehr man […]

Antworten

Social-Reading-Plattform Sobooks gibt auf » lernen.net 3. Juni 2018 um 19:15

[…] des E-Reading-Marktes gepflastert von Dergleichen. Zu den größeren Pleiten gehörte 2014 das Berliner Startup Readmill und 2015 das ebenfalls in Berlin beheimatete Dotdotdot. Hinzu kommen zahlreiche gescheiterte […]

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