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eBook Piracy nicht aufzuhalten?

piratenflaggeIm Zuge des rasanten eBook Marktwachstums und immer günstigerer + besserer Lesegeräte gewinnt das Thema „eBook Piracy“ zunehmend an praktischer Bedeutung. Kamen lange Zeit Szenarien von an jeder dunklen Internetecke verfügbaren Raubkopien digitaler Literatur lediglich in Flipcharts und Powerpoint-Präsentationen von Verlagen wie Security Dienstleistern vor, lässt zumindest das illegale Angebot in englischer Sprache inzwischen tatsächlich kaum noch Wünsche offen – und trifft zugleich auf eine rasch steigende Nachfrage. Erste Printkolumnisten prophezeien bereits einen unmittelbar bevorstehenden massiven Aderlass in der Verlagsbranche.

Zur Frankfurter Buchmesse publizierte Attributor eine vor allem auf Google-Suchzahlen gestützte Studie, nach welcher täglich 1,5-3 Millionen Menschen illegale eBook-Downloads nachfragen – im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um glatte 50%. Obwohl Attributor als Anti Piracy Dienstleister mit der Veröffentlichung natürlich eigene Interessen verfolgt, besteht am Trend wenig Zweifel: Mit der wachsenden Verbreitung von dedizierten Lesegeräten (bzw. multifunktionalen Devices wie dem iPad oder Smartphones, mit denen auch halbwegs komfortabel gelesen werden kann) nimmt auch die Nachfrage nach Literatur zu.

ebooks-googleSind die gewünschten Titel dann zu teuer (nach subjektivem Empfinden), mit die Zugänglichkeit einschränkenden Fußfesseln versehen (Stichwort DRM) oder schlicht nicht bzw. nur mit Verzögerung digital verfügbar (Harry Potter eBooks gibt es nach wie vor nicht auf legalem Wege), erweitert sich der Suchhorizont übers Erlaubte hinaus. Dass wir es auch in Deutschland bereits mit einer beträchtlichen Nachfrage nach piraterierten eBooks zu tun haben, illustriert eine einfache Google-Suche nach „eBooks“. Google Suggest – automatisch generierte Ergänzungsvorschläge mit besonders häufig genutzten Suchphrasen – schlägt hier aktuell vier Keyword-Kombinationen mit explizit illegaler Suchintension vor (torrent, rapidshare, warez, ddl; Screenshot rechts).

Die sich in den letzten Monaten (iPad-Verkaufserfolge, verbesserter und vergünstigter Kindle 3) zusehens beschleunigende Entwicklung lässt nun erste Leitmedien das nahende Ende der traditionellen Buchindustrie ausrufen. The Daily Telegraph, auflagenstärkste Qualitätszeitung in Großbritannien, veröffentlichte vorgestern einen Online-Kommentar, dessen Titel eigentlich schon für sich spricht: „Your time is up, publishers. Book piracy is about to arrive on a massive scale.

weihnachtstasteDer Autor Adrian Hon beschreibt hier zunächst persönliche Erfahrung mit dem in den letzten Monaten massiv verbesserten und erweiterten illegalen eBook-Angebot – beliebte Titel seien inzwischen in allen gängigen Formaten verfügbar, teilweise auch in Bundles (.zip-Archiven) mit verwandten älteren Büchern. Vom nächsten Weihnachtsfestes erwartet Hon die nächste Zündstufe eines Prozesses, an dessen Ende in seinen Augen eine Transformation der gesamten Buchbranche steht – analog zur Musikindustrie, die einen solchen schmerzhaften Schrumpfungs- und Wandlungsprozess bereits hinter sich hat.

Interessant ist, wie Hon das „Abrutschen in die Illegalität“ vormals ehrlicher Buchkäufer in mehrere Phasen untergliedert. An erster Stelle stehe demnach die illegale Beschaffung von digitaler Literatur, für welche man bereits in Print-Form Geld bezahlt hat – selbst die New York Times beurteilte dies bereits als ethisch einwandfrei. Hon schlägt Publishern dazu vor, vergünstigte Bundles aus Print+eBook zu schüren; in Deutschland „dank“ Buchpreisbindung ein Ding der Unmöglichkeit.

project_gutenberg_logo.pngAn zweiter Stelle steht demnach der Bezug von Büchern, deren Autoren bereits tot sind – mit dem Hintergedanken, dem Erschaffer des Werkes kämen die Verkaufserlöse ohnehin nicht mehr zugute. Tatsächlich handelt sich auch bei sogenannter gemeinfreier Lektüre um eine riesige Grauzone: Im Kopf jedes eBooks vom alterwürdigen Project Gutenberg findet sich nicht umsonst ein Passus, vorm Schmökern die gesetzlichen Schutzfristen im eigenen Land in Augenschein zu nehmen. Ein etwa in Kanada legaler Download kann durchaus rechtswidrig sein, wenn er von Deutschland aus vorgenommen wird.

Hat man sich erst einmal einzelne eBooks oder Kollektionen aus der Internet-Halbwelt besorgt, stellt sich nach Hon schnell die Frage, warum man für eBooks überhaupt noch Geld zahlen solle. Dafür gibt es sicherlich verschiedene Gründe und Stellschrauben, an welchen die Industrie drehen kann: Furcht bzw. Abschreckung durch massive Kontrollen und drakonische Strafen liegt nahe, hat sich aber im letzten Jahrzehnt (für sich genommen) als wenig wirksam entpuppt lässt sich zudem nur schwerlich mit diversen Grundrechten vereinbaren.

Ein wirksamerer Hebel scheint die Maximierung der Convenience. Wer über den integrierten eBook Store seines Kindles mit zwei Klicks eines von Hunderttausenden in bester Qualität aufbereiteten eBooks kabellos aufs Lesegerät (und gleichzeitig via App auf iOS- & Android-Devices, PC, Mac, …) bekommt, überlegt sich zweimal, ob er sich werbeüberladene und häufig nicht ungefährliche Piratenseiten antun soll.

sony_reader_touch_edition_prs650-html_664576_g2Es ist nicht abwegig zu vermuten, dass unter Kindle-Lesern Piracy deutlich weniger verbreitet ist als bei Nutzern weniger konnektiver Lesegeräte; auf der Buchmesse spitzte ein Kollege (Redakteur bei großtem deutschen IT-Magazin) diese These dahin gehend zu, mit dem WiFi-losen, aber ansonsten exzellenten PRS-650 Touch Edition habe Sony das perfekte Lesegerät für Filesharer konstruiert.

Ein Themenkomplex für sich ist das Pricing. Hier wollen die Verlage momentan noch keinen Boden hergeben, den sie später einmal nicht mehr gegen sich festigende Lesergewohnheiten und -erwartungen zurückerobern könnten – möglicherweise ein Fehler, denn auch Piracy wird zur Gewohnheit. „Added Value“ zum Print-Preis wie in Sascha Lobos Strohfeuer App (um deren Pricing aktuell ein unterhaltsamer, aber in der Sache wenig konstruktiver Disput ausgefochten wird) könnten sich hier als goldener Mittelweg erweisen; dem steht allerdings gegenüber, dass längst nicht alle Literatur wie auch immer geartete Anreichungen verträgt bzw. von Lesern angereicht gewünscht wird.

Den Schlüssel zum (mindestens) schadlosen Übergang ins digitale Zeitalter haben insbesondere Bellektristikverlage offensichtlich noch nicht gefunden, vielleicht gibt es ihn auch gar nicht. Sicher ist allerdings, dass ein „Duck and Cover“ Vorgehen, eBooks aus strategischen Gründen mindestens auf Print-Niveau zu bepreisen (Rowohlt) oder überhaupt keine digitalen Ausgaben des Sortiments anzubieten, der Raubkopiererei keinen Einhalt gebieten wird – im Gegenteil.

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Kommentare


Christian Klammer 15. Oktober 2010 um 21:04

Wenn man sich anschaut, was für Preise für neue Bücher zu zahlen sind und welchem Wertverlust die so erworbenen Bücher dann unterliegen … also da wird sicher über Raubkopien nachgedacht.

E-Books sind ja dann billiger und umweltfrendlicher. Aber wenn der Reader/ die Festplatte sich dann verabschiedet dann ist doch bei vielen mangels möglicher Datensicherung der DRM-geschützten Bücher die Totalverlust der Bibliothek Realität. Raubkopien kann man hingegen problemlossichern UND auf anderen Betriebssystemen wie Linux problemlos lesen: denn DRM=Windows und nur ganz bestimmte Ebookreader. Ich meine, daß wenn ich auf der Autobahn fahren will man mich nicht zwingen soll, nur ein paar bestimmte Automarken benutzen zu dürfen.

Und vieles liegt ja auch legal nicht als Ebook vor … die Verlage und Authoren hängen ja dann oft dem Stand der Dinge ganz gewaltig hinterher.

Also hier und heute haben Raubkopien m. A. nur Vorteile für den Endbenutzer. Ganz technisch unbedarft sollte man aber schon nicht sein …

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jazznrhythm 15. Oktober 2010 um 21:14

Die momentane Situation dürfte zum großen Teil auf einem Missverständnis aller Beteiligten beruhen. Zum Einen ist sicherlich das aktuelle DRM ein Hemmschuh, der rechtmäßige Kunden immer wieder verwirrt. Adobes Schutz dient nicht dazu ebooks populärer zu machen, sondern eher komplizierter. Ein Großteil der Leser möchte damit so gut wie nichts damit zu tun haben. Kindle, Oyo etc. umgehen das zwar geschickt, aber geben langfristig doch nicht das Gefühl rechtmäßiger Eigentümer eines Buches zu sein. Die gewählten Verfahren erinnern eher an gebührenpflichtige Leihbibliotheken. Kaufe ich ein Buch aus Holz, dann bleibt mir hier einiges erspart. Die traditionellen Vorteile eines Buches werden hier eher deutlich als das sie abnehmen.

Zum Zweiten ist sicherlich die Preisgestaltung und Buchpreisbindung etwas, das dringend überdacht werden muß. Langfristig könnten ebooks den Markt so stark verändern, das bestimmte Berufssparten Einbußen erleben oder komplett verschwinden. Der Onlinehandel kann aus dem ebook-Verkauf gestärkt hervorgehen (gesenkte Distributionskosten, keine Lagerhaltung, kein Versand etc.), Verlage müssen sich ihre Daseinsberechtigung erkämpfen (siehe Amazons-Versuch, den Verlag teilweise zu umgehen oder zu ersetzen) und der Offlinehandel muss sich neue Wege zur Kundenbindung überlegen. Warum der Kunde von diesen Umwälzungen nicht partizipieren soll, das dürfte ein Großteil der Kundschaft überhaupt nicht verstehen. Es ist auch nicht mit der Tatsache erklärbar, das aktuell die Investitionen für ein ebook unter Umständen höher sind als bei einer Printausgabe, weil man eben eine neue Infrastruktur schaffen muß. Das nennt man eigentlich Investitionskosten.
In der aktuellen Situation hat der Kunde also oftmals das Gefühl zuviel zu bezahlen und dem Vertrieb damit einen übertriebenen Gewinn zu verschaffen. Ob das realistisch ist, das sei mal dahin gestellt, das Gefühl ist jedensfalls da.

Zum Dritten gibt es momentan bedauerlicherweise noch kaum vollständige Bibliographien einzelner Autoren, so das viele Leser in mühseliger Klein- und Fanarbeit, das aufarbeiten und einscannen, was Verlage verpassen. Oft kommen ebooks überhaupt nicht raus, oder verspätet oder nur in einer Sprache oder erscheinen beim anderen Buchhändler, beim anderen nicht, liegen in einem fremden Format vor usw. Dieses Chaos verführt unweigerlich Kunden dazu zur Selbsthilfe zu greifen und ein Sortiment zu schaffen, das Verlage nicht zu bieten bereit sind.

Einen Großteil dieser Probleme kann man relativ einfach lösen, warum Chancen verpasst werden obwohl diese Diskussionen schon seit Jahren geführt werden, und Erkenntnisse aus anderen Marktsegmenten vorliegen, das wissen die Götter :-)

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Thomas Knip 15. Oktober 2010 um 22:53

Raubkopien können dadurch eingedämmt werden, dass man als Verlag auf die Wünsche, Interessen und Bedürfnisse der Leser eingeht – aber das würde heißen, eine Servicekultur und Dienstleistungsmentalität zu entwickeln, die hierzulande noch mehr gefürchtet wird als Raubkopien …

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Patrick 15. Oktober 2010 um 23:35

Eigentlich sollte man ja glauben, das die Verlage bzw. die Buchindustrie allgemein aus der Geschichte der Musik- bzw. Filmindustrie gelernt hätte. Aber nein, auch dort hängt man wohl lieber den weltfremden Meinungen nach, das man den ehrlichen Nutzer mit DRM belästigen und mit überteuerten eBooks bestrafen muss. Der/Die ehrlichen zahlen ja schließlich jeden Preis und lassen sich maßlos gängeln.

Das man sich so das eigene Grab schaufeln wird, wird heute aber auch in Zukunft nicht akzeptiert werden. Lieber gibt man den Filesharern die Schuld. Schließlich ist ja jedes eBook das per Filesharing bezogen wird, ein entgangener Verkauf, nicht wahr? War und ist ja bei Musik und Filmen nicht anders. Jedenfalls wenn man der jeweiligen Industrie glauben mag. Das sich die Wahrheit etwas anders verhält, wissen vermutlich alle.

Tatsächlich gibt es wohl nur 2 Punkte, die allen das Leben erleichtern würde. Abschaffen vom DRM und der elendigen Buchpreisbindung.

Ohne Buchpreisbindung gäbe es vermutlich einen Wettbewerb, der jedem Kunden zu gute kommen würde.

Klappt bei Strom und Telefon ja auch teilweise. Tatsächlich wäre eine Regulierungsbehörde ein interessanter Punkt. Schließlich gibt es im Buchmarkt auch ein Monopol neben dem anderen.

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Sebastian 16. Oktober 2010 um 09:13

Das Problem ist in der Tat, dass es einfacher ist, eine Raubkopie zu bekommen, als ein legales eBook. So lange sich hier nichts ändert, wird der legale Markt keine Chance haben.

Die Prozedur, bis ich mal ein gekauftes eBook lesen kann, ist dermaßen kompliziert, dass ich selbst als „IT-Fachmann“ davor zurück schrecke. Ich kaufe dann lieber bei DRM-Freien Läden, wie z. B. Beam. Da funktioniert der Markt. Ich kriege Literatur, und kann Sie mit jeder Software und jedem Gerät verwenden. Am Schluss funktioniert sogar meine reguläre Backup-Lösung um die erworbenen eBooks permanent abzulegen…

Leider haben davon die meisten großen Verlage nichts, weil sie sich diesem Konzept verwehren. Das die Stimmungsführer daher negative Schlüsse ziehen, wundert mich nicht.

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Christoph 16. Oktober 2010 um 10:17

Darüber das sich Raubkopien auch bei Büchern verbreiten werden, brauch man sich nicht wundern.

Allerdings nicht nur, weil der Zugriff dadurch einfacher wird, sondern schlicht weil die Inhalte weitgehend kostenlos Verbreitung finden.

Dabei müssen sich auch gar nicht alle Bücher auf illegalem Wege verbreiten.
Wenn Studenten oder auch Berufstätige teure Fachbücher digital kopieren können, fehlen den Herausgebern ein wichtiger Teil der Einnahmen.

Das passiert schon heute, so manch ein Fachbuch wandert auf den Scanner und wird im Heimbetrieb digitalisiert.
Und nicht nur diese, denn natürlich werden auch die meist verkauften Titel der Belletristik auf diesem Wege vervielfältigt.

Gefährlich wird das durch die eBook-Geräte erst, weil es nun deutlich attraktiver wird, nur noch die digitale Kopie eines Buches zu nutzen.
Vor Jahren habe ich noch häufig beobachten können, das sich zum Beispiel aktuelle Ausgaben der Harry Potter Buchreihe als PDF verbreitet haben.
Aber mehrere hundert Seiten auszudrucken und im Kopierladen binden zu lassen, ergibt ein zwar lesbares, aber hässliches Exemplar das trotzdem Geld kostet. Allerdings wurden die meisten Kopien dieser Art im Kopierraum großer Firmen auf deren Kosten angefertigt.

Nichts spricht dagegen, statt PDF einfache ePub zu verwenden und gleich das Lesegerät damit zu beschicken. Die nötige Software als Grundausstattung dazu liegt den meisten Druckern oder Scannern gleich bei oder lässt sich kostenlos beziehen.

Aber auch bereits in digitaler Form vorliegende Daten können leicht vervielfältigt werden.
DRM ist zwar leider notwendig um diese Möglichkeit zu erschweren. Leider ist es bereits jetzt schon kein Problem für viele Anwender, diesen Schutz zu umgehen.
So könnten einmal gekaufte Bücher die Runde machen oder gleich die von vielen Büchereien angebotenen, digitalen Leihbücher.

Abhilfe brächte nur ein Wasserzeichen das auch bei Konvertierung von Datenformaten erhalten bleibt.
Das verhindert dann nicht die Kopie, vereinfacht aber die Strafverfolgung.

Schutzmaßnahmen sind aber leider unverzichtbar.
Wer sein Haus oder seine Wohnung verlässt, verschliesst schliesslich auch die Tür und lässt sie nicht offen stehen.
In einer perfekten Welt wäre bei der Heimkehr der Hausstand noch vollständig.
In der Realität wahrscheinlich nicht.

Es würde auch nicht weniger Geklaut werden, wenn alle Türen immer offen stehen würden.
Also würde auch immer ein eBook kopiert werden, egal wie billig es ist oder wie leicht es zu kaufen wäre.

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zottel 16. Oktober 2010 um 22:13

Nur ein kurzer Hinweis: Verbilligte Bundles sind auch mit Buchpreisbindung kein Ding der Unmöglichkeit. Der Preis wird gewissermaßen immer für ein „Verkaufsobjekt“ festgelegt. Wenn dieses Objekt ein Bundle aus Buch und eBook ist, kann dafür ein anderer Preis festgelegt werden als die Summe der Einzelpreise.
Schließlich gibt es auch Schuber mit mehreren Bücher einer Reihe, die weniger kosten als die Summe der Einzelpreise der enthaltenen Bücher.

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Thomas Knip 16. Oktober 2010 um 23:17

Was viele Verlag eifnach geflissentlich ignorieren – die meisten illegalen Kopien werden von der gedruckten Vorlage erstellt.

Solange es also ein gedrucktes Buch gibt, kann ein eBook so kopiergeschützt sein, wie es will; notfalls leiht man sich das Buch in der Bibliothek oder bei einem Freund aus, legt es auf den Scanner und verteilt diese eigene Kopie.

Alleine die Existenz von Büchern sorgt also dafür, dass es de facto keinen wirksamen Kopierschutz geben kann.

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Jörg 17. Oktober 2010 um 14:40

Der Sinn von einem Kopierschutz ist auch nicht illegale Kopien zu verhindern. Wenn du das als Definition von „wirksamen Kopierschutz“ nimmst wird es ihn nie geben, für nichts. Man kann jeglichen Schutz umgehen.
EIn Motorradhelm schützt dich ja auch nicht wenn du mit 150 gegen einen Laster knallst.

Der Sinn von Schutz ist etwas zu erschweren, einen bestimmten Vorfall unwahrscheinlicher zu machen. Und genau das tut der Kopierschutz. Klar kannst du ein analoges Buch einfach manuell kopieren. Aber das ist nicht nur sowohl um Größenordnungen umständlicher als einfach eine Datei zu kopieren, das Ergebnis ist auch erheblich minderwertiger als ein ebook. Bevor ich mir ein PDF auf einem eReader antu kaufe ich lieber das ebook*.
Wenn mit Texterkennung gearbeitet wird ist das Ergebnis besser, aber noch immer schlechter als das Original.

*Solange es nicht gerade ein 50€ Fachbuch ist. Aber da würde ich mir in absehbarer Zukunft auch noch immer eher die Papierversion kaufen, da bei solchen Büchern Skizzen, Darstellung, etc wichtig sind und man Notizen ins Buch schreiben will. Dies ist für ebooks viel umständlicher.

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Johannes 17. Oktober 2010 um 15:18

@zottel Weiß von verschiedenen Verlagen, dass sie gerne solcherlei Print+eBook-Bundles anbieten würden, dies aufgrund der Buchpreisbindung (nach der in welcher Form auch immer vergünstigte Abgaben eben verboten sind) nicht realisieren. Gibt ein paar Ausnahmen, Bücherclubs etwa (wo ein Buch vom Clubbetreiber extra neu verlegt und als zB Weltbild Edition den eigenen Mitgliedern vergünstigt zugänglich gemacht wird); für Bundles gibt es hier aktuell aber keinen Spielraum, solange eBooks buchpreisgebunden sind.

ciao
Johannes

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philipp diesenreiter 17. Oktober 2010 um 17:41

muss mich der meinung einiger hier anschliessen: solange es leichter ist bücher illegal zu bekommen als auf legalem weg, werden raubkopien der weg sein, den die meisten nehmen werden.

ich hab selber des öfteren bücher die mich interessieren gesucht und finde diese bei uns nicht (und in übersee nicht für europäer erhältlich) bzw wenn doch dann meist so teuer wie das hardcover buch (auch wenn es schon eine taschenbuchversion gibt)

wer unbedingt wie die musikindustrie enden will, ist selber schuld

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Max Franke 18. Oktober 2010 um 10:55

„Sind die gewünschten Titel dann zu teuer (nach subjektivem Empfinden), mit die Zugänglichkeit einschränkenden Fußfesseln versehen (Stichwort DRM) oder schlicht nicht bzw. nur mit Verzögerung digital verfügbar (Harry Potter eBooks gibt es nach wie vor nicht auf legalem Wege), erweitert sich der Suchhorizont übers Erlaubte hinaus.“

Genau das scheint aber das Problem zu sein: Unser eBook-Angebot kommt bewusst ohne hartes DRM aus (dafür mit Watermark) und wir empfehlen unseren Autoren einen Verkaufspreis von ca. 4,99 €. In Gesprächen zeigten sich viele Vertreter der „alten Welt“ schockiert über unser Vorgehen und forderten für die Branche atombombensichere DRM-Strukturen und deutlich höhere Verkaufspreise. M.E. wird hier gerne vergessen, was der Endverbraucher eigentlich möchte und das hier User-Experience alles ist. Wenn die Branche keine nutzerfreundliche Lösung bietet, werden sich illegale Angebote erst recht durchsetzen (die dann auch von sonst legal agierenden Käufern zwecks mangelnder Alternativen genutzt werden)

Der vielzitierte Vergleich mit der Musikindustrie ist gar nicht so weit hergeholt!

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t3n-Linktipps: Conversation Prism, Hacker – Der Film, Eduardo Saverins Lehren, zentriertes Webdesign und E-Book Piracy » t3n News 18. Oktober 2010 um 17:58

[…] Mit steigender Verbreitung von günstigen bis billigen E-Book-Readern kommt auch das Thema „Piracy“ wieder auf die Agenda. Einen schönen Überblick zum aktuellen Stand liefert Johannes Haupt ab. […]

Antworten

Bigboo73 19. Oktober 2010 um 14:25

So ein Schwachsinn, wie schon von einem Vorredner erwähnt, werden die meisten Raubkopien von den gedruckten Vorlagen erstellt. Man kann sich mittlerweile für einen Appel und Ei eine Kopierstation selbst bauen, sucht mal auf Youtube ;)

Je vollständiger das Ebook Sortiment und je komfortabler ich als Kunde rankomme umso weniger Raubkopien gibt es.

Mich stört zwar persönlich DRM überhaupt nicht, da es kinderleicht ist mit Adobe Digital Editions Bücher auf den Reader zu bekommen, aber ich glaube schon dass das ein Hemmgrund sein könnte. gerade bei Fachliteratur, weil man diese sicherlich auf mehreren Devices benutzen will wie nur am eigenen PC und/oder E-Bookreader.

Nochmal zum Abschluss ich bin echt von keiner Lobby angehalten meine Meinung pro DRM abzugeben, aber diese Horror Stories die man hier teilweise über DRM liest sind absoluter Unfug, jedenfalls wenn man einen PC benutzt über Mac kann ich nichts sagen.

IdR. bekommen man von seinem Onlineshop einen Downloadlink, den klickt man an, daraufhin startet sich Adobe DE automatisch (einmalige Installation notwendig, wie bei jedem PC Programm) und lädt das Buch herunter.

Man schliesst sein ebookreader an, Adobe DE erkennt diesen (sogar mein Hanvon N518 wird erkannt und den kennt nicht mal calibre) und man zieht sein Buch per Drag-and-Drop herüber. Das wars, da brauch man kein IT Fachmann sein ;)

Ich habe übrigens letzten Monat ein ebook heruntergeladen das ich mir vor 5 Jahren (2005) bei ciando gekauft hatte und damals auf meinem Handy nicht lief… die online Shops halten das also vor, genauso bei Libri wo ich jetzt einkaufe, eine bessere Sicherheitskopie gibts nicht.

Wie schonmal erwähnt ich werde von niemanden bezahlt hier Werbung für DRM zu machen ;) aber der größtenteils unwahre polemische Quatsch den ich hier schon oft in den Kommentaren gelesen habe, regt mich langsam auf.

DRM nervt, aber ist auch nicht wirklich schlimm. Wenn man Adobe DE installiert hat, sind es vieleicht 2 clicks mehr…

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Alben, E-Books: Alles für 1 Euro? | Blog der Frankfurter Buchmesse 19. Oktober 2010 um 15:05

[…] Dickins Idee für den massenhaften Verkauf von E-Books inklusive seiner Reader bedenkenswert. Und E-Book Piracy wäre kein […]

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André 19. Oktober 2010 um 15:13

@Johannes

Die Preisbindung besagt doch nur, dass alle Händler das Buch/das Bundle zum gleichen Preis verkaufen müssen.

Ich sehe nicht, wie das einem Bundle entgegenstehen sollte. Ein eBook kostet dann z.B. 3,99 Euro und ein Hardcover mit einem Gutschein für den eBook-Download 9,99 Euro.

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Andi 19. Oktober 2010 um 18:51

Hallo!
Ein Bekannter liest tagsüber meist auf einem Sony (DRM kein Problem), abends aber auf einem iPad (wg. Licht). Er kauft seine Bücher, gerne (!): schliesslich müssen – und sollen – die Autoren auch leben und neue Bücher schreiben wollen. Aber was soll er machen? Ohne DRM entfernen geht gar nichts. Bei der Suche danach findet er natürlich alles mögliche. Hätte er nie gemacht, wenn ihn das unsägliche DRM nicht dazu „gezwungen“ hätte…
Neulich kaufte er ein PDB-Buch, kann es aber NUR auf demselben PC lesen, von dem aus er es gekauft hatte. Ärgert sich massiv, ist ja wohl klar.
Und: ein Buch kann man in 10 oder 20 Jahren nochmal lesen; garantiert hat man dann aber einen anderen Reader. Ob dann das DRM noch funktioniert, muss angezweifelt werden.

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Ebooks und die wachsende Piraterie « Kalingeling – Verdienstkonzepte im Netz 20. Oktober 2010 um 16:01

[…] Lesen.net findet sich dazu ein sehr empfehlenswerter Artikel zur Einführung ins Thema. Allerdings vermisse […]

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Gregor Meisen 22. Oktober 2010 um 09:36

„Tatsächlich gibt es wohl nur 2 Punkte, die allen das Leben erleichtern würde. Abschaffen vom DRM und der elendigen Buchpreisbindung.

Ohne Buchpreisbindung gäbe es vermutlich einen Wettbewerb, der jedem Kunden zu gute kommen würde.“

Klar gäbe es einen Wettbewerb, wenn die Buchpreisbindung abgeschafft würde. Und wahrscheinlich würde sich auch jeder freuen, wenn man dann bei Aldi den Grisham, Follett oder Bestseller XY für 5,99 € finden würde. Dass dann aber auf der anderen Seite das Fachbuch, das ich zum Studium/Beruf brauche nicht mehr 19,95 € sondern vielleicht 39,95 € kostet, wäre dagegen aber eher nicht so angenehm. Und dass eine Aufhebung der Preisbindung in etwa diesen Effekt hat (Bestseller werden günstig, der Rest wird teurer), kann man z. B. in der Schweiz oder in GB verfolgen.

Ich sehe allerdings in der Preisbindung kein Hindernis für „Bundles“ aus Print-Buch und E-Book: Die Preisbindung verbietet es einem Verlag z. B. nicht, für eine kombinierte Ausgabe einen separaten Preis festzulegen, wenn der Verlag hierfür eine eigene ISBN vergibt. Im Rahmen der Buchmesse habe ich mitbekommen, dass über eine solche Vorgehensweise bereits bei namhaften Verlagen nachgedacht wird, auch in unserem Haus ist das im Augenblick ein Thema.

„Und vieles liegt ja auch legal nicht als Ebook vor … die Verlage und Authoren hängen ja dann oft dem Stand der Dinge ganz gewaltig hinterher.

Also hier und heute haben Raubkopien m. A. nur Vorteile für den Endbenutzer. Ganz technisch unbedarft sollte man aber schon nicht sein …“

Wenn etwas „legal“ nicht als E-Book vorliegt, bedeutet das aber ja nunmal noch lange nicht, dass ich es mir einfach selbst erstellen darf! Da die Rechte am geistigen Eigentum beim Autoren oder (zwecks Veröffentlichung) beim Verlag liegen, ist es auch deren Entscheidung, ob ein Buch elektronisch veröffentlicht wird, oder nicht. Umgekehrt kann ich ja auch nicht hingehen und einen Blog oder eine Reihe von Wikipedia-Artikeln, weil sie mir gut gefallen, abdrucken und unters Volk bringen …

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Thomas D. 23. Oktober 2010 um 19:59

@bigboo73

wie du selbst schreibst – für Windowsnutzer mag es noch einigermaßen zumutbar sein, ein DRM-behaftetes eBook auf den Reader zu kriegen. Aber ich habe zwar ein paar Rechner hier rumstehen (2 Desktops, 2 Notebooks, einen Netbook) – die laufen aber alle unter einem Linuxderivat bzw. Solaris. Eine Windowslizenz habe ich nicht. Somit habe ich nicht den Hauch einer Möglichkeit legal ein DRM behaftetes eBook auf den Reader zu kriegen.

Der andere Punkt ist die Beschränkung auf ein bestimmte Anzahl Geräte. Also ich selten länger ein Gerät als max. 2 Jahre. Wenn ich eine Windows Lizenz hätte und ein DRM-eBook auf meine beiden Reader haben wollte, wären schon mal 3 Geräte weg (von 6). D.h. da wäre nach absehbarer Zeit schluß mit lesen, weil Adobe DRM ja meist nur 6 Geräte zuläst. Dazu kommt noch, dass ich das eBook anders als eine Druckausgabe nicht als Gebrauchtbuch weiterverkaufen kann. Man steht also viel schlechter da, als bei einem gedruckten Buch und soll den selben Preis bezahlen. Ich bitte dich – das ist lächerlich!

Von daher gilt für mich: DRMfrei kaufen ist ok und zu unterstüzen – und da kann ich auch mit einem Preis leben, der nahe an der einer Druckausgabe liegt. DRM würde ich nur akzeptieren, wenn es a.) die Software dafür auch für ein von mir verwendetes OS gibt und b.) der Preis vergleichbar dem eines Leibuches wäre – also max. 1 bis 2 €.

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Trampeltier123 2. November 2010 um 11:56

Hi, also ich finde die Diskussion sehr gut aber meiner Meinung nach gehen einfach alle viel zu weit ins Detail.

Das DRM nicht ins eBook gehört zeigt sich doch schon auf viel einfacherer Weise.

Beispiel: Ich gehe einen „Ken Forllett – Titel X“ kaufen für 28 Euro und lese den. Meine Nachbarin (keine nahe Verwandte) kauft sich etwa zur selben Zeit ein „Harry Potter – Titel Y“ für 15,90 Euro. Beides in Hardcover od. Taschenbuch Ausführung. So nun liest jeder sein Buch nach etwa 3 – 4 Monaten tauschen wir die Bücher aus und lesen jeweils das andere. Ist das ilegal, komme ich dafür ins Gefängnis?

Es gibt Millionen Menschen die Bücher verborgen, verleihen, mal eben zum lesen oder recherchieren weg geben oder sogar verschenken wenn es nicht mehr gebraucht wird. Oder Bücher liegen gebraucht auf dem Flohmarkt bzw. der Bücherbörse für wenige Cent rum.

Nun die alles entscheidene Frage warum hat das in den letzten 300 Jahren keinen interessiert was mit normalen gedruckten Büchern passiert nachdem sie einmal verkauft wurden. Da ist und war alles möglich und alles erlaubt alles legal.

Jetzt kommt das neuzeitliche eBook daher und soll vor all dem was ich gerade als Freiheit im tun mit einem gedruckten Buch beschrieb möglichst verhindert werden. Das eBook soll so stark eingeschränkt werden und möglichst zum gleichen Preis wie ein gedrucktes verkauft werden, nur aus einem Grund: Auch die Verleger wissen das eBooks die Zukunft sind und wittern ihren fetten Gewinn, denn in Zukunft muß sich auch meine Nachbarin ihren eigenen Ken Forllett – Titel X“ kaufen, da ich Ihr meinen nicht mehr borgen kann wenn ich fertig bin mit lesen dank DRM. Für mich ist das einzig und allein der Weg in Richtung Gewinnmaximierung der Verlage, da die jetzt/zukünftig definitiv mind. 2 Ken Forllett – Titel X“ verkaufen können dank DRM oder sonstigem Lese-/Eigentumsschutz. Denke nur mal einer DRM würde sicher/nicht knackbar funktionieren und ein neuer Harry Potter Band würde ausschließlich als eBook vertrieben werden. Was für ein Milliarden Geschäft für die Industrie. Alle müssten sich das eBook selbst kaufen und die allermeisten den passenden eReader dazu. Den Preis des eBook auf dem Niveau des gedruckten halten und schon regnet es viele neue Millionäre. Ein Schelm der da böses denkt wie ich….. :o)

Aus meiner Sicht sind alles „kleine Verbrecher“ die nur zum Ziel haben dem Verbraucher das letzte Geld aus der Tasche zu ziehen.

Kein Mensch redet von den wirklichen Vorteilen eines eBooks wie verminderte Baumrodung, weniger giftige Druckerschwärze, weniger Umweltbelastung und so weiter.

Nein, nein die Lobby lenkt schön ab in dem sie uns alle hier schön mit der Piracy ablenkt.

PS:
Ich würde jederzeit ein originales eBook kaufen wenn:
– der Preis (ca. 10 Euro beträgt, da Stückkostenpreise um ein vielfaches geringer sind als bei Printmedien)
– die Freiheit mit dem eBook die selbe bleibt wie beim gedruckten Buch aus der Buchhandlung

Solange das nicht eintritt bleibe ich beim gedruckten Buch und habe auch zukünftig nur halbe Kosten, da meine Nachbarin ein Buch kauft und ich ein anderes und wir so auch zukünftig genügend Bücher zum tausch/wechsel haben.

Antworten

A. B. 17. Dezember 2010 um 09:33

Auch große eBook-Webshops können schnell zu „Piraten“ werden, wenn da nicht aufgepasst wird.

Vor kurzem zog buch.de / thalia.de eine Reihe von Titeln aus dem Verkehr die ohne Prüfung einfach aus dem US Project Gutenberg übernommen und als Kaufdateien angeboten worden waren.

Näheres hier:

http://walfischbucht.wordpress.com/2010/12/06/wasser-predigen-und-selbst-nicht-aufpassen/

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