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Zahlen von Sony, RandomHouse, Libri, textunes

Die Beteiligten am eBook-Geschäft – Hersteller, Verlage, Distributoren – sind seit jeher zurückhaltend mit der Publizierung konkreter Verkaufszahlen. Amazons Unwillen, absolute Kennziffern zum Absatz für den Kindle 2 zu nennen, veranlasste vor einigen Monaten sogar Steve Jobs zu einem schnippischen Kommentar, so hoch könnten die Verkaufszahlen dann ja wohl nicht sein (vermutet werden 3 Millionen). Unter den Publishern zählen das WSJ und Random House USA zu den Wenigen, die bereits Karten auf den Tisch legten.

randomhouse_sZur morgen beginnenden Leipziger Buchmesse haben nun gleich vier große deutsche Player Einblicke in ihre Bilanz gegeben – und mahlen ein erstaunlich positives Bild vom Status quo des hiesigen eBook-Marktes. Random House Deutschland, die Dachmarke der Bertelsmann-Buchverlage, konnte heute immerhin den 100.000 eBook-Verkauf vermelden – 2.500 deutschsprachige Titel sind momentan im Angebot. Gegenüber 2008 habe sich der Umsatz verzwanzigfacht, der Markt weise eine ähnlich dynamische Entwicklung auf wie in den USA.

Noch tiefere Einblicke gibt das Berliner Mobile-Startup textunes: Zwar habe man bislang (seit Start des Dienstes vor zwei Jahren)“nur“ 50.000 eBooks als iPhone/iPod Touch Apps verkauft, konnte insgesamt aber schon über 350.000 Downloads verzeichnen. textunes tritt dabei als Zwischenverkäufer auf, auch Random House eBooks werden aufs Smartphone gebracht – die beiden Verkaufszahlen sind also nicht ganz überschneidungsfrei.

Bestseller von textunes ist das Sarah-Wiener-Kochbuch, welches zum Preis von 0,79 Euro innerhalb von vier Monaten rund 4.000x über den virtuellen Ladentisch gegangen ist. Schon die Nr. 2 ist dabei ein für iTunes-Verhältnisse recht hochpreisiger Titel: Das Sachbuch 50 Erfolgsmodelle kostet happige 13 Euro. Im Gespräch mit Spiegel Online erläutert ein Unternehmenssprecher seine Vision für konventionelle eBooks: „In der U-Bahn lesen die Leute ihren Thriller auf dem Handy weiter, Zuhause haben sie die gedruckte Version auf dem Nachtisch liegen.“ Man verhandele derzeit entsprechende Bundle-Deals, kann den (sicherlich anfallenden) Aufpreis aber noch nicht in Zahlen fassen.

Der Grossist Libri legte gestern ebenfalls ein paar Statistiken zu seinen eBook-Umsätzen vor, blieb dabei aber eher wage. So ist in der Pressemitteilung zu lesen, dass 42% der eBook-Käufer weiblich sind und der durchschnittliche mit elektronischer Literatur befüllte Warenkorb 14,50 Euro liegt, der häufigste Einzeltitelpreis betrug 9,99 Euro. Meistverkauftes eBook in 2009 war Verblendung von Stieg Larsson – absolute Verkaufszahlen gibt es dazu nicht.

Als erster und wohl wichtigster Sony Reader Vertriebspartner in Deutschland dürfen bei Libri Zahlen zum Reader-Verkauf nicht fehlen: 71% aller verkauften Sony Reader wurden an Männer verschifft. Bei der neuen kompakten Pocket Edition haben allerdings momentan Frauen mit 64% die Nase vorn. Nicht verkneifen konnte sich Libri die reichlich überflüssige (weil selbstverständliche) Info, die pinke Lakierung gehe überwiegend in Frauenhände.

prs-6002_lgAuch Sony selbst hat zum 1. Jahrestag seiner Deutschland-Präsenz eine Pressemitteilung aufgelegt, bleibt darin aber Verkaufszahlen seiner Readerfamilie (wiederum) schuldig. Statt dessen wird auch hier auf das enorme Wachstum des eBook-Marktes verwiesen: Seit Oktober 2009 habe sich der monatliche Umsatz mit digitaler Literatur mehr als verdoppelt, „besonders nach dem sehr erfolgreichen Weihnachtsgeschäft ist ein nachhaltiger Anstieg der monatlichen E-Book Downloads zu verzeichnen“ (Dr. Pascal Zimmer, GF Libri).

Zum Reader-Absatz gibt es nur die Info, elektronische Lesegeräte seien die am schnellsten wachsende Produktkategorie bei Sony Deutschland. Thalia und Libri dürfen in der PM außerdem einmal mehr betonen, wie „sehr zufrieden“ sie mit der Umsatz- und Marktentwicklung sind (womit es zumindest bei Thalia nicht weit her sein kann).

gfk-logoIm krassen Kontrast dazu steht eine Mitteilung der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK), die Mitte 2009 die ersten belastbaren Zahlen zum eBook-Verkauf in Deutschland vorlegte und eine solche Erhebung eigentlich im Quartalsrythmus wiederholen wollte. Weitere Zahlen blieb die GfK jedoch bis heute schuldig, auch eine an sich geplante Gesamtstatistik für 2009 wurde nicht realisiert. Die Kollegen vom Buchreport bekamen auf Nachfrage die Information, der Markt sei derzeit einfach noch zu klein für zuverlässige Hochrechnungen: „Wir wollen warten, bis der Markt eine Größe hat, bei der wir valide Aussagen treffen können.“

Das zweifellos vorhandene enorme Marktwachstum sollte entsprechend immer unter Berücksichtigung der niedrigen Basiswerte betrachtet werden: Vor März 2009 gab es in Deutschland de facto noch kein Geschäft mit digitaler Literatur, entsprechend glänzend fallen die relativen 12-Monats-Zahlen aus. Während der Gesamtmarkt aber nicht gerade durch die Decke geht, wird sich der eBook-Handel auch in 2010 zumindest als verlässliche Wachstumsgröße erweisen.

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Kommentare


lexmarkz55 17. März 2010 um 20:01

Die Zahlen waren ja nicht anders zu erwarten!

Gerade in Deutschland hinkt man dem Trend „ebook“ noch hinter her.
Zwar wurden in letzter Zeit eine Menge Geräte vorgestellt, aber was nützen die, wenn das entsprechende „Lesematerial“ nicht vorhanden ist, bzw. überteuert angeboten wird!

Entweder besteht überhaupt keine Preisdifferenz, oder nur meist 2 bis 3 Euro.
Wem soll man da das „ebook“ schmackhaft machen?!

Die Verlage sollte sich da mal an die Nase fassen und kräftig die Preise senken!
Sonst nimmt das noch so ein Ende wie „WAP“ oder „MMS“ bei den Handys; auch hier haben die Netzbetreiber das „Medium“ überteuert angeboten, welches dann bei der Kundschaft einfach durchgefallen ist.

Zusätzlich sollten nicht künstliche Barrieren aufgebaut werden; sprich ebooks mit einem Jahr oder mehr Verspätung erscheinen, als die Printausgaben.

Gruß
Lexmark

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