Skip to main content

Tolino Vision im Test [+ Video]

Kompakter, schneller, kontrastreicher: Der Tolino Vision präsentiert sich als rundum verbesserter Nachfolger des Tolino Shine, für den aber auch tiefer in die Tasche gegriffen werden muss. Wie das neue Top-Modell im Vergleich zum Kindle Paperwhite 2 abschneidet und ob sich für Besitzer des Tolino Shine ein Upgrade lohnt, klärt unser Testbericht.

Optik und Haptik, Zubehör

Tolino Vision (l.), Tolino Shine

Tolino Vision (l.), Tolino Shine

Das Äußere des Tolino Shine bezeichnete einer unser Foristen als “DDR Design”, das biedere braungraue Gehäuse wirkt tatsächlich reichlich altbacken. Der Tolino Vision wirkt demgegenüber deutlich zeitgemäßer: Das schwarze Gehäuse mit abgerundeten Ecken könnte auch zu einem kompakten Tablet etwa von Samsung gehören.

Zu diesem Eindruck trägt auch bei, dass sich die Frontverglasung jetzt über die gesamte Oberseite erstreckt. Eine solch ebene Oberfläche kennt man bislang vornehmlich von Tablets und Smartphones, im eBook-Reader-Bereich gibt es sie sonst nur bei Kobo Aura. Einen optischen Wermutstropfen gibt es aber: Die Rückseite ist nach wie vor braungrau, auch die Front ist so eingerahmt. Das ist zumindest Geschmacksache und auf jeden Fall inkonsequent.

Auf den ersten Blick fällt das im Vergleich zum Tolino Shine kürzere Gehäuse auf. 1,2cm in der Länge – vor allem am unteren Ende – und 0,2cm in der Breite beträgt der Unterschied, weiterhin ist das Gerät minimal dünner und leichter. Haptisch fällt das aber weniger ins Gewicht als erwartet. Vor allem wenn man den noch 0,5mm schmaleren Sony Reader PRS-T3 in die Hand nimmt, offenbart sich der Spielraum, den die Tolino-Allianz da noch gehabt hätte. Noch weniger wäre hier tatsächlich mehr gewesen.

Der Tolino Vision verfügt – anders als die Kindle-Lesegeräte – über einen Home Button auf der Vorderseite, die Taste ist diesmal aber sensorisch statt mechanisch. Sie leuchtet bei Bedienung auf und erfüllt ihren Zweck, ist anfangs aber noch etwas ungewohnt. Ansonsten ist der Schiebeschalter zum Ein- und Ausschalten einer Taste gewichen. Unten fiel die Schutzklappe vor Micro-SD-Slot und Micro-USB-Anschluss dem Rotstift zum Opfer, was nicht wirklich bedauerlich ist.

Technik

Im Vergleich zum Tolino Shine verfügt der Vision über eine schnellere CPU (1 GHz statt 800 MHz) und mehr Arbeitsspeicher (512 Mbyte statt 128 Mbyte). Der interne Speicherplatz ist nach wie vor 4 Gbyte groß (davon ab Werk 2,15 Gbyte frei) und per micro-SD-Karte erweiterbar. Das neue E-Ink-Carta-Display löst wie das Pearl-Panel des Vormodell 1024x758px auf (165ppi), die Beleuchtung wird über fünf in den unteren Rahmen integrierte LEDs nebst Lichtleiterfolie realisiert.

Lesen

Tolino Vision (l.), Tolino Shine

Tolino Vision (l.), Tolino Shine

eBooks machen auf dem Tolino Vision eine prima Figur. Die von E-Ink postulierten “bis zu 50 Prozent” Unterschied beim Kontrast zwischen Pearl und Carta sind ein sehr optimistischer Wert, die Textanzeige ist auf dem Vision aber tatsächlich sichtbar besser als auf dem Shine. Text wirkt satter, der Hintergrund natürlicher. Bei der Blättergeschwindigkeit gibt es kaum einen Unterschied, wohl aber bei schnellem Vorblättern (siehe Video). Geblättert wird mit Wischen oder Tappen, was problemlos funktioniert. Hier zeigt sich auch ein Vorteil der ebenen Oberfläche: Wischen geschieht wesentlich intuitiver, wenn man nicht darauf achten muss, dass sich der Daumen tatsächlich auch auf dem Display befindet (und nicht etwa noch auf dem Rand).

Tolino Vision (l), Kindle Paperwhite 2 bei voller Beleuchtung

Tolino Vision (l), Kindle Paperwhite 2 bei voller Beleuchtung

Auch an der Beleuchtung hat die Tolino-Allianz gearbeitet, sie geht jetzt wesentlich weniger ins Blaue als noch beim Tolino Shine. Erste Käufer des Vision bemängeln teilweise eine milchige Anzeige und einen Litfasssäulen-Effekt bei eingeschalteter Beleuchtung (etwa hier und in unserem Forum). Während wir letzteres nicht bestätigen können – tatsächlich ist die Ausleuchtung bei unserem Review Sample vorbildlich gleichmäßig -, geht die Beleuchtung beim Tolino Vision tatsächlich etwas auf Kosten der Textschärfe. Das fällt gerade im Vergleich zum Kindle Paperwhite 2 auf, dem einzigen anderen derzeit erhältlichen eBook Reader mit Carta-Display. Für sich betrachtet ist die Anzeige von Text beim Tolino Vision aber auch bei voller Beleuchtung noch absolut akzeptabel.

Bei den Anzeige- und Bearbeitungsoptionen hat sich beim Tolino Vision im Vergleich zum Vormodell nichts getan. Nach wie vor gibt es zusätzlich zur Verlagsschrift fünf Schriftarten zur Auswahl (statt Meta Pro nun Fina), hinzu kommen sieben Textgrößen. Ausrichtung, Zeilenabstand und Seitenrand können in drei Stufen verändert werden. Zu Wörtern und Abschnitten lassen sich Markierungen und Notizen anlegen, die – das ist neu und lobenswert – nun als txt-Dokument im Gerätespeicher gespeichert werden. Vier bilinguale und fünf monolinguale Wörterbücher ergänzen die ordentliche Ausstattung.

Bei der Anzeige von PDF-Dateien profitiert der Tolino Vision von seiner starken Hardware. Großformatige und bildlastige Dokumente öffnen sich merklich schneller als noch beim Tolino Shine (siehe Video). Die Anzeige-Optionen halten sich hier aber weiterhin in engen Grenzen, eine Fixierung des Zoom oder gar des gewählten Bildausschnittes über mehrere Seiten hinweg wie beim Sony Reader PRS-T3 ist weiterhin nicht möglich. Generell ist ein 6″ eBook Reader ohnehin mäßig geeignet für die PDF-Anzeige.

E-Books kaufen/Laden, Apps

Tolino Vision: epub3-Dateien müssen draußen bleiben

Tolino Vision: epub3-Dateien müssen draußen bleiben

Zunächst einmal muss an dieser Stelle mit einer Werbelüge aufgeräumt werden. In den Presse-Statements der Tolino-Alliierten sowie wörtlich im neuen Tolino-Vision-Werbespot heißt es, das Gerät liest “mit seinem offenen System eBooks in jedem Format”. Tatsächlich versteht sich das Gerät nur mit pdf- und epub-Dateien mit und ohne Adobe DRM sowie mit Text-Dateien. Wer aufgrund des Marketing-Versprechen etwa bei Amazon.de eines der vielen Tausend Kindle-exklusiven eBooks kauft, schaut weiterhin in die Röhre. Gleiches gilt aktuell aber auch für epub3-Titel, mit denen der Tolino Vision überhaupt noch nicht zurecht kommt (siehe Bild rechts). Der Tolino Shine öffnete die gleiche Datei übrigens klaglos.

Richtig ist aber natürlich, dass Lesefreunde beim Einkaufen für den Tolino Vision deutlich mehr Stores zur Auswahl haben als bei Amazon (wofür vornehmlich die Verlage und Indie-Autoren verantwortlich sind, die ihre eBooks mit hartem Kopierschutz versehen). Dank der im letzten Herbst eingeführten Bibliothek-Verknüpfung-Funktion können bei anderen Tolino-Partnern gekaufte eBooks problemlos in den Gerätespeicher des Vision geholt werden, pro Händler lässt sich allerdings nur ein Account verknüpfen.

Der vorinstallierte eBook Store kommt von dem Händler, bei dem auch der Tolino Vision gekauft wurde. Präsentation und Angebot variieren hier deutlich, so ist die Storefront von Thalia deutlich weiterentwickelter als die vom Club Bertelsmann. Bei den Lese-Apps kochen alle Anbieter noch ihr eigenes Süppchen, dank Bibliotheks-Verknüpfung ist man hier aber unabhängig vom Ort des Tolino-Kaufes frei in seiner Auswahl.

Tolino Vision im Test – Video

Fazit

+

Optisch ist der Tolino Vision ein deutlicher Schritt nach vorne, wobei der neue Look nicht nur Selbstzweck ist: Die durchgehende Frontverglasung hat auch praktische Vorteile, etwa beim Blättern. Bei der Geschwindigkeit legte der Tolino Vision im Vergleich zum Shine spürbar zu. Das E-Ink-Carta-Display sorgt für eine exzellente Textdarstellung und ein deutlich papiernäheres Lese-Erlebnis, als das bei Lesegeräten mit Pearl-Display der Fall ist. Die Optionen innerhalb eines Buches sind inzwischen ausreichend, …

… aber noch nicht auf Kindle-Niveau (Social Reading, verschiedene Positionsangaben, …). Das Einkaufs- und plattformübergreifende Lese-Erlebnis ist im direkten Vergleich weiterhin weit weniger flüssig, bei der PDF-Anzeige gibt es nach wie vor funktionalen Nachbesserungsbedarf. Bei der Optik hätten wir uns eine konsequentere Erneuerung gewünscht (graubraune Rückseite, breiter Rand), die Textanzeige bei voller Beleuchtung könnte besser sein. Ob die Abstinenz der zahlreichen günstigen Indie-Titel und AmazonCrossing-eBooks, die es exklusiv im Kindle Store gibt, ein Makel ist, muss jeder für sich entscheiden.

=

award tolino vision finalDie Tolino-Allianz hat im Grunde genommen ein schon wirklich gutes Lesegerät (vergleiche unseren Testbericht zum neuen Tolino Shine im Herbst) an den richtigen Stellen verbessert. Schon aufgrund seines Status als einziger epub-Reader mit E-Ink-Carta-Panel, das im Vergleich zu Pearl tatsächlich einen sichtbaren Unterschied macht, ist der Tolino Vision damit das beste “offene” Lesegerät auf dem Markt und erster Kindle-Herausforderer.

Panel, neue Optik und schnellere Hardware rechtfertigen auch die 30 Euro Aufpreis zum Tolino Shine. Wer sich in den letzten 13 Monaten einen Shine zugelegt hat, für den lohnt das Upgrade hingegen nicht – wesentlich kosequenzenreicher als das jetzige Hardware-Update waren die Verbesserungen der Tolino-Shine-Firmware in den Monaten nach dem Verkaufsstart.

Ob man nun zum Kindle Paperwhite 2 oder zum technisch und funktional geringfügig schlechteren, dafür aber offenen und “deutschen” (Thalia gehört einer US-Investmentfirma) Tolino Vision greift, ist letztlich eine Frage der persönlichen Prioritäten und auch des optischen Geschmacks. Stimmt die Software – in Form guter eBooks –, kann man mit beiden Geräten eine ausgezeichnete Zeit haben.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (108 votes, average: 4,30 out of 5)

Ähnliche Beiträge


Kommentare


Tolino Vision: 13 Dinge, die sich Nutzer als Firmware Update wünschen » lesen.net 22. Mai 2014 um 17:34

[…] sich jetzt außerdem epub3-Dateien öffnen lassen – ein Kritikpunkt in unserem Tolino Vision Testbericht. Nachvollziehen können wir das leider nicht, weil unsere Test-Tolino beim Firmware Update eine […]

Antworten

Tolino Vision 2 im Test [+Video] » lesen.net 25. Oktober 2014 um 14:09

[…] In unserem Tolino Vision Test nannten wir das Mischmasch-Design des Tolino Vision “zumindest Geschmacksache und auf jeden Fall inkonsequent”. Diese Konsequenz haben die Tolino-Allierten jetzt an den Tag gelegt, was wir naturgemäß begrüßen. Auf der jetzt komplett schwarzen Rückseite wurde der aufgedruckte Tolino-Schriftzug durch eine schwarze Reliefstruktur ersetzt, wie sie auch der Kindle Paperwhite 2 hat. Auch das ist klar ein optischer Gewinn. […]

Antworten

Tolino Vision 2: Nur Bertelsmann hält die 129 Euro » lesen.net 5. November 2014 um 12:40

[…] Tolino-Regal bei Hugendubel (Tolino Vision 1 mittig rechts mit lesen.net-Testsiegel) […]

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*